labern | verkündigen: Die Christliche Blogosphäre

Ich darf euch das neueste Sinnstiftermag (http://sinnstiftermag.de) empfehlen, diesmal habe ich auch ein wenig mitgestiftet. Hier mein Beitrag:

Bloggen heißt erforschen

Hundertdreiundsechzig. Das ist die Zahl der Blogs, die in meinem Reader gespeichert sind. Nur die christlichen, wohlgemerkt. Wenn ich mich in einer ruhigen Minute aufs Sofa knalle und sie im iPad durchblättere, dann wird mit stets bewusst, wie vielfältig die christliche Meinungslandschaft geworden ist. Vor zwanzig Jahren, als es das Internet so noch nicht gab, hatten wir wenige Quellen, bei denen wir uns – außerhalb der eigenen Gemeinde – über Neuigkeiten und Meinungen rund um den Glauben informieren konnten. Ein paar Zeitschriften, einzelne überregionale kirchliche Zeitungen, teure Bücher und christliches Radio über Mittelwelle. Das wars.

Und jedes dieser Medien oder Verlage war (und ist) von einer bestimmten Richtung gefärbt. Da die meisten Menschen sich lediglich auf ein oder zwei dieser Medien beschränkten, war die Chance, mal über eine neue Meinung zu stolpern, recht gering.

Seit es das Web gibt, ist das anders. Als ich vor 15 Jahren das Portal Jesus.de ins Leben rief, hätte ich nie für möglich gehalten, dass es sich einmal zu einer führenden christlichen Meinungsplattform im deutschsprachigen Raum entwickeln würde. Zur Hoch-Zeit der Forenkultur schrieben Menschen aus völlig unterschiedlichen Kirchen, Denominationen und Biographien an manchen Tagen 5.000 Beiträge bei Jesus.de. Sie stritten über Prädestination und die Autorenschaft des Judasbriefs, über Gentechnik und Sexualität, über Erziehungsfragen und das Fernsehprogramm. Meinung war plötzlich Legion. Und die Hausfrau hatte plötzlich eine Stimme. Das eröffnete über die Jahre für unzählige Menschen neue Perspektiven, neue Denkansätze und neues Glaubenswachstum.

Neben dem direkten Austausch der Massen aber entwickelte sich noch ein anderes Medium in dieser Zeit – kleiner, leiser, aber nicht weniger einflussreich: Die Blogs. Sie sind weniger hektische Orte, die Beiträgen meist wohl überlegt und fundiert geschrieben. Sie sind die Plattform der Einzelnen, die (meist) wirklich etwas zu sagen haben, vor der Zeit des Internets aber kaum eine Plattform hatten. Wenn Foren und Chats die Meinungsbasare der Neuzeit sind, so sind Blogs die Debattierclubs. Ganz gemütlich bei Wein, Zigarre und knisterndem, offenen Kamin. Nur halt global.

Weil ich das noch anziehender fand als die bunte Welt der Foren, gründete ich einen Blog. Und weil ich gerne Kaffee trinke und Kaffee für Gemütlichkeit steht, nannte ich ihn: Auf’n’Kaffee.

Was mich am Bloggen fasziniert ist die Möglichkeit, unfertige Gedanken bewegen zu können. Von Artikeln in (christlichen) Zeitschriften und Sendungen wird meist erwartet, dass sie („richtige“ und eigentlich schon vorher bekannte) Meinungen in ansprechender Weise vermitteln. Raum für Neues gibt es selten. Die Medien sind ja so offiziell.

Ein Blog dagegen enthält per Definition („Weblog“ = „Web-Tagebuch“) Unfertiges, Neues, Ungehörtes, Gewagtes. Weblogs lesen ist ein bisschen wie der heimliche Blick in die Seele des Autors. Im Blog kann ich schreiben, was ich will, weil meine Leser wissen, dass sie reagieren sollen. Kommentieren. Kritisieren. Manchmal auch allzu Schräges gerade biegen. Bloggen ist gepflegter Diskurs über die Themen von morgen. Und dieser Diskurs hat mich – als Autor und als Leser anderer Blogs – in meinem Glauben schon viele Schritte weiter gebracht. Und hat meinen Horizont unglaublich erweitert. Das können weder klassische Medien noch öffentliche Foren in dieser einmaligen Art und Weise leisten.

 

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