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Atheisten zu Fuß unterwegs

155€ muss der geneigte Ungläubige berappen, um in Darwins Fußstapfen zu treten. Genauer: Um auf kätzchenweichen Sohlen im Schnee ein Bekenntnis zu hinterlassen: „Ich bin Atheist“. Nicht unbedingt ein stolzer Preis für ein paar handgemachte Lederschuhe. Aber das bewusst „gottlose“ Fashion-Startup aus Berlin zeigt: Atheismus entwickelt sich mehr und mehr zu einer – Religion.

Im Grunde hat es mit der Buskampagne in London angefangen: Der Atheismus entdeckte seine missionarische Seite. Menschen fuhren mit Bussen übers Land, bauten Infostände auf und verteilten Traktate – etwas, für das sich die meisten Christen schon lange nicht mehr hergeben. Aber die Atheisten haben eine Mission: Sie wollen die Welt von ihrer Meinung überzeugen. Vorbei die Zeiten, als Atheisten sich durch simplen Nicht-Glauben auszeichneten, durch eine Passivität des erhobenen Hauptes; stolz zwar, Atheisten zu sein, aber mit einer gnädigen Toleranz gegenüber allen, die sich doch lieber an einen Gott halten wollten. Seit Richard Dawkins „Gotteswahn“ ist alles anders.

Längst gibt es „evangelistische“ Bücher des Atheismus, längst kann man sich Autoaufkleber und T-Shirts bestellen und nun sogar Schuhe mit Bekenntnis. Frei Haus per DHL. Damit man mit den Freunden ins Gespräch kommen kann. Ziel: Sie von von der alleinigen Richtigkeit der eigenen Weltanschauung zu überzeugen. Mission? Bekenntnis? Absolutheitsanspruch? Waren das nicht mal die Dinge, die der Atheismus an den Religionen verachtete?

Ein wenig sind sich die „gottlosen“ Schuhmacher (kann man gottlos Schuhe machen in einer von Gott geschaffenen und durchdrungenen Welt?) dessen selbst bewusst, lamentieren sie doch auf ihrer Website darüber, dass die Kirchen viel mehr Erfahrung in Charity hätten als sie und sie deshalb um Hinweise bäten, an welche säkularen Organisationen sie ihre 10% geben sollen, die sie von jedem verdienten Euro für einen guten Zweck abführen. – Atheisten geben den Zehnten? Wie originell! 🙂

Es ist interessant zu beobachten, wie Atheisten sich immer stärker versteifen in ihrer Ablehnung alles Religiösen (obwohl sie in vielen Punkten zurecht nachbohren), während die Feindbilder, gegen die sie kämpfen, sich immer mehr als Windmühlen entpuppen. Christen, die kein Problem mit den Evolutionsthesen des Theologen Charles Darwin haben, beeindrucken Fischaufkleber mit gemalten Füßchen (eine versuchte Satire auf den Schöpfungsglauben) nicht sonderlich. Und wer trotz aller Frömmigkeit offen ist für naturwissenschaftliche und historische Erklärungen für so manches biblische Wunder, den werfen „Ihr lauft ja Hirngespinsten hinterher“-Parolen nicht wirklich aus der Bahn.

Wenn sie sich wirklich mit ihren „Gegnern“ beschäftigen würden, statt nur mit den Zerrbildern, die sie aufopferungsvoll von ihnen pflegen, müssten Atheisten eigentlich erkennen, dass beide „Seiten“ am Ende vor dem gleichen Dilemma stehen: Der Frage nach dem „woher?“. Atheisten können zwar den Urknall als Ursprung des Universums anführen (und worin ihnen ja die wenigsten Christen widersprechen). Aber woher die Rahmenbedingungen für den Urknall, die Materie, Energie, Raum und die Zeit kommen – das wissen sie auch nicht. Genauso wenig können Christen auch nur ansatzweise erklären, woher denn Gott kommt. Er war schon immer da und wird immer sein – das ist für unser Gehirn nicht greifbar und bleibt deshalb, wenn wir ehrlich sind, eine Worthülse, deren Wahrheitsgehalt wir nicht verarbeiten können. Manchmal glaube ich, wenn wir dermaleinst den Ursprung des Lebens und des Universums – mit oder ohne Gott – umfassend erforscht und erklärt haben, selbst dann haben wir nur an der Oberfläche der großen und tiefen Geheimnisse gekratzt, die zu entdecken wären, wenn das für den menschlichen Geist infrage käme.

