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Huckepack-Mission: Kann Liebesdienst ohne Botschaft auskommen?

Vor einigen Tagen haben wir uns zur zweiten Internetmissionskonferenz in Lüdenscheid getroffen. In der Diskussion hat sich eine wichtige Frage ergeben: Kann man nur durch Taten missionarisch sein?

“Konferenz” ist ein wenig groß abgebissen, genau genommen sind es rund 20 Leute, die sich regelmäßig über die Möglichkeiten austauschen wollen, im Internet Evangelium zu verkündigen. Eine tolle Runde!

Unser diesmaliger Referent Tim Müller hat uns in seiner Keynote unter anderem drei wichtige Elemente von funktionierenden viralen Kampagnen vorgestellt:

Der Erzähler
Zuerst ist da immer der Erzähler, ein Mensch, der eine Geschichte erzählt, eine Vision. Allen Menschen den Zugang zu sauberem Trinkwasser zu ermöglichen (www.charitywater.org). Oder Schuhe zu verkaufen und für jedes verkaufte Paar verschenkt der Händler genau das gleiche Paar noch einmal an ein bedüftiges Kind irgendwo auf der Welt (www.toms.com). Eine Vision, die begeistert, die Menschen ansteckt.

Die Vernetzung
Aber um diese Vision umzusetzen, müssen sich Menschen zusammentun. Hier kommt die Rolle der sozialen Netzwerke zum Tragen. Ihre Stärke ist nicht Informationsübermittlung an eine möglichst breite Masse – das können TV und Radio besser. Ihre Stärke ist die Vernetzung von Menschen. Nicht mehr und nicht weniger. Soziale Netzwerke können eine Idee stark machen, indem sie Menschen zusammen bringen, die diese Idee unterstützen. Und zwar sichtbar zusammen bringen. Ein Flyer mit derselben Idee würde vielleicht bei ebensovielen Menschen zünden. Aber zum Flächenbrand wird sie erst, wenn diese Menschen voneinander wissen und sich als Teil eines großen, Ganzen fühlen, wenn sie die Energie des Moments, die Power der Idee spüren. Erst dann wird aus einem Strohfeuer eine große, virale Bewegung – im besten Falle mit nachhaltigen Konsequenzen.

Der Auftrag
Damit die Idee nicht nur Idee bleibt fehlt aber noch ein wichtiger Baustein: Ein konkreter Auftrag. Die von der Idee begeisterten und miteinander vernetzten Menschen müssen genau wissen, was sie tun sollen: Kauft ein Paar von Toms Schuhen! Spendet soundsoviel Euro an Charity Water. Um einer Idee, die viele begeistert, konkrete Taten folgen zu lassen, benötigt man diesen klaren und einfachen Auftrag.

Diese drei Schritte sind lebenswichtig, wenn aus einer Idee über das Internet eine Massenbewegung werden soll. Dass das wahr ist sieht man aktuell an der Vision von Eva Jung, den Film “Ich liebe dich. Gott.” in möglichst viele Kinos zu bringen. Die Erzählerin ist da (Eva), die Vernetzung ist da und der konkrete Handlungsauftrag (spende, damit deine Stadt dabei ist!). Es hat geklappt und über 2 Mio. Menschen werden in den kommenden Wochen den kurzen Film mit dieser einfachen Botschaft sehen. Phantastisch!

Unser anschließendes Gespräch in der Runde kam schnell zu der Frage, ob es überhaupt möglich und sinnvoll ist, über soziale Netzwerke das Evangelium als virale Botschaft zu verbreiten. Oder ob nicht eigentlich das ganze geerdet werden muss in einer konkreten Handlung im Alltag der Menschen, etwas Sichtbares, das das soziale Netzwerk verlässt und echte Taten bewirkt.

Huckepack-Mission?
Eigentlich sahen das alle schnell so. Plötzlich kippte aber etwas und ich ertappte uns dabei, intensiv über die Möglichkeiten nachzudenken, wie über so eine konkrete Aktion “trotzdem” das Evangelium rübergebracht werden könnte.

