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Die Kirche und dieses Internet

Wir schreiben das Jahr 2019 – und manche sprechen immer noch von den „neuen Medien“. Dabei ist das Smartphone über zehn Jahre alt. Youtube gibt es seit 15 Jahren, Netflix seit 20. Und eine heute 30-Jährige hat keinen Tag ihres Lebens in einer Welt ohne World Wide Web verbracht.

Und doch sind die digitalen Medien menschheitsgeschichtlich im Grunde brandneu. Wenn wir bedenken, dass die ersten Menschen vor ungefähr 50.000 Jahren auf der Bildfläche erschienen, wurde Jesus erst neulich geboren und das Internet quasi erst heute morgen, kurz vor den Cornflakes. Ja, man darf sagen: Das Internet ist vergleichsweise ungewohnt für den Homo Sapiens. Und geprägt wurden wir anders.

Das Internet ist allerdings keine Modeerscheinung, die von der nächsten abgelöst werden wird, die sozialen Medien sind kein Trend, der vorbei geht. Das Internet ist gekommen, um zu bleiben. Das steht wohl inzwischen fest. Und jetzt, wo die Kirche das auch langsam zu verstehen beginnt, verfallen alle in Panik, weil sie #Neuland wittern, aber nicht im Sinne von Frischluft, Aufbruchsstimmung und Ärmel hochkrempeln.

Vielmehr sitzen sie auf ihren Balkonen und sehen hinunter auf die Straße, wo die Menschen sich in dieses Internet aufmachen. Und alle rufen: „Wir müssen hinterher in dieses Internet und auch dort das Evangelium verkünden, hinein in diese neue Welt! Dort ist die Zukunft! Aber wo finden wir es nur? Und wie sollen wir da reinkommen?“

Und jemand sagt: „Weil wir altehrwürdig sind und uns doch gar nicht damit auskennen, lassen wir besser Spezialisten ran“. Und alle so: „Yeah! Lasst es Spezialisten machen!“ Und sie schicken Internetbeauftragte und Social Media Pfarrer und Youtube-Influencerinnen und sind stolz darauf, in diesen neuen Medien vertreten zu sein.

Und während sie sich freuen, ganz vorne mit dabei zu sein, lehnen sie sich auf ihren Balkonen zurück, beobachten durch ihre Smartphones genüsslich die Mühen und Erfolge der Spezialisten in den Straßen (es ist ja auch ein hartes Pflaster, dieses Internet) und klopfen sich gegenseitig auf die Schulter, weil ihre Leute draußen das Internet suchen und die Kirche hineinbringen. Währenddessen können sie selbst ja so weitermachen wie bisher.


Wir schreiben das Jahr 2039. Sie sitzen auf baufälligen Balkonen und starren irritiert auf die Straßen. Unten tobt das Leben, doch hier oben bröckelt die Substanz. Das World Wide Web feiert 50-Jähriges. Doch die Kirche feiert Beerdigung. Sie rätselt, warum das große (und teure) und jahrelange Engagement in diesem Internet sie so gar nicht weitergebracht hat. Sie hatten es doch perfekt erforscht und die Spezialisten hatten so viel Zulauf. So viel Geld ist dorthin geflossen, sie hatten so große Opfer gebracht und selbst die nötigsten Investitionen zurückgestellt, um die digitale Zukunft zu sichern. Doch das hat nichts geholfen, das steht wohl inzwischen fest. 

