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Heiligabend geschenkt

An Weihnachten schenken wir. Große Pakete, kleine Pakete, Schmuck, Parfum, Spielzeug. Und Gutscheine – haufenweise. Schenken zu Weihnachten ist eine schöne Tradition. Aber wie oft fühle ich mich vom Konsumrausch auch genervt! Dann bin ich schnell geneigt, die ganze Schenkerei zu verteufeln. Der Stress! Die Gier! Die vielen bunten Reklamen. Die vor Umsatzwut sabbernden Verkäufer in ihren Buden auf dem „Christkindelmarkt“  – dass ich nicht lache! Was hat denn das Christkind mit Glühwein und kandierten Äpfeln und Karussells und roten LED-Blink-Mützen zu tun? Wo bleibt denn da noch Gott?

Doch Moment! Diese Tradition gibt es nicht ohne Grund. Gott macht ja mit bei der Schenkerei. Er hat sogar angefangen! Ganz am Anfang, in Bethlehem, da war ein Stall. Und darin eine Krippe. Und darin ein Geschenk. Schön eingepackt (in Windeln, gegen die die „Stinkbomben“), hübsch drapiert unterm glotzenden Ochsen. Das Kind war ein Geschenk. Gott selbst hat sich uns geschenkt. Nicht hochherrschaftlich, wie wir es eines Gott würdig vermutet hätten. Gott entäußert sich, wird nackt, wird gewöhnlicher, nein, wird armer Mensch. Von einer gewöhnlichen jungen Frau geboren, in ärmlichsten Umständen. Und doch wird sein Leben uns für immer verändern. Uns und die ganze Welt.

Viele Christen sagen, Karfreitag wäre ihr höchster Feiertag. Der ist natürlich wichtig. Aber die Heilige Nacht gehört mit zum Paket. Jesu Geburt in diesem Stall war keine bloße Notwendigkeit auf seinem Weg hin zum Kreuz. Dass Gott sich uns schenkt ist Teil der Mission. Ist Kern der Mission. Dass Gott sich unter uns beugt, auf alle Würde verzichtet und gerade dadurch Königswürde neu definiert – das ist die Botschaft von Weihnachten und von Karfreitag. Gott kommt nicht an wie ein Herrscher. Obwohl er es könnte. Und Gott verlässt uns nicht wie ein Herrscher. Obwohl er es könnte. Er tut nichts dagegen, dass er von den Gastwirten abgelehnt und zu den Tieren geschickt wird. Er tut nichts dagegen, dass er geschlagen, bespuckt und gekreuzigt wird. Gott verzichtet auf einen Königspalast und verzichtet darauf, wie ein König über uns zu regieren. Stattdessen dient er den Menschen, wäscht ihnen die Füße und bittet selbst für die um Vergebung, die ihn unschuldig kreuzigen.

Welch ein Geschenk für die Welt, solch einen Gott als Schöpfer zu haben. Grund genug, uns gegenseitig jedes Jahr an Weihnachten Freude zu bereiten. Schenken ist gut! Wir sollten nur uns und der Welt immer wieder in Erinnerung rufen, dass Gott es war, der damit angefangen hat. Und dass es bei diesem Geschenk nicht darum ging, vor den Menschen anzugeben. Sondern darum, ihnen zu dienen. Und ihnen Gutes zu tun. Wo das passiert, da ist Gott.

