Zwei der letzten Verse in der Bibel, in der Offenbarung des Johannes, lauten wie folgt:
Ich bezeuge jedem, der die Worte der Weissagung dieses Buches hört: Wenn jemand etwas zu diesen Dingen hinzufügt, so wird Gott ihm die Plagen hinzufügen, die in diesem Buch geschrieben sind; und wenn jemand etwas von den Worten des Buches dieser Weissagung wegnimmt, so wird Gott seinen Teil wegnehmen von dem Baum des Lebens und aus der heiligen Stadt, von denen in diesem Buch geschrieben ist.
Oft genug hört man diese beiden Verse in Diskussionen um die Frage, wie wörtlich man die Bibel zu nehmen hat. Sie werden als Argument herangezogen, dass man der Bibel kein Wort wegnehmen und keines hinzutun dürfe, ergo die Bibel wörtlich und ohne Interpretation auslegen müsse.
Abgesehen davon, dass man biblische Texte beim Übersetzen immer interpretiert (schon weil der Kulturraum und die Zeit eine ganz andere war), übersehen viele, dass sich diese Warnung vor dem Weglassen und Hinzufügen nicht auf die Bibel beziehen kann. Die Bibel als Buch existierte damals noch nicht, und viele Einzelbücher des heutigen Neuen Testamentes existierten zur Zeit der Abfassung der Offenbarung noch nicht. Mit „diesem Buch“ kann nur die Offenbarung selbst gemeint sein, nichts anderes. Und selbst im Hinblick darauf ist diese Warnung sicherlich interpretationsbedürftig.
Kommentare
Comments are closed.
Hinterlasse eine Antwort auf den Artikel
Die Datenschutzerklärung findest du hier.