“Trotzdem”? Besteht Mission denn immer nur im Weitergeben einer verbalen oder verschriftlichten Botschaft? Das fragte ich mich und dann auch die Runde und schloß an, dass Jesus eigentlich nie eine Heilung direkt mit einer konkreten Botschaft im Hinblick auf Heil oder Rettung verbunden hatte. Oh, das gab ein großes Hallo! Das stimme auf keinen Fall und das ginge aber zu weit. “Da kann ich nun wirklich nicht mehr unterstützen!” wurde mir, dem alten Herätiker, an den Kopf geworfen.

Ich gebe zu, ich habe mich wahrscheinlich zu unklar ausgedrückt, hätte von einer “konkreten verbalen” Botschaft reden sollen. Denn natürlich sind Jesu Taten allesamt Zeichenhandlungen, die den Anbruch des Reiches Gottes markieren und insofern selbst Botschaft sind. Nie aber hat Jesus direkt so etwas wie “Ich habe dich geheilt, nun glaube an mich und lass dich retten!” oder wenigstens ein “Sei geheilt und nun folge mir nach!” verlauten lassen – erklärte ich. Danach war etwa die Hälfte beruhigt und stimmte mir zu, aber ich konnte nicht alle überzeugen. Mir wurde dabei klar: Das alles hängt eng mit unserem Missionsverständnis zusammen.

Was Jesus nicht tut
Ich wollte das genau wissen und habe mir die Mühe gemacht, habe alle Heilungen Jesu durchgesehen und habe eine Statistik erstellt. Und die sagt: Von 30 überlieferten Heilungen verknüpft Jesus lediglich zwei mit einer konkreten, verbalen Aussage. Einmal, in Lukas 14, spricht Jesus von sich aus am Sabbat die Pharisäer in einer Synagoge an, als er einen Mann mit Ödemen sieht. Er fragt die Schriftgelehrten, wie das mit Heilungen am Sabbat sei und heilt den Mann dann demonstrativ vor ihren Augen.

Das zweite Ereignis ist die Auferweckung des Lazarus – eine ganz besondere Geschichte, nicht nur, weil Totenauferweckungen in Jesu Wirkzeit recht rar gesät waren. Ganz demonstrativ ignoriert Jesus den Hilferuf aus Betanien für drei Tage und kommt (nach Meinung von Maria und Marta) viel zu spät in dem kleinen Dorf an. Dort herrscht bereits helle Aufregung wegen des Todes (Beerdigungen dauerten damals ein paar Tage, im Gegensatz zu den 30 Minuten-Beisetzungen im hektischen 21. Jahrhundert). Jesus wird im Laufe des Gesprächs ziemlich ärgerlich, weil niemand auch nur ansatzweise damit rechnet, dass Jesus hier noch etwas ausrichten kann. Bewusst betet er laut und dankt Gott dafür, dass er ihn erhört habe. “Damit sie glauben, dass du mich gesandt hast”, so Jesus. Und dann kommt der noch in Leichentücher eingewickelte Lazarus aus seinem Grab gestakst, noch mit Schweißtuch über dem Gesicht. Eigentlich eine ziemlich amüsante Geschichte. Sie mal mit ein paar guten Comedians nachzuspielen wäre sicher sehr erhellend (ich seh schon, an dieser Stelle werden sich ein paar Spaßfreie unter uns sicher echauffieren).

Bei allen anderen Wundern aber – und das lohnt sich mal nachzulesen – steht die gute Tat Jesu an den jeweiligen Menschen ganz für sich allein. Ohne Belehrung, ohne Hinweis auf Tod und Auferstehung, ohne Traktat. Vielfach zieht Jesus sich sogar bewusst zurück, um die Heilung durchzuführen, manchmal gibt er sich nicht einmal zu erkennen. Wenn Jesus Menschen etwas Gutes tut, dann ist das erstmal fast immer nur um desjenigen willen. Jesus missbraucht seine Heilungen nicht als Mittel zum Zweck, um über die Tat dann noch eine Botschaft zu transportieren. Er heilt mit wenigen Ausnahmen nicht, um Menschen offen für irgendetwas zu machen, sondern einfach, um sie zu heilen, um sie von ihrer Last, ihrem Schmerz oder ihrer Einschränkung zu befreien. Ohne den Drang, im Zuge dessen noch auf das Evangelium hinweisen zu müssen. Nein, vielmehr sind genau diese Taten Teil des Evangeliums, Teil des angebrochenen Reiches Gottes.