Und jetzt, wo die Kirche das langsam zu verstehen beginnt, verfallen alle in Panik, weil sie ihr Ende wittern und sie rufen in die Straßen: „Das Internet ist doch dort vor unseren Augen und wir sind doch reingegangen! Warum sind wir trotzdem abgehängt?“ Und die Straße ruft zurück: „Ins Internet ging man, als Boris Becker noch jemand war. Aber heute geht man nicht mehr ins Internet. Das Internet ist nicht ein bestimmter Ort. Es ist überall. Es durchzieht unser ganzes Leben, den Alltag, unser Fühlen und Denken. Wir gehen nicht ins Netz. Wir alle bilden das Netz.“ Und die Kirche ruft: „Oh!“


Tatsächlich scheint mir das große Missverständnis der Kirchen, das Internet wäre ein eigenständiger Ort, etwas, das unabhängig vom „echten Leben“ existiert – und vor allem vom christlichen. Aber der Advent des World Wide Web war nur die logische Konsequenz dessen, was sich seit Jahrzehnten anbahnte und nun mit Macht entwickelt: Die grundlegende Veränderung unserer bestehenden Lebensräume.

Das Denken, aus dem das Internet entsprang, ist längst ein fester Bestandteil unserer Zeit. Und deswegen kann die Frage nicht sein: Wie begegnen wir Menschen im Netz? Sondern vielmehr: Wie begegnen wir Menschen in dieser von der Vernetzung geprägten Welt?

Es geht also nicht um Technik und Klickzahlen. Es geht um Gemeinschaft. Bisher gab es klare Einheiten der Zugehörigkeit zu einer Gruppe. Wir waren Teil eines Dorfs, eines Vereins, einer Gemeinde oder einer ehelichen Verbindung – und wir definierten uns hauptsächlich darüber. Wir waren mit anderen Menschen strukturell über diese Einheiten verbunden. Unsere Zugehörigkeit war klar, genauso wie unsere Loyalität.

Sichtbar wurde diese Gemeinschaft in der Begegnung an den gemeinsamen Treffpunkten: Der Dorfkneipe, dem Vereinsheim, dem Gemeindehaus. Dort wurde die Gemeinschaft auch größtenteils organisiert – wer dort war, spielte mit, die anderen wurden über unidirektionale Medien wie Tageszeitung oder Gemeindebrief informiert, ohne selbst Einfluss zu haben. Unsere Gemeinschaften und unsere Zugehörigkeit zu ihnen waren durch klare Grenzen definiert – wie so viel in unserem Leben.

Doch etwas Wichtiges hat sich in den letzten 100 Jahren mit der industriellen und spätestens mit der digitalen Revolution verändert: Grenzen sind gefallen.

Nicht nur die politischen Grenzen im freien Europa, sondern die Grenzen der Machbarkeit, die Grenzen der Zeit, die des Ortes und die zwischen den verschiedenen Gruppen unserer Gesellschaften: Wir können heute in Windeseile von A nach B reisen, ohne je einen Pass vorzuzeigen. Wir können live miteinander über aberwitzige Distanzen reden. Wir sind viel weniger als noch vor 200 Jahren gefangen in unserer gesellschaftlichen Schicht.


So sind wir heute verbundener denn je. Und das hat unser gesamtes Miteinander verändert. Haben wir uns früher über die Zugehörigkeiten zu unseren Einheiten Dorf, Verein, Kirche, soziale Schicht definiert, so definieren wir uns heute über unsere Individualität und unser Verhältnis zu anderen Menschen im Netzwerk unserer Beziehungen. 

Man könnte sagen: Gemeinschaft war früher von Kategorien bestimmt. Wir fragten einander: Bist du Beamter oder Ingenieur? Rapper oder Hip-Hopper? Evangelisch oder katholisch? Heute besteht Gemeinschaft aus vielen vernetzten Individuen, die ganz unterschiedliche Berührungspunkte und Schnittmengen haben. Wir fragen einander: Was arbeitest du so alles? (Und je vielfältiger, desto interessanter bist du.) Welche Musik hörst du? (Und je wilder die Genre-Mischungen, desto spannender.) Wo stehst du geistlich gerade? (Und wer nicht offen für Weiterentwicklung und Veränderung ist, wirkt suspekt.)

Heute fühlen wir uns vielen verschiedenen Menschen, Themen und Strömungen zugehörig. Wir sind individuell mit anderen Menschen verbunden, ganz unabhängig von unserer Herkunft, dem Ort, wo wir uns gerade engagieren oder unserer Gemeinde. Diese Zugehörigkeit ist nicht immer klar definiert und häufig flüchtig. Wir sind stolz auf unsere Unabhängigkeit. Deshalb ist unsere Loyalität individuell und gilt eher einzelnen Menschen als Institutionen.

