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Jahreslosung 2014: Das Ende des Polizei-fährt-hinter-dir-Gottes

Kürzlich war mal wieder die Polizei hinter mir. Nein, nicht hinter mir her. Sie fuhr einfach nur hinter mir. Aber das reicht schon, um uns ein bisschen aufmerksamer zu machen, nicht? Wir achten plötzlich penibel auf die Geschwindigkeit, blinken vorschriftsmäßig an jeder noch so abgeschiedenen Kreuzung, prüfen immer wieder im Rückspiegel, ob die Beamten mit sich selbst beschäftigt sind oder etwa uns im Auge haben. Oder ob sie sogar irgendwelche Anstalten machen, uns herauszuwinken. Und irgendwie rechnen wir (unsinnigerweise) jeden Moment mit den Blaulichtern und der unmissverständlichen Aufforderung dazwischen: „Anhalten!“

Und obwohl die Polizei bisher noch immer irgendwann abgebogen ist, ohne uns wegen falschen Blinkens zu verhaften, haben wir doch jedes Mal ein mulmiges Gefühl, wenn unsere Freunde und Helfer im Rückspiegel auftauchen, nicht?

Woran liegt das? Ich vermute, es liegt daran, dass die Polizei die Aufgabe hat, uns unserer Fehler zu überführen, und gleichzeitig die Autorität hat, uns unserer Grundrechte zu beschneiden. Sie mag auch dafür da sein, uns zu schützen, und das ist ja auch ein gutes Gefühl. Aber wer von uns ist schon ohne Fehler? Jeder von uns ist natürlich manchmal auch Täter (und sei es nur Falschparken oder ein bisschen zu schnell zu sein). Wir alle machen Dinge falsch. Und weil wir uns dessen sehr bewusst sind, fühlen wir uns auch immer irgendwie ein bisschen im Visier der Ordnungshüter. Zumal viele ja eh das Gefühl haben, auf die kleinen Fische würde besonders geachtet, während die großen Sünder meist davon kämen. Als kleiner Bürger legt man sich besser nicht mit der Polizei an – wer weiß, welches Gesetz man gebrochen hat.

Ich glaube, vielen von uns geht es im Bezug auf Gott ganz ähnlich. Sie fühlen – bewusst oder unbewusst – ständig Gottes Blick im Nacken, der prüft, ob sie richtig leben. Manche eher generell, andere fühlen es ganz konkret bis hin in die alltäglichen Verhaltensweisen hinein, die Worte, die Blicke, ja, die eigenen Gedanken. Gott der liebende Vater, der gleichzeitig die Aufgabe hat, uns für unsere Sünden zu richten; der sogar die Autorität hat, über Leben und Tod zu entscheiden und diese Entscheidung irgendwann auch über jeden Einzelnen fällt. Und der bei mir ganz sicher besonders genau hinsieht. Es ist dasselbe ambivalente Gefühl wie wir es gegenüber den Autos mit dem  Blaulicht empfinden, nicht? Ist dir dieses Gefühl Gott gegenüber vertraut?

Dieses Gefühl will irgendwie so gar nicht zu unserer neuen Jahreslosung passen:

„Gott nahe zu sein ist mein Glück.“ (Psalm 73,28).

Da freut sich jemand sehr, dass Gott in seiner Nähe ist. Da fühlt sich jemand pudelwohl wenn er weiß, dass Gott da ist. Wie gelingt ihm das?

Der Texter des Psalms ist zunächst sauer auf Gott: Er sieht, wie sich Menschen auf Kosten anderer ein gutes Leben gönnen, wie sie andere ungestraft verhöhnen und sich mit Lug, Trug und Gewalt ein üppiges Vermögen ergaunern (wer denkt da nicht spontan an Investmentbanker?). Und trotzdem erfreuen sie sich bester Gesundheit und scheinbar will ihnen alles gelingen. Er selbst dagegen sieht sich benachteiligt: Er versucht, ehrlich und gut zu leben, trotzdem schafft er es nicht, etwas zu werden – im Gegenteil: Er ist krank und kann morgens nur unter Schmerzen aufstehen. Es scheint ihm ein bisschen so, als ob Gott die Bösen laufen lässt und bei ihm das Blaulicht einschaltet. Das macht ihm Gott fremd. Und das wurmt ihn sehr.