Das tut es aber nicht, zumindest nicht zu Lebzeiten, wie ich fürchte. Und so bleiben Atheisten und Gottgläubige doch immer gemeinsam im selben Boot: Suchende nach der letztgültigen Wahrheit, die unser Herz so ersehnt. Und die wir doch nie endgültig finden werden. Wenn Atheisten und Christen sich beide dessen bewusst wären, dann wären wir schon einen Schritt weiter. Und der geneigte Atheist müssten nicht extra neue Schuhe kaufen, wenn er doch noch mal Christ werden sollte. Obwohl – das wäre wohl ein tragbarer Preis für ein völlig neues Leben, in dem man niemanden mehr mit missionarischem Eifer vom „nicht“ überzeugen muss.

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Kommentare

15 Kommentare auf "Atheisten zu Fuß unterwegs"

  1. Zeder says:

    Ach, sowas schleift sich ab. <:-)

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  2. Fabian says:

    Das trifft den Nagel auf den Kopf! Und die Sache mit den Schuhen finde ich sehr amüsant. 🙂

    Ich sehe das genauso wie du. In den „letzten Fragen“ nach Sinn, sterben und leben sitzen wir letztlich in einem Boot. Schade nur, dass das häufig nicht realisiert wird. Und ich finde es bedauerlich, wenn solche „missionarischen Atheisten“ ein Bild von Christen haben, das dem Selbstverständnis der großen Mehrheit schon lange nicht mehr entspricht. Die Frage nach der Vereinbarkeit von Naturwissenschaft und Glaube ist eine solche, die immer wieder in diesem Kontext angebracht wird. Und hier gewinnt nicht nur Atheismus mehr und mehr religiöse Züge, sondern die Wissenschaftsgläubigkeit insgesamt. (Sehr interessant finde ich zum Beispiel das Projekt „Symphony of Science“, ich hab da mal drüber gebloggt: http://theopop.de/2013/04/ein-burg-e/).

    Jedenfalls gibt es nur eines, um den wichtigen Dialog voranzutreiben: selbst den ersten Schritt tun und zeigen, dass wir Christen gar nicht so mittelalterlich sind, wie wir gerne dargestellt werden.

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  3. Thomas Jakob says:

    Apropos Buskampagne: Der Spruch lautete damals.

    „Es gibt (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) keinen Gott“.

    Der Inhalt der Klammer hat mir das Ganze durchaus sympathisch gemacht. Allein dieses grundsätzliche Eingestehen der eigenen Irrtumsmöglichkeit auch in ganz fundamentalen Dingen würde vielen Christen ebenfalls gut zu Gesicht stehen.

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    • Wolfram (die wordpress-Identifikation mag mich heute nicht) says:

      Für den letzten Satz möchte ich ein paar Beispiele erbitten.

      Der real existierende Atheismus ist nicht nur missionarischer als die Heilsarmee, sondern oft auch fundamentalistischer und intoleranter als die oft beschrieenen Islamisten. Da werden wahre Kreuzzüge geführt gegen jede Form nicht-atheistischer Religion.
      Und das wird auch nicht durch eine Klammer ausgeschlossen, die an jeder DNS-Analyse auch steht – und dort eben auch nicht zum „begründeten Zweifel“ reicht. Dann klingt der Satz nämlich anders:
      „Es gibt keinen Gott, das ist gerichtsfest nachgewiesen.“

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      • Thomas Jakob says:

        Z. B. die einfache Umkehrung:

        Es gibt Gott (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit).

        oder auch:

        Jesus ist (m. a. S. g. W.) der Messias,
        Jesus Christus ist (m. a. S. g. W.) auferstanden.
        Jesus Christus wird (m. a. S. g. W.) wiederkommen und die Lebenden und die Toten richten.

        Antworten
        • Wolfram (die wordpress-Identifikation mag mich heute nicht) says:

          Du hast – mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit – nicht verstanden, was Glauben heißt. q.e.d.

          Und meinen letzten Absatz im Vorkommentar hast du – mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit – auch nicht gelesen.

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        • Wolfram (die wordpress-Identifikation mag mich heute nicht) says:

          Ich bin etwas erstaunt, regelmäßig Mails zu bekommen, daß Christian hier einen Kommentar geschrieben hat – und diesen Kommentar hier regelmäßig nicht zu finden.
          Christian, ich würde es anders formulieren:
          Der Gott, an den wir glauben und den wir erfahren haben, kann unmöglich nur Einbildung sein.