Sichtbar werden Gemeinschaften heute an der Nähe zu bestimmten Kristallisationspunkten wie Personen, Marken oder Orten als bedeutende Knotenpunkte im Netzwerk unserer Beziehungen. Und unsere Gemeinschaften organisieren wir heute nicht mehr persönlich an unseren gemeinsamen Treffpunkten (denn diese gibt es kaum), sondern wir verabreden uns digital und viel spontaner als früher.


Das hat gravierende Auswirkungen auf die verschiedensten Bereiche unseres Lebens – und auch auf die Kirche. Früher war es normal, dass man einen Beruf erlernte und oft auch das ganze Leben lang einen Arbeitsplatz hatte – oft den, den schon Vater, Großvater und Urgroßvater bekleideten.

Heute ist Arbeit fluide. Wer mehr als fünf bis acht Jahre in einer Firma bleibt, stellt bei unter 40-Jährigen die große Ausnahme dar. Die Erwerbsbiografien werden bunter, wir wechseln ganze Wirtschaftszweige. Bei Google werden Menschen nicht mit einer speziellen Kenntnis eingestellt, sondern weil sie eine „Googlyness“ erkennen lassen – also zur Unternehmenskultur passen. Innerhalb der Firma machen sie dann oft alle paar Jahre etwas völlig anderes. 

Genauso gravierend sind die Auswirkungen auf unsere Freundschaften und Beziehungen: Bisher gab es gemeinsame, institutionsnahe Treffpunkte wie das Vereinsheim oder die Kirche. Termine und Angebote mussten langfristig kommuniziert werden, was zu vielen regelmäßigen Angeboten und einer hohen Verbindlichkeit führte. Heute sind spontane Verabredungen über Messenger nicht nur möglich, sondern die Regel. Und wir treffen uns auch nicht meistens mit derselben Gruppe, sondern bilateral oder multilateral mit wechselnden Zusammensetzungen je nachdem, wer aus unserem Netzwerk das Treffen gerade initiiert.

Dadurch sind Gruppen viel fluider und Freundeskreise größer. Die hohe Spontaneität macht langfristige Planung aber auch viel schwieriger. Jede Gemeinde kann ein Lied davon singen: Menschen melden sich viel später zu Freizeiten an und entscheiden oft erst am selben Abend, ob sie zu einer Veranstaltung gehen.

Auch unsere Liebesbeziehungen sind davon betroffen. Früher war eine exklusive, lebenslange Beziehung Normalität, die Ehe war eine Institution. Wir haben jemanden geheiratet und waren zusammen, bis dass der Tod uns schied. Der Seitensprung gehörte zu dieser Normalität zwar fest dazu (angeblich in 50% aller Partnerschaften geht jemand mindestens einmal fremd), aber er war doch illegal und Grund Nummer 1 für Trennungen.

Heute ist der Standard die sogenannte serielle Monogamie, also mehrere exklusive Beziehungen hintereinander. Das gesellschaftliche Ideal ist, möglichst viel Erfahrung zu sammeln, bevor man sich endgültig bindet. Und selbst diese Bindung ist selten wirklich endgültig. Scheidungen sind gesellschaftlich (und protestantisch) akzeptiert. Und die derzeit aufstrebenden offenen Beziehungskonzepte verabschieden sich endgültig von der äußeren Form und konzentrieren sich auf die Qualität der Verbindung. Die Folge sind viel unübersichtlichere Familien- und Beziehungskonstellationen, die die traditionelle christliche Ethik überfordern.