Bild: allerleirau

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Kommentare

6 Kommentare auf "Heiligabend geschenkt"

  1. FlyingSoul says:

    Aber ich habe nichts für euch, entgegnete er beschämt, als wir ihm ein Buch zu Weihnachten schenkten, von dem wir sicher waren, dass es ihm gefallen würde. Es gehe ja nicht um Austausch, sondern darum, jemandem eine Freude zu machen. Die Freude schien gelungen und das freute uns als Schenkende sehr. Damit sind wir schon beschenkt, vermutlich mehr als wenn er etwas (Materielles) gehabt hätte. Es hat mir Freude gemacht, das leise Lächeln in seinen Augen zu entdecken.
    Jetzt im Zusammenhang mit deinem Artikel wird mir mehr und mehr klar, was wohl viele Menschen, auch mich, manchmal des Schenkens müde, überdrüssig macht, nämlich dass es heute kaum mehr gelingt.
    Wer lässt sich schon noch einfach beschenken, ohne sofort den Gedanken zu haben, man müsse ein „Gegen“geschenk haben. Doch wo bleibt da das Wesentliche des Schenkens? Eigentlich fällt es uns schwer, ein Geschenk einfach als das, was es ist anzunehmen, nämlich als etwas, das gerade keine „Gegen“leistung erwartet. Ich werde beschenkt, weil ich geliebt werde.
    Liebe jedoch schafft Ver-, und auch Gebundenheit. Da ist jemand, der an mich um meiner selbst willen denkt, der mich in seinen Gedanken auf meinen Wegen begleitet, der an meinem Leben Anteil nimmt, weil er mich liebt.
    Wer hält das heute noch aus in einer Zeit, in der Ungebundenheit, Freiheit, Selbstständigkeit als die höchsten Werte gelten? Haben wir nicht vielleicht sogar Angst davor, geliebt zu werden, eben weil wir dann vom Geliebten begleitet sind?
    Könnte es vielleicht sein, dass wir deshalb schnell ein Geschenk mit einem „Gegen“geschenk beantworten, als ob das Geschenk etwas wäre, was unser Leben vergiften könnte, sodass wir jemandem ver- und gebunden sind, nicht mehr frei und selbstständig? Gift und Gegengift?
    Es kommt nicht von ungefähr, dass das Wort Gift etymologisch gesehen derselben Familie angehört wie das Wort Gabe…
    Kann ich mir noch etwas geben (schenken) lassen, ohne auch etwas zu geben bzw etwas zurückzugeben?
    Ist das nicht sogar in unserem Glaubensvollzug so, dass wir immer wieder glauben, wir müssten Gott dafür, dass er sich uns geschenkt hat. etwas geben?
    Aber eigentlich geben wir damit für mein Gefühl etwas zurück, um die Gabe Gottes nicht wirklich, nicht wirksam annehmen zu müssen als echtes Geschenk, das uns nur rot werden lassen kann, weil es in unser Innerstes greift.
    Gottes Geschenk ist eines, dem wir nichts, aber auch gar nichts entgegensetzen können, weil wir nichts für Gott haben. Wir haben nichts, was seiner Liebe gleich wäre. Das sollte uns mehr und mehr bewusst werden:

    Wir haben uns Gottes Geschenk nicht verdient.
    Wir haben auch nichts, womit wir es uns nachträglich, im Nachhinein verdienen könnten.
    Aber das macht nichts.
    Wir dürfen uns so wie wir eigentlich sind, nackt und bloß, schamlos beschenken lassen, Und das ist schlichtweg paradiesisch, ein Moment, in dem wir wie Adam und Eva völlig unverhüllt, nackt und bloß ohne jegliches Feigenblatt existieren dürfen. Mit Gott dürfen wir einfach nur sein wie wir sind. Wir dürfen sagen: „Ja, ich bin, der/die ich bin, von Gott geliebt und das ist ohne Wenn und Aber so in Ordnung!“
    Gott kam in einer Futterkrippe nackt und bloß in Jesus Christus zu uns und zeigte sich uns in ihm auch zuletzt im Sterben nackt und bloß am Kreuz.

    Das ist für mich der eigentliche Grund der Frohbotschaft „Freut euch, denn euch ist heute der geboren, der euch heilt!“

    Angelika

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  2. Wolfram says:

    Viele Christen sagen, Karfreitag wäre ihr höchster Feiertag. Der ist natürlich wichtig. Aber die Heilige Nacht gehört mit zum Paket. Jesu Geburt in diesem Stall war keine bloße Notwendigkeit auf seinem Weg hin zum Kreuz. Dass Gott sich uns schenkt ist Teil der Mission. Ist Kern der Mission. Dass Gott sich unter uns beugt, auf alle Würde verzichtet und gerade dadurch Königswürde neu definiert – das ist die Botschaft von Weihnachten und von Karfreitag.

    Hm. Jein.
    Die Geburt ist mehr als notwendig, ohne jede Frage – der Stall aber ist bestenfalls ein Accessoire. Und mit ihm die Hirten und die Engelchöre. Das wird allein schon daran deutlich, daß drei der vier Evangelien bestens darauf verzichten können – ja, drei von vieren: Matthäus erzählt nicht von Fremden in einer Krippe, sondern von einer ansässigen Familie, die ein festes Haus besitzt. Die Weisen aus dem Morgenland huldigen einem Bürgersöhnchen!
    So ist es auch nicht verwunderlich, daß über Jahrhunderte gar kein Weihnachten gefeiert wurde…
    Auch theologisch ist „Weihnachten“ eigentlich belanglos: die Selbsthingabe Gottes, die Selbsterniedrigung des Königs aller Könige ist nicht „bis zur Geburt in der Krippe“, sondern „bis zum Tode, ja bis zum Tode am Kreuz“.

