Diesen Artikel zu lesen lohnt sich eigentlich nicht. Denn er besagt nur, dass es nichts Neues unter Gottes Sonne gibt. Das wusste schon Prediger Salomo, aber auch das ist ja nichts Neues.
Wer hier trotzdem weiterliest, dem sei wenigstens mitgeteilt, dass mir dieser Tage das frisch bei adeo verlegte Buch der Publizistin Birgit Kelle auf den Schreibtisch flatterte. In „GenderGaga: Wie eine absurde Ideologie unseren Alltag erobern will„ echauffiert sie sich über den „Genderwahnsinn“, also über alles, was mit Gender Mainstreaming in Verbindung steht. In großer Fleißarbeit trägt sie all die Absurditäten, das häufig zu gut Gemeinte und die glorreichen Stürze vom Pferd der Gender-Mainstreaming-Vorkämpfer zusammen und breitet sie auf 192 Seiten aus.
Um es kurz zu machen: Wer auf Demagogie steht und wer gerne über andere lacht, ist dort genau richtig. Wer dagegen eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema sucht, der tut sich — wie der Titel schon andeutet — mit diesem Buch keinen Gefallen. Das Werk würde allerdings durchaus eine gute Bierzeltrede am politischen Aschermittwoch hergeben, triefend vor Sarkasmus und Hohn und voller Abscheu für diejenigen, die Kelle nicht versteht.
Soweit erwartbar. Nachdem ich die Autorin heute allerdings auch noch in Plasbergs „Hart aber fair“ (vom 2.3.) erlebte, wie sie mit Herablässigkeit und Häme die Argumente der eher leise (aber sachlich) argumentierenden Mitdiskutanten Anne Wizorek und Anton Hofreiter verlachte, griff ich zur Tastatur und wollte einen Artikel darüber schreiben.
Doch dann meldete sich mein kleiner Archivar im Oberstübchen und erinnerte mich daran, dass da doch schon mal was war. Und tatsächlich: Vor sieben (!) Jahren schrieb ich einen Blog-Artikel mit dem einfallsreichen Titel „Gender Mainstreaming – Gefahr oder Windmühle?„. Abgesehen vom Titel würde ich ihn so im Grunde heute noch einmal schreiben, denn irgendwie ist alles darin noch erstaunlich aktuell. Und wenn ich mir Kelles Buch so ansehe, dann offensichtlich gerade so Sätze wie:
Wir merken: Insgesamt tun sich die Kritiker schwer, ihre Kritik in Worte zu fassen. Stattdessen wird tief in der Gruselkiste gewühlt, um mit Schreck-Geschichten […] ein negatives Bild von Gender Mainstreaming zu zeichnen.
Ende 2012 sprang ich dann zudem der damaligen Familienministerin Kristina Schröder ein wenig zur Seite — mit dem Artikel „Warum Gott nicht männlich ist, wieso Kristina Schröder das weiß und seit wann Beckstein ihr zustimmt„. Sie wurde von der BILD-Zeitung für die Behauptung beschitstormt, der grammatikalische Artikel von Gott sei egal. Womit sie natürlich Recht hat, das wusste nur die Bildzeitung nicht, dafür aber Günther Beckstein, was er der BILD-Zeitung auch sagte. Schröder bedankte sich bei mir sogar ausdrücklich für den Beitrag:
@rolfkrueger: Habe Ihren Artikel gelesen und mich drüber gefreut 🙂
— Kristina Schröder (@schroeder_k) December 21, 2012
Aber das nur nebenbei. Eigentlich will ich sagen: Es gar nicht nötig, zu Birgit Kelles Genderwahn oder ihrem Buch noch etwas Neues zu schreiben. Den beiden Artikeln von 2008 und 2012 wäre wenig hinzuzufügen. Die Welt dreht sich weiter und die selben Themen kommen eben immer und immer wieder. Und solange sich mit dem Aufregen über Aufreger gutes Geld verdienen lässt — wie die Einserplatzierung von „GenderGaga“ in den Bestsellerlisten beweist — wird das Aufregen über Aufreger auch nicht aussterben. Das Volk will eben unterhalten werden.
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