In der Kirche spüren wir die Auswirkungen all dessen massiv. Wo früher die klare Zugehörigkeit zu einer Konfession selbstverständlich war, sucht man sich heute bei einem Umzug eine Gemeinde, in der man sich am wohlsten fühlt. Welches Schild draußen hängt, ist zweitrangig. Entsprechend lösen sich die theologischen Richtigkeiten von früher mehr und mehr auf. Das Ideal ist heute nicht mehr eine klare, unverrückbare Wahrheit, sondern ein gut reflektiertes „sowohl als auch“. 

Vor allem aber hat die Kirche ihre Rolle als natürliche Gemeinschaftsstifterin, gemeinsamer Treffpunkt und Identitätsmarker verloren. In dieser Funktion hatte sich die Kirche gut eingerichtet. Jetzt findet sie sich plötzlich im Abseits wieder, weil sie lange die Zeichen der Zeit nicht erkannte und dachte, was 2.000 Jahre gut ging würde auch in Zukunft funktionieren.

Die Wahrheit ist: Alle digitalen Bemühungen werden daran nichts ändern. Denn das Problem liegt viel tiefer: Kirche in ihrer jetzigen Form ist mit der neuen, vernetzten Welt überfordert und für diese nicht relevant. Da kann sie noch so viele YouTube-Channels bauen. Menschen werden sich weiterhin zunehmend individuell miteinander vernetzen – auch um ihre spirituellen Bedürfnisse zu stillen. Sie brauchen keine Organisation, die sich für sie zuständig fühlt oder ihnen gar die Welt erklärt. Sie braucht nicht mal eine Organisation zum Händchenhalten in schweren Zeiten.

Will Kirche als Institution überleben, muss sie sich damit auseinandersetzen, dass ihre Mitglieder und Mitarbeiter von dieser digitalisierten Welt tief geprägt sind – je jünger, desto mehr. Und dass das erst recht für die Menschen gilt, die sie neu erreichen will. Kirche muss beginnen, anhand der einen Frage alles auf den Prüfstand zu stellen: Wie begegnen wir als vom digitalen Wandel geprägte Menschen unseren ebenso geprägten Mitmenschen?

Noch relevanter als die Antworten auf diese Frage ist es, sie überhaupt zu stellen. Denn sie allein erkennt schon an, dass unsere Zeit viel mehr benötigt als neue Angebote und frischere Formen. Sie benötigt eine Kirche mit einem völlig neuen Selbstverständnis.

Dies ist ein Text aus dem neuen Buch „Gemeinschaft der Glaubenden gestalten: Nähe und Distanz in neuen Sozialformen“ mit weiteren spannenden Beiträgen u.a. von Hans-Hermann Pompe, Ralph Kunz und Sabine Ulrich.

Sollten das deine Freunde auch lesen? Teile es!

Kommentare

17 Kommentare auf "Die Kirche und dieses Internet"

  1. Hans Arnold says:

    Noch viel mehr braucht die „Kirche“; sie muss ihren Kern, ihre Antworten auf Fragen nach Gott neu formulieren.
    Nein, nicht das Evangelium, das ist zeitlos, immer modern aber die Interpretationen müssen dem Stand des Wissens einer Gesellschaft angenähert werden, die „Geheimnisse“ lüftete in Relativitätstheorie und Quantenphysik.
    Auch diese Wissenssprünge können die frohe Botschaft für das mit Bewusstsein versehene Tier „Mensch“ nicht beweisen, aber sie sind zeitgemässe Stützen für das Gewaltige was Kirche hütet.
    Doch solange sie auf Interpretation uralter Mythen baut, wird sie sich mit einem immer kleinerem Rest der Menschen zufrieden sein müssen, welche noch an ihren Gott glauben.
    Das klingt wie ein Widerspruch: „Frohe Botschaft“ sei zeitlos, ist aber kein Widerspruch. Was es braucht ist ein Paradigmenwechsel und weil dieser derart gross ist, wird er nicht gesehen.
    In Röm.1.20 steht: „an seinem Werk werdet ihr ihn erkennen…“. Wer sich in sein Werk vertieft, zum Beispiel sich damit auseinandersetzt wer er selber, was sein Bewusstsein ist, kommt ganz nahe. Erreichen wird er es nie, aber „Glaube“ wird wie selbstverständlich und das wird den neuen Menschen ohne weiteres Zutun von seiner Seite total ändern. Verändern auf eine Art, die wir noch gar nicht in der Lage sind es zu sehen – dem Punkt Omega, Christus entgegen.

