Coffee to go (1): Liebt Gott den Sünder, aber hasst dessen Sünde?

Gott liebt den Sünder und hasst die Sünde – so sagen es manche Christen. Der Satz soll den von ihnen empfundenen Gegensatz auflösen, dass Gott uns einerseits liebt, andererseits aber schlechtes (=sündiges) Verhalten ablehnt.

Doch der Satz ist problematisch: Er suggeriert, unsere Sünde wäre nicht ein Teil von uns. Er basiert auf der Annahme, dass wir tief drinnen im Kern gut seien und unser Fehlverhalten nicht wirklich ein Teil von uns sei. Das aber ist unbiblisch: Alle sind Sünder und haben nichts aufzuweisen, was Gott gefallen könnte, schreibt der Apostel Paulus im Römerbrief (3,23). Es gibt keinen guten Kern, den Gott trotz unserer Sünden gut finden könnte. Man kann unsere Sünde nicht einfach von uns abstreifen, ohne uns unserer Persönlichkeit zu rauben. Denn meist sind sie nur die Schattenseite unserer Stärken.

Gott liebt uns als Sünder, als große, verzweifelte Sünder, wie Bonhoeffer es ausdrückt. Und weiter schreibt er: „Nun komm, als der Sünder, der du bist, zu dem Gott, der dich liebt.“ Wenn wir Vergebung und Gnade empfangen, dann sollten wir sie für uns als ganzen Menschen annehmen. Dann fällt es uns leichter, auch andere Menschen Vergebung und Gnade entgegen zu bringen.

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