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  3. Christian says:

    Wolfram, es langt, dass etwas 1 x in der Bibel erwähnt wird, um von Belang zu sein.
    In Mt. 2,10 wird ein nicht näher beschriebenes Haus erwähnt. Das steht nicht im Widerspruch zum Stall, denn ein Stall kann sehr wohl Teil eines größeren Hauses sein.
    Und seine Erniedrigung zum Zweck unserer Erlösung begann bereits mit der Geburt. Hebräer 2,14: „Nachdem nun die Kinder Fleisch und Blut haben, ist er dessen gleichermaßen teilhaftig geworden, auf dass er durch den Tod die Macht nehme dem, der des Todes Gewalt hatte, das ist dem Teufel.“

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    • Wolfram says:

      Du widersprichst auch um des Widersprechens willen, oder?

      Wenn du den Matthäus-Text nachgelesen hättest, hättest du u.a. auch gelesen, daß Joseph nach dem Tode des Herodes nach Israel zurückkehrt – und zwar zunächst mit der Absicht, sich wieder in Bethlehem niederzulassen. Erst ein weiterer Traum bringt ihn dazu, nicht dorthin zurückzukehren, sondern nach Nazareth zu ziehen. Und das auch noch ungefähr zu der Zeit, als Johannes der Täufer anfängt, öffentlich aufzutreten (3,1)…
      Jenseits aller Überlegungen, daß wenn Matthäus von einem Stall hätte schreiben wollen, er das getan hätte, und daß die von Lukas behauptete Volkszählung keinesfalls erforderte, daß die Leute über ein Jahr in der Stadt ihrer Väter blieben – Herodes sucht nicht ohne Grund nach einem Kind von bis zu zwei Jahren -, bleibt ohne jeden Zweifel, daß der matthäische Joseph zum Zeitpunkt der Geburt Jesu mit seiner in Nazareth wohnt, während der lukanische Joseph dort zu Gast ist. Jedenfalls, wenn man dem Text erst mal zuhört, statt ihm überzustülpen, was man dort gern lesen würde.

      Und daß zwei Evangelisten, noch dazu vermutlich die älteren, keine Kindheitsgeschichte erzählen, daß außerhalb der zweimal zwei Kapitel Kindheitserzählung in den beiden Evangelien, die zu den letztverfaßten Texten der Bibel gehören, keinerlei Anspielung auf Jesu Kindheit in der gesamten christlichen Literatur des 1. Jahrhunderts gemacht wird (mal abgesehen davon, daß Historiker wie Josephus sowohl vom lukanischen Kaiseredikt als auch vom matthäischen Kindermord hätten wissen müssen), zeigt deutlich genug, wie niederrangig diese Erzählungen sind. Sie sind letztlich Erzählungen, die auf einer fiktiven Handlung eine Botschaft übermitteln wollen, ähnlich wie das Theater des 18. Jahrhunderts.
      Aber selbst diese Botschaft ist ihnen nicht genuin, die steht auch noch oft genug woanders.

      Und deshalb – oh, das hast du überlesen, oder fiel dir dazu nichts ein? – gab es in den ersten Jahrhunderten Christenheit kein Weihnachtsfest. Das kam erst auf, als das Christentum Staatsreligion wurde und sich auf einmal der Notwendigkeit ausgesetzt sah, eine ganze Reihe Feste, speziell des Sonnenkreises, christlich zu vereinnahmen.

      Das Kirchenvolk von heute täte dagegen gut daran, weniger mit glänzenden Augen das nackelige Bambino in der Krippe zu begaffen und mehr daran zu denken, daß die Wiederkunft des Weltenherrschers nichts Idyllisches an sich haben wird…

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      • Christian says:

        Hier geht es keineswegs um Widerspruch um seiner selbst willen, sondern um hermeneutische Weichenstellung. Die „alte“ Hermeneutik harmonisiert, wo es möglich ist, und, glaub mir, es geht immer. Die „neue“ Hermeutik findet überall unvereinbare Widersprüche, die „noch neuere“ Hermeneutik steht über all solchen Erwägungen und legt auf Historizität überhaupt keinen Wert mehr. Ich bin überzeugter Vertreter der „alten“ Hermeneutik.

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        • Wolfram says:

          „es geht immer“ – ja, notfalls auch völlig gegen den biblischen Text. Da ist sola scriptura nicht mehr norma normans, sondern accidens ad illustrationem doctrinae.
          Damit kann man für alles erklären, „Deo lo vult.“ Für alles.

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