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  2. Mathias says:

    1.Absatz: Netflix seit 20 Jahren? Ich glaube du meinst google..

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  3. De Benny says:

    Ich frag mich grad: „Das Netz sind wir alle“ auf der einen Seite, auf der anderen Seite die Rede on einer Kirche als Monolith.

    Wer ist denn bitte die Kirche, wenn nicht wir alle?

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  4. Reto Nägelin says:

    Lieber Rolf, vielen herzlichen Dank für diesen hervorragende Zusammenfassung. Bin schwer beeindruckt. Seit über 10 Jahren mein Thema und Herzensanliegen aber so scharf hätte ich es nicht formulieren können. Stark.

    Weist du, was ich (unter vielem anderen) so schön finde? 2000 Jahre nach Jesus sind Jesusnachfolger*innen wieder ein Netz, ein Netz von Menschen die Herausgerufen (Ekklesia) sind in ihrem Kontext das Reich Gottes zu Leben. Endlich wieder eine Bewegung von Menschen die das Gute suchen, auf Augenhöhe und im Bewusstsein das es nur Miteinander geht (ok, dass ist noch ein kleines Pflänzchen soweit 🙂 )

    Aber so wächst das Himmelreich: „Und auch das folgende Gleichnis erzählte Jesus: »Man kann Gottes himmlisches Reich mit einem Sauerteig vergleichen, den eine Frau zum Brotbacken nimmt. Obwohl sie nur wenig davon unter eine große Menge Mehl mischt, ist am Ende alles durchsäuert.« Matthäus 13:31‭-‬33 HFA

    Danke Rolf für deine starken Texte und Gedanken

    Antworten
    • Christina says:

      Blöd nur, dass Sauerteig in der Bibel immer für das Negative/Böse steht. 😉

      https://www.bibelpraxis.de/index.php?article.2735

      Antworten
      • De Benny says:

        Das Himmelreich ist negativ und böse?

        Antworten
        • Christina says:

          @ Benny: Das „Reich der Himmel“ (dazu zählen Gläubige sowohl als auch Namenschristen) wird vom Sauerteig der Irrlehren geplagt, u. a. 😉

          Antworten
      • Harry says:

        Lukas 13, 21 Es ist mit dem Reich Gottes wie mit dem Sauerteig. Eine Frau nimmt ´eine Hand voll` davon, mengt ihn unter einen halben Sack Mehl, und am Ende ist die ganze Masse durchsäuert.«

        Es gibt zwei Arten von Sauerteig in der Bibel.

        Beschissenen und guten.

        Christina, du betonst allein den beschissenen.

        Antworten
        • Christina says:

          Der Sauerteig ist in der Schrift immer ein Bild des Bösen, vor allem von böser Lehre, aber auch von moralischem Verderben. Warum sollte er an einer einzigen Stelle jetzt plötzlich für was Gutes stehen? 😉

          Und ….Was bedeutete z.B. das ungesäuerte Brot, das Israel während der Passahtage essen musste? Doch absolute Reinheit des Lebens!

          Also „ungesäuert“ immer gut. „Gesäuert“ immer schlecht. Da gibt es keine Ausnahmen.

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  5. Thomas Jakob says:

    „Vor allem aber hat die Kirche ihre Rolle als natürliche Gemeinschaftsstifterin, gemeinsamer Treffpunkt und Identitätsmarker verloren.“

    Das galt schon, bevor es das Internet gab.

    „Kirche in ihrer jetzigen Form ist mit der neuen, vernetzten Welt überfordert und für diese nicht relevant.“

    Das gilt nicht nur für die vernetzte Welt, sondern für die Moderne überhaupt.