Was Jesus tut
Was Jesus aber tut: Er reagiert einerseits auf Fragen, die die Geheilten oder die Umstehenden in der Folge des Wunders stellen. Dadurch entbrennt oft eine inhaltliche Diskussion, in deren Verlauf Jesus Stellung bezieht und die Gelegenheit nutzt, etwas weiter zu geben.

Aber natürlich bewirkt andererseits auch jede Heilung, die einigermaßen öffentlich geschieht, dass die Menschen über ihn, seine Taten und sein Auftreten als Messias reden. Die Heilungen geschehen also nicht im luftleeren Raum, sondern sind in das Gesamtwirken Jesu eingebettet. Man weiß, wofür Jesus steht, deswegen muss er gar nichts dazu sagen, muss keine Predigt verlesen oder ein frommes Kärtchen da lassen.

Genau das ist aus meiner Sicht der Schlüssel zu unserer Frage. Benötigt Mission immer Worte? Muss Evangelisation immer erklären, damit derjenige sich im Zweifelsfalle direkt an Ort und Stelle bekehren könnte? Wie ein Vertrag, den einer unterschreibt und der dazu die Bedingungen wissen muss?

Oder dürfen bewusste Handlungen von Christen an ihren Mitmenschen auch für sich selbst stehen? Ohne Mittel zum Zweck zu sein, ohne zum Trägermaterial für eine (in Worte gefasste) Botschaft zu werden?

Authentizidingsbums
Ich glaube, oberste Maxime sollte für uns sein, beim allem, was wir tun, authentisch zu bleiben, echt und ohne Hintergedanken. Menschen spüren, ob wir in ihnen ein “Missionsobjekt” sehen, an das es sich anzupirschen gilt. Zahllose Ratgeber möchten uns fit darin machen, Freundschaften mit unseren Nachbarn und Arbeitskollegen aufzubauen, um dann mit ihnen über das Evangelium reden zu können. Kann eine solche Freundschaft ehrlich sein? Sicher nur dann, wenn klar ist: Wir würden es genauso tun, wenn wir schon vorher wüssten, dass derjenige sich nie für das Evangelium entscheiden wird.

Dasselbe gilt meiner Meinung nach für eine eventuell einmal zu startende virale Aktion von Christen in Deutschland: Wir sollten Gottes Liebe ganz praktisch zu den Menschen bringen, ohne einen Hintergedanken. Einfach mal etwas Gutes tun. Stellt euch vor, Christen in Deutschland würden an einem Tag einfach für eine Stunde ihren Nachbarn helfen. Oder an einem Tag Obdachlosen in Deutschland zu essen geben. Oder sogar, sie zum Essen einladen. Oder vielleicht einfach nur einen Tag lang bewusst ausländische Menschen anlächeln, die uns begegnen? Was könnte das bewirken? Und wie viele würden mitmachen, wenn wir klar unsere Motivation mitteilen würden, nämlich Gottes Liebe konkret weiterzugeben, aber genauso klar ausschließen würden, Huckepack ein Gespräch über den Glauben anzupeilen? Wenn wir darauf vertrauen, dass Liebe Liebe ist und Gott die Saat wachsen lässt?

Das fände ich mal sehr spannend: Eine Liebesaktion ohne das Ziel, mit demjenigen über den Glauben ins Gespräch zu kommen? Wie seht ihr das? Wärt Ihr bei so etwas dabei oder geht das für euch gar nicht?

Sollten das deine Freunde auch lesen? Teile es!

Kommentare

20 Kommentare auf "Huckepack-Mission: Kann Liebesdienst ohne Botschaft auskommen?"

  1. Manfred Krüger says:

    Sehr gut !!!!!

    Antworten
  2. Simon says:

    Danke für diesen amüsanten, schönen Text. Du bist echt begabt.

    Allerdings habe ich gewisse Anmerkungen: Kann man Deiner Meinung nach davon ausgehen, dass durch Charity: Waters oder durch TOMs Shoes Menschen für die Liebe Gottes offen werden, anfangen zu glauben und so für die Ewigkeit gerettet werden? Oder dass sie zumindest die Organisatoren der Projekte bzw. die Träger der Schuhe oder die Spender mit Fragen über Gott und den Glauben bombardieren? Wenn nicht, denk ich, geht Deine Theorie nicht ganz auf, oder!?

