Im ersten Kapitel seines Evangeliums schreibt Johannes vom Licht, das in der Finsternis leuchtet. Würden wir den Text aufmerksam lesen, würde uns auffallen, dass Licht und Finsternis sich eigentlich ausschließen. Finsternis ist die Abwesenheit von Licht. Licht kann nicht in der Finsternis leuchten, weil die Finsternis in dem Moment nicht mehr da ist, in der Licht scheint. Und dass ein Licht, das jeden Menschen erleuchtet (Vers 9) und durch das alles geschaffen wurde (Vers 3), eine kleine Funzel ist, die nur zu glimmen imstande ist wie ein Streichholz in tiefer Nacht, klingt unwahrscheinlich.
Die Antwort gibt der Text selbst (Verse 10+11): Das Licht Gottes scheint für uns trotz der Finsternis, weil wir es nicht zu erkennen imstande sind. Das Licht scheint jeden Menschen an, wir aber sind blind dafür. (Hat Jesus, um das zu verdeutlichen, so viele Blinde geheilt?)
Weil das aber nicht in unser dualistisch geprägtes Weltbild von hell und dunkel, Licht und Schatten oder gut und böse passt, überlesen wir diese Wahrheit. In der damaligen Zeit muss der Beginn des Johannesevangeliums ein Hammer gewesen sein: Johannes stellt in wenigen Sätzen das gesamte hellenistische Weltbild auf den Kopf und sagt: „Ihr denkt immer nur in Gegensätzen. Christus aber ist das Leben und das Licht, das sogar in eurer Finsternis scheint. Ihr müsst nur noch… die Augen aufmachen!“
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