          Aber schon die Bibel gibt uns viele Zeugnisse von Menschen, die Gottes Macht und – ja, auch Gottes Existenz nicht sehen. Warum? Weil Gott selbst sie verblendet!

          Und der Gott, an den wir glauben und den wir erfahren haben, ist mehr als „der Gott der Bibel“, der zunächst einmal auch nur eine Figur eines geschriebenen Buches ist, wie Marduk im Gilgamesch-Epos.
          Der Unterschied liegt eben nicht in der Möglichkeit, sondern im Erleben.

          Lies einmal die Ostererzählungen der vier Evangelien: wie viele Leute glauben darin, ohne dem auferstandenen Jesus persönlich begegnet zu sein? Da ist nicht nur Thomas, da ist auch Maria aus Magdala, die erste Zeugin und Apostelin, da sind die Emmaus-Wanderer… aber nur einer glaubt, ohne gesehen zu haben: der etwas ominöse „Lieblingsjünger“.

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          • JohannesP says:

            „Der Unterschied liegt eben nicht in der Möglichkeit, sondern im Erleben.“

            Ja, aber (Johannes 20, 29+30):

            „Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott! Spricht Jesus zu ihm: Weil du mich gesehen hast, Thomas, darum glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“

            Glauben ist nicht „nur“ erleben, sondern eben auch vertrauen und am Wort Gottes festhalten.

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            • Wolfram (die wordpress-Identifikation mag mich heute nicht) says:

              Wer dem lebendigen Gott nicht begegnet ist, kann ihm nicht vertrauen. Wer nur „am Wort Gottes festhält“, IHN aber nicht kennt, ist Pharisäer – er vergöttert ein Wort.

              Antworten
          • christianarguing says:

            Richtig, unser Gott ist nicht Marduk. Die Bibel ist das einzige Buch der Welt, das Gott als absolut selbstbestimmten und absolut bewussten drei-einen Schöpfer offenbart, dessen Existenz nicht Ergebnis von Schlussfolgerungen unsererseits ist, sondern Prämisse. Viele Grüße nach Frankreich, Christian

            Antworten
            • Wolfram (die wordpress-Identifikation mag mich heute nicht) says:

              Mit Verlaub, Christian: was die Bibel vom Gilgamesch-Epos und anderen Gotteslegenden unterscheidet – oder auch vom Koran! -, ist nicht auf der Ebene beweisbarer Fakten, sondern auf der Ebene des Glaubens.
              Die ist unheimlich stark: „Was ist dein einiger Trost im Leben und im Sterben?“ Aber sie ist eben nicht beweisbar.

              Und diesen Unterschied gilt es festzuhalten und zu respektieren.
              Denn er sagt im Umkehrschluß auch, daß es keinem Physiker oder Chemiker oder was auch immer für Wissenschaftler zusteht, sich aus seinem Fach heraus über Gott zu äußern.

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          • Rolf Krüger says:

            Das mit Christian liegt daran, dass wir eigentlich vereinbart hatten, dass er sich deutlich zurückhält, vor allem mit pauschalen Rundumschlägen, aber ihm das schwer fällt. WordPress lässt ihn aber irgendwie trotzdem manchmal durch. Naja…

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    • Christina says:

      Wenn ich mich recht erinnere… dann war der Zusatz in Klammern damals nicht so ganz freiwillig von atheistischer Seite….. (also nichts da von wegen Eingestehen der eigenen Irrtumsmöglichkeit)…..der Zusatz war ursprünglich nicht vorgesehen….. sie mußten ….. sonst hätten sie nicht gedurft…..hatte irgendwie was mit Gesetzen zu tun…..glaube ich jetzt mal….ist ja schon so lange her das ganze……und bin gerade zu faul da jetzt noch mal nach zu googeln….

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  4. Tertullian says:

    Natürlich trauen sie sich nicht, diese Schuhe „Jesuslatschen“ zu nennen 😉

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  5. seni says:

    Viele der Atheisten sind enttäuschte Christen, denen entweder die Bibelsprüche um die Ohren gehauen wurden, oder Eltern und Freunde evangelium predigten aber selbst nicht danach lebten, usw. Wenn sie Christen kennen würden, die ganz offen ihre eigene Schwachheit zugeben und auch nicht verbissen das evangelium verteidigen, würden sie anfangen, Fragen zu stellen und evtl. ihre Meinung ändern.

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