    Wobei: Ich denke, dass Du auch recht hast. Nämlich damit, dass unsere Liebe unseren Mitmenschen gegenüber echt und ohne Hintergedanken sein sollte. Aber gerade deshalb darf für mich da die genialste Botschaft nicht fehlen. Denn wir haben etwas, was noch kostbarer als Schuhe oder Wasser ist. Dagegen ist jede andere Liebestat fast bedeutungslos. Vielleicht kann man sogar soweit gehen, dass eine Liebesaktion – ohne Hinweis auf die Liebe in Person – fast lieblos ist!? Weil sie das Eigentliche, das Wesentliche, das Wichtigste vorenthält!?

    Antworten
    • Rolf Krüger says:

      Hi Simon,

      danke für die Blumen. 🙂

      Guck dir mal dieses Video an und/oder lies die Story von Scott, dem Gründe von Charity: Water: http://www.charitywater.org/about/scotts_story.php

      Ein Auszug:

      There’s a biblical parable about a man beaten near death by robbers. He’s stripped naked and lying roadside. Most people pass him by, but one man stops. He picks him up and bandages his wounds. He puts him on his horse and walks alongside until they reach an inn. He checks him in and throws down his Amex. “Whatever he needs until he gets better.”

      Because he could.

      The dictionary defines charity as simply the act of giving voluntarily to those in need. It’s taken from the word “caritas,” or simply, love. In Colossians 3, the Bible instructs readers to “put on charity, which is the bond of perfectness.”

      Although I’m still not sure what that means, I love the idea. To wear charity.

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  3. Gaby Wegener says:

    Ich finde die Überlegungen gut, sie lassen allerdings meiner Meinung nach außer Acht, dass alle Zeichen, die Jesus tat, in seiner Umgebung immer als Zeichen des möglichen Messias verstanden wurden. Wäre Jesus unter “Heiden” gewesen, hätte man ihn vielleicht zum Oberdruiden ernannt oder auch zum Gott (wie es z.B. Paulus erlebt hat). Aber ohne Worte hätte wohl niemand die Botschaft verstanden. Heute ist das nicht anders. Wunder sind cool, aber Konsequenzen weniger.

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  4. Simon says:

    Hehe. Du bist echt aufmerksam.

    Aber zeigt das, dass auch Charity: Waters doch nicht ohne Botschaft auskommt?

    Oder ist es andersrum: Werden durch diese Verknüpfung Menschen für die Ewigkeit gerettet?

    Ich meine: Egal ob du Wasser hast, spendest oder brauchst – noch wichtiger ist Jesus! Wasserspenden ist gut – wie vieles anderes. Aber es ist wahrscheinlich kein geeignetes Mittel dafür, Leute für Jesus zu begeistern. Und das wäre eindeutig noch wichtiger.

    Angenommen Du weißt, dass ein Tsunami auf die Stadt zurollt. Andere wissen das nicht. Wenn ich die Leute liebe, dann will ich, dass sie gerettet werden. Ich will auch, dass es ihnen gut geht – aber vor allem, dass sie sich in Sicherheit bringen.

    Bei Internetmission will ich mir also eher die Frage stellen: Wie kriege ich es hin, dass die Leute entdecken, dass sie Jesus brauchen – fürs Diesseits und fürs Jenseits.

    Denke ich zu einseitig?

    Antworten
    • Rolf Krüger says:

      Nun, wenn du nochmal genau nachliest, sage ich nichts von “ohne Worte”: 🙂

      Und wie viele würden mitmachen, wenn wir klar unsere Motivation mitteilen würden, nämlich Gottes Liebe konkret weiterzugeben, aber genauso klar ausschließen würden, Huckepack ein Gespräch über den Glauben anzupeilen?

      So wie Jesus für etwas stand (weil er seine Botschaft klar verkündet hat), so müssen auch wir (und dass das so ist, davon gehe ich einfach mal aus) für das Evangelium stehen, für die Liebe Gottes in Jesus Christus. Klaro, das passiert durch Worte, durch inhaltliche Aussagen, durch Predigten, durch Gespräche und klare Bekenntnisse.

      Ich habe das Gefühl, für viele Evangelikale ist es nicht einfach, das zu trennen: Bekennntis und bekehrungsvorbereitendes Gespräch. Das würde viel Krampf nehmen.