Aber dann macht er eine Entdeckung. Er merkt: Wenn er Gottes Nähe sucht, dann muss er weder eifersüchtig sein auf das Glück derer, die sich unbehelligt durchs Leben gaunern. Noch muss er Angst haben, dass Gott sich gegen ihn selbst richtet. In all seinem Zorn gegen die Ungerechtigkeit der Welt spürt er plötzlich Gottes Hand, wie sie die seine nimmt und ihn fürsorglich durch die Untiefen des Lebens manövriert. Er erkennt, dass es nichts Besseres für ihn gibt, als Gott in seiner Gegenwart zu spüren. Da ist keine Verurteilung, keine Mahnung, kein Blaulicht. Nur positive Gefühle. Begeisterung für das, was Gott tut.

Und es gelingt ihm an der Hand Gottes stehend das Ende der vermeintlich Glücklichen voraus zu ahnen: Am Ende, so erkennt er, nützen ihnen Erfolg und Reichtum, auf die er gerade noch eifersüchtig war, nichts. Ihr Ende ist eines mit Schrecken – denn auf sie wartet die Bedeutungslosigkeit. „Wie ein Traum, der beim Erwachen verblasst, dessen Bild man vergisst, wenn man aufsteht“, so werden sie scheitern und verschwinden. In Gottes neuer Welt haben sie nichts mehr zu melden. Wörter wie „dahingerafft“ oder „vernichten“ benutzt der Psalmist sogar, und sie rufen bei uns Bilder der Gewalt hervor. Wir dürfen aber nicht vergessen: Dies ist ein Lied mit zahlreichen Metaphern. Im Vordergrund steht die Perspektive des Psalmbeters: Für ihn zählt, dass Gott Gerechtigkeit schaffen wird. Dass Gott alles am Ende gerade rücken wird. Und das sein Festhalten am Guten nicht umsonst war. Und das tröstet ihn über seine eigenen Sorgen hinweg (selbst über seinen morgendlichen Ischias).

Die Jahreslosung 2014 ist für mich eine selbsterfüllende Prophezeihung: Wenn wir Gottes Nähe suchen liegt in Gottes Nähe keinerlei Gefahr für uns. Dann brauchen wir keine Angst zu haben vor einem kritischen Polizei-Gott, den Finger stets am Schalter für das Blaulicht. Dann dürfen wir ihn als Freund und Helfer wahrnehmen, als Partner, der auf unserer Seite ist und uns verteidigt gegen alle dunkeln Mächte, die in unser Leben dringen wollen. Wenn ich Gottes Nähe suche, ist seine Nähe mein Glück. So einfach. So gut.

Bild: mabi.photography

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Kommentare

3 Kommentare auf "Jahreslosung 2014: Das Ende des Polizei-fährt-hinter-dir-Gottes"

  1. shasta-cor says:

    Habe so etwas gerade vorgestern erlebt. Ich fuhr im fremden Land in der Ortschaft ordnungsgemaess 50. Ploetzlich ueberholte mich die Polizei und machte in dem Moment Blaulicht an. Was war ich froh als sie beschleunigten und weiterfuhren…

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  2. Mirjam Ruschulte says:

    Der Polizei-Vergleich ist wirklich gut, um zu zeigen, wie sich viele im Bezug auf Gott fühlen. Wichtig finde ich es aber, das Bild von Gott, wie er wirklich ist, noch etwas stärker zu zeichnen:
    Gott ist nicht wie ein Polizist, sondern wie ein Vater, der sein Kind aufrichtig liebt. Was tut ein liebender Vater, wenn er sieht, dass sein Kind einen Fehler macht? Er wird je nach Situation handeln. Vielleicht wird er selbst in die Bresche springen, Gefahr abwenden und großzügig drüberweg sehen, weil er weis, dass sein Kind noch jung und unerfahren ist. Oder er wird sein Kind liebevoll zurecht weisen und zugleich trösten, wenn der Fehler peinlich oder folgenschwer ist. Er wird sein Kind auch dann lieben, wenn es sich abweisend und ausweichend verhält.

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