Verteilung von Reichtum: Irgendetwas läuft falsch im Kapitalismus

Wenn die obersten 1% der Amerikaner 40% des Reichtums der USA besitzen… wenn Geschäftsführer 380x so viel verdienen wie ihr Durchschnittsuntergebener (nicht wie der am schlechtesten bezahlte)… wenn  80% der Bevölkerung 7% des existierenden Geldes unter sich aufteilen… dann läuft irgendetwas schief mit unserem System.

Diese Missverhältnisse macht ein Video eindrücklich deutlich, das zur Zeit auf Youtube fröhliche Rekorde feiert. Nicht verwunderlich, haben wir doch alle irgendwie das Gefühl, dass der Reichtum in der Bevölkerung ungerecht verteilt ist. In Deutschland ist es ja nicht viel anders: 50% der Deutschen teilen sich 1% der Besitztümer. Immerhin haben sich die Unterschiede in den monatlichen Gehältern in den letzten 5 Jahren bei uns nicht weiter auseinander entwickelt. Und das, obwohl die Managergehälter, die jetzt die Bevölkerung in der Schweiz  deckeln will, hierzulande explosionsartig entwickelt haben.

Wie lässt sich eine gerechtere Verteilung des Reichtums bewerkstelligen? Aus meiner Sicht gibt es da ein paar Dinge, die eine neue (oder alte) Bundesregierung ab Herbst unbedingt umsetzen sollte:

  1. Wiedereinführung der Vermögenssteuer: Sie brachte 1996 (im letzten Jahr ihrer Erhebung) umgerechnet 4,2 Mrd. Euro. Heute könnte und müsste man sie anders gestalten und somit noch höhere Einnahmen für den Staat erzielen.
  2. Erhöhung der Erbschaftssteuer: Im Moment wird so viel geerbt wie noch nie. Erbt jemand beispielsweise von seinen Eltern 1 Mio Euro, so beträgt die Erbschaftssteuer lediglich 15% auf die Hälfte davon, also 75.000€. Hätte er für das Geld hart gearbeitet, müsste er gut 40% Steuern auf den gesamten Betrag zahlen, also 400.000€. Ein satter Rabatt fürs Nichtstun.
  3. Den Einstieg in die Selbstständigkeit vereinfachen: Die Vielzahl an unterschiedlichen Regelungen und Einkommensgrenzen bei Versicherungen, Renten und Steuern machen es in vielen Fällen unmöglich, dass Menschen auf kleiner Flamme selbständig sind. Denn in einem bestimmten Umsatzbereiche, der gerade für Mütter und andere (Wieder)Einsteiger interessant wäre, lohnt sich Arbeit überhaupt nicht. Der Dschungel an Vorschriften schreckt zudem viele ab, weil man gefühlt mit einem Bein im Gefängnis steht. Optimal wäre eine vollständige Steuerfinanzierung von Kranken- und Rentenversicherung, so dass sich jeder verlässlich ausrechnen kann, was er bei welchem Gewinn zahlen muss.
  4. Mehr Steuergerechtigkeit: Hohe Einkommen müssen auch wirklich hohe Steuern zahlen, ohne sich mit zahlreichen Tricks Weitgehend aus der Steuerpflicht heraus zu mogeln. Und warum sollen Gewinne aus Kapitalspekulationen geringer besteuert werden als „ehrlich“ verdientes Geld?

Ob das alles (oder sinnvollere Dinge zur Erreichung desselben Ziels) allerdings eine der im Herbst antretenden Parteien realisieren kann… daran habe ich so meine Zweifel. Schade. Vielleicht sollten wir ja doch gleich größer abbeißen und ein bedingungsloses Grundeinkommen einführen. Wie bei Monopoly, da klappt es ja auch 🙂

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