      Die Sache mit dem Tsunami ist übrigens eine ganz andere Frage – da hat Rob Bell ja gerade eine Front eröffnet, an der (seltsamerweise) erschreckend scharf geschossen wird.

      Antworten
  5. Michael says:

    Hallo Rolf,

    für mich klingt das irgendwie so, als ob das Sprechen über den Glauben etwas ist, was man machen muss. Kann es nicht auch sein, dass man das gerne macht? Und wenn man es nicht gerne macht, hat man vielleicht einmal eine schlechte Erfahrung gemacht und leitet dann draus ab, dass “die Leute” (schreckliches Wort und auch wieder ausgrenzend) das nicht verstehen oder heute dafür nicht offen sind etc.

    Mich beschleicht manchmal das Gefühl bei diesen Diskussion um das Thema Mission, dass wir schon ganz genau wissen, warum “die Leute” dies und jenes nicht verstehen. Aber reden wir überhaupt noch mit “den Leuten”? Woher wissen wir immer vorher, wie sie reagieren und was finden?

    Und irgendwie verstehen wir Mission oft als etwas, was wir “tun” müssen oder “sagen” müssen. Zuerst einmal ist es aber das, was wir sind. Und da kann dann ein Wort hinterher genau so aufgesetzt sein, wie eine Aktion. Und warum verstehen wir Mission mit Worten immer als etwas, das man bringen und sagen muss? Fängt das nicht erst mal mit Fragen an? Und mit ganz viel hinhören?

    Ich finde, dein Ansatz ist noch geprägt von diesem Verständnis, dass ich hingehen muss, etwas bringen sagen oder tun muss. Warum nicht einmal ganz entspannt einfach “sein”, fragen und hinhören und vor allem lernen?

    Michael Gerster

    Antworten
    • Rolf Krüger says:

      Mein Ansatz? Da interpretierst du jetzt aber jetzt irgendetwas rein, was nicht drin steht. Sage ich nicht gerade, dass es um sein (und tun) geht, statt um reden?

      Antworten
  6. Andreas says:

    Jesus hat seine Taten selten mit einem Nachfolgeaufruf verbunden. Das war erst der Auftrag an seine Jünger, nachdem er gestorben und auferstanden war.
    Für mich ergibt sich daraus nicht die Konsequenz, dass Jesus durch die Tat missioniert hat, sondern dass die Taten der Liebe ihren eigenen Wert haben, auch wenn sie keine Mission sind.
    Braucht das Tun des Guten wirklich noch irgendeine Rechtfertigung a la “Das ist doch auch Mission”?
    Meiner Meinung nach kann ich beide Fragen mit Ja beantworten:

    – Mission braucht immer Worte, Evangelisation muss erklären, klares Ja!
    – Handlungen von Christen dürfen auch für sich selbst stehen, ohne Hintergedanken, klares Ja!

    Nur weil etwas keine Mission ist, ist es doch deswegen nicht schlecht. Gerade wenn ich Mission und Diakonie nicht vermische, kann ich beides ernstnehmen und gut machen.

    Also: “Ich esse es ja, aber nicht unter falschem Namen.”

    Antworten
  7. Simon says:

    @ Andreas: Sehe ich auch so. Christen müssen nicht nur missionieren. Auch Jesus hat vieles getan, was nicht unbedingt missionarisch war (schlafen, essen, beten, usw.). Die Frage war allerdings, ob man über gute Aktionen missionieren kann. Und das reicht meines Erachtens nicht.

    Davon abgesehen hat Jesus zwar nicht immer zur Nachfolge aufgerufen – aber er hat fast immer eingeladen, ihm zu vertrauen. Und wenn man das als Innbegriff von Nachfolge sieht, spricht er doch öfter davon als man meint.

    Und um mal noch ne Bombe loszulassen – letztens hab ich mal wieder folgende Bibelstelle gelesen:

    Zu einem anderen sagte Jesus: “Komm, folge mir nach!” Doch der antwortete: “Herr, erlaube mir, zuerst nach Hause zu gehen und meinen Vater zu begraben.” “Lass die Toten ihre Toten begraben!”, entgegnete ihm Jesus. “Deine Aufgabe ist es, die Botschaft vom Reich Gottes zu verkündigen.” [Lukas 9,59-60]

    Antworten
  8. Andreas says:

    @simon: Die Frage habe ich schon verstanden, ihre Prämissen problematisiert und sie differenziert, aber im Grunde in Deinem Sinne beantwortet.

