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Coffee to go (1): Liebt Gott den Sünder, aber hasst dessen Sünde?

Gott liebt den Sünder und hasst die Sünde – so sagen es manche Christen. Der Satz soll den von ihnen empfundenen Gegensatz auflösen, dass Gott uns einerseits liebt, andererseits aber schlechtes (=sündiges) Verhalten ablehnt.

Doch der Satz ist problematisch: Er suggeriert, unsere Sünde wäre nicht ein Teil von uns. Er basiert auf der Annahme, dass wir tief drinnen im Kern gut seien und unser Fehlverhalten nicht wirklich ein Teil von uns sei. Das aber ist unbiblisch: Alle sind Sünder und haben nichts aufzuweisen, was Gott gefallen könnte, schreibt der Apostel Paulus im Römerbrief (3,23). Es gibt keinen guten Kern, den Gott trotz unserer Sünden gut finden könnte. Man kann unsere Sünde nicht einfach von uns abstreifen, ohne uns unserer Persönlichkeit zu rauben. Denn meist sind sie nur die Schattenseite unserer Stärken.

Gott liebt uns als Sünder, als große, verzweifelte Sünder, wie Bonhoeffer es ausdrückt. Und weiter schreibt er: „Nun komm, als der Sünder, der du bist, zu dem Gott, der dich liebt.“ Wenn wir Vergebung und Gnade empfangen, dann sollten wir sie für uns als ganzen Menschen annehmen. Dann fällt es uns leichter, auch andere Menschen Vergebung und Gnade entgegen zu bringen.

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Kommentare

15 Kommentare auf "Coffee to go (1): Liebt Gott den Sünder, aber hasst dessen Sünde?"

  1. Peter says:

    Ich überlege noch hin und her, Rolf. Klar kann mit dem Satz nicht gemeint sein (und ist auch selten gemeint), dass „Sünde“ nur eine Art Kratzer auf der Oberfläche wäre, unter der alles intakt ist. Andererseits ist es ja ebenso problematisch, das Sündersein zum Wesensmerkmal des Menschen zu machen – dann wäre ja ein sündloser Christus gar kein „richtiger“ Mansch. Vielleicht sollte man einfach sagen, dass Gott die Menschen liebt, ob sie nun „kleine“, „große“ oder gar keine Sünder sind.

    Das betrifft unseren heutigen Sprachgebrauch. Zur Zeit Jesu waren die „Sünder“ ja eine klar identifizierbare Gruppe, nämlich die Juden, die es mit den (Reinheits-)Geboten nicht so genau nahmen. Auf die sahen die „guten“ dann herab. Das Problem heute haben wir nicht mehr in dieser Form, selbst die strenggläubigsten Christen (die ganz besonders) würden sich zumindest in der Theorie als „Sünder“ bezeichnen. Sie sehen dafür auf die herab (oder ist es auch Neid?), die viel zu fröhlich und skrupellos sündigen…

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    • Rolf Krüger says:

      Ja.

      Schwierig wird es aber dann, wenn man glaubt, Gott teilt uns quasi in zwei Zonen und liebt die eine und hasst die andere. Und er könnte irgendwann einfach unsere sündige Zone abspalten oder ausziehen wie ein Kleidungsstück und darunter wäre dann irgendwo der eigentliche Mensch zu finden. Das ist deswegen schwierig, weil man dann seine Sünde / sein schlechtes Verhalten stumpf bekämpft – und damit irgendwie sich selbst.

      Warum mühen sich so viele Menschen ab, gegen ihre „Sünde“ anzuleben? Weil dieses schlechte Verhalten die missglückte Seite meines innersten Antriebs ist. Und der ist mir von Gott geschenkt. Jede menschliche Charaktereigenschaft hat doch viele Möglichkeiten, ausgelebt zu werden. Zum Guten oder zum Schlechten. Der Motor auch meines schlechten Verhaltens ist immer eine Gabe Gottes an mich. Sie ist nur aus dem Ruder gelaufen und ich wende sie destruktiv an.

      Wenn ich aber diesen Motor erkenne, dann kann ich diesen Antrieb (mit Gottes und der Menschen Hilfe) mehr und mehr zu positivem Nutzen. Schließlich fällt es mir nicht schwer, zu sündigen. Weil dieser Antrieb eben Teil meiner Selbst, meines Charakters ist. Dann sind wir aber jenseits von moralischer Bewertung von Handlungen. Dann gucken wir, was dahinter steckt und wie es mir leicht fallen könnte diesen Antrieb positiv zu nutzen.

      Und das heißt dann: Gott trennt mich nicht in zwei Zonen, die eine liebt er, die andere hasst er. Sondern er liebt uns inklusive unserer schwierigen Seiten, weil er weiß, dass sie zu uns gehören, dass sie uns ausmachen, dass sie ein misslungenes Produkt unseres innersten Antriebs sind. Wo viel Licht ist, da ist viel Schatten, sagt das Sprichwort. Oft haben die Menschen