    Antworten
    • Rolf Krüger says:

      Die Moderne und heute die fluide Moderne und die Entwicklung des Internets bedingten und befruchteten sich Gegenseitig. Sicherlich hat die Kirche auch schon durch Zeitungen, das Fernsehen und das Telefon, durch die Reisemöglichkeiten (Dampflock) und durch die Industrialisierung viel von ihrer Rolle als natürliche Gemeinschaftsstifterin, gemeinsamer Treffpunkt und Identitätsmarker verloren. Die modernen Kommunikationsmittel (eigentlich schon die SMS als Vorläufer der Messenger) hat das aber erdrutschartig beschleunigt, weil erstmals Massenkommunikation nicht nur unidirektional sondern bi- und multidirektional möglich war. Kurz: Man kann sich jetzt ohne gemeinsamen physischen Treffpunkt und ohne synchrone Aufmerksamkeit (wie das beim Telefon nötig ist) austauschen.

      Antworten
  6. Thomas Jakob says:

    Wobei den Menschen inzwischen auch die Nachteile dieser neuen Massenkommunikation zunehmend deutlich werden: Fake-News, bewusste Manipulation, Populismus, kurze Trendzyklen, Anonymität, Verantwortungslosigkeit, viel Unwesentliches usw. usw..

    Mir fällt gerade auf, dass hier auch eine Chance für die Kirche liegen könnte, weil sie all dem mit großer Glaubwürdigkeit und riesiger Tradition entgegentreten kann. Die Frage ist nur, wie sie in die richtigen Kanäle kommt, ohne sich von den Oberflächlichkeiten anstecken zu lassen.

    Antworten
  7. Ines says:

    Kirche muss altmodisch sein, damit ich neumodisch sein kann. Je digitaler wir werden, umso mehr schreien wir auch nach Heimat. Je Digitaler wir wieder, umso mehr Halt brauchen wir. Im Netz kann dich keiner in den Arm nehmen und ein Like ist die Fahrkarte in den BurnOut ( 24/7 on- höher, weiter, schneller)

    Und „Kirche“ ist nicht das einzige Unternehmen, das mit der Digitalisierung und Kontakt zu den Menschen im Netz kämpft- jedes Unternehmen tut das. Auch Siemens oder Bosch oder die Deutsche Bahn stehen vor diesen Herausforderungen… Vor 15 Jahren sprach ich mit der KMU ( kleine und mittelständige Unternehmen), die mich fragten, was sie denn im Internet sollten, da gäbe es doch nur Katzenvideos….

    Danach machte jeder ne Präsenz, Seite, Online-Shop auf und nun kommt der Tipping Point- es werden wieder „Showrooms“ für die Ware eröffnet oder PopUp-Läden ( temporäre Einkaufsmöglichkeiten). Denn die KMU hatte schnell gemerkt, das Menschen auch analogen Kontakt brauchten, Ware anfassen müssen. Mit Verkäufern reden.

    Fazit: Lasst uns doch schauen, was wir verändern können. Kirche sind wir alle. Zeugniss im Netz zum Glauben geben, seelsorgerisch im Messenger mit den Freunden in Kontakt stehen, persönliche Treffen mit Menschen, die Fragen haben, reden wollen.

    Halt machen, statt sich dauernd im Kreis zu drehen. Der Text ist toll, aber auch einer von gefühlt 10000 gelesenen zu dem Thema.

    Ich freue mich auf einen, der mal Lösungen zeigt 🙂 Oder zu einem GemeindeHUB einlädt, eine Ideenwerkstatt, aus der eine Bewegung wird. Kirche sind wir alle. Und wie andere die Möglichkeit haben, ihren Verein oder ihre Ware anzupreisen, können wir Gott zeigen.

    Meine 2cents….

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  8. Christina says:

    Die Kirche leidet unter einer ganz anderen Krankheit!!! Selbst wenn es überhaupt kein Internet und moderne Telekommunikation gäbe, wäre sie nicht besser dran als jetzt.

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