    Antworten
    • Simon says:

      Ah, verstehe. Sorry. Du meintest also: Diakonie ist gut – aber was anderes als Mission. Gerade auch weil zu letzterem die Botschaft notwendig ist. Richtig? Dann sehe ich das genau so 😀

      Antworten
  9. Jörg Dechert says:

    Hi Rolf,

    ich weiß immer noch nicht, warum du Tun und Reden gegeneinander ausspielst. Damit war ich auf der Internet-Konferenz nicht einverstanden, und bin es beim Lesen deines Posts immer noch nicht. Vor der Folie welcher vergangenen Erfahrungen läuft dieser Film?

    Es ist sicher kritikwürdig, das richtige zu Reden und das Handeln hintenanzustellen. Die Lösung ist aber nicht, die ganze Nummer umzudrehen.

    Entweder fließen Reden und Handeln in Einheit aus einem befreiten, beschenkten, gesegnetem und beauftragtem Leben – dann ist es auch missionarisch wirksam.

    Oder wir können beides gleichermaßen vergessen.

    Antworten
    • Rolf Krüger says:

      Hallo Jörg,

      ich spiele nichts gegeneinander aus. Ich sehe nur die gezwungene Kombination kritisch, dass eine gemeinsame Aktion von Christen auch immer eine verbale (oder schriftliche) Botschaft im Schlepptau haben muss. Gute Taten sollte man um ihrer selbst willen tun. Den Menschen im Namen Jesu Gutes zu tun beinhaltet bereits die wichtigste Botschaft, nämlich die, dass Gottes Liebe real ist. Sie spricht das Herz an.

      Wenn aber die gute Tat nur Mittel zum Zweck wird, nämlich um denjenigen aufmerksam oder offen zu machen, damit wir ihm eine eine weitere Botschaft, nämlich eine für den Kopf, mitteilen können, dann riechen das die Menschen – und fühlen sich oft genug benutzt. Vor allem aber wollen viele derjenigen, die potentiell bei so einer Aktion mitmachen, nicht bei ihren Freunden in diesen Verdacht geraten. Also machen viele nicht mit, denen nicht dieser evangelikale Drang innewohnt, andere zu bekehren. Sie verstehen es einfach nicht. Also hätte diese Aktion erheblich weniger Potential.

      Mag sein, dass du jetzt sagst, ich wolle die reine Lehre einer solchen Aktion auf dem Altar der Popularität opfern. Nö, dem ist nicht so. 🙂 Aber ich bin Pragmatiker und wünsche mir, dass Christen Großes bewegen. In diesem Fall passt beides zusammen.

      Und Jesus hat es vor gemacht: Reden und Handeln müssen im Leben eines Menschen übereinstimmen und gehören zusammen. Aber ich muss nicht bei jeder guten Tat predigen. Das ist die Essenz dieses Artikels. Mehr nicht. Keine Folien. Keine Vergangenheit. Kein Film.

      Liebe Grüße,
      Rolf

      Antworten
      • Jörg Dechert says:

        Yes – damit kann ich d’accord gehen. Diakonie ist auch für mich kein Mittel zum Zweck der Evangelisation, sondern Selbstzweck. Aber genauso wenig ist sie ein Ersatz für Evangelisation.

        Antworten
      • shasta-cor says:

        Hallo Rolf,

        bin erst heute auf diesen Post gestossen und er gefällt mir außerordentlich gut.

        Wenn man etwas gutes machen will, dann tut man etwas gutes – anstatt danach zu betonen, daß man es ja nur tut, weil Gott…

        Wenn man (nichtchristliche) Freunde einlädt, dann tut man es, weil einem diese Freunde wichtig sind. Wenn sie Fragen haben, dann beantwortet man sie nahc besten Wissen und Gewissen – aber man kreiiert nicht aus jedem Treffen gleich eine kleine Evangelisation.

        Damit verschreckt man leider mehr Leute als man wahr haben möchte.

        Gruß

        s-c

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  10. Australische Party-Christen: Zu helfen ist Predigt genug… | Auf'n'Kaffee says:

    […] April hatte ich schon einmal über ein Thema geschrieben, dass meinem Empfinden nach immer drängender wird: Nämlich das Problem, dass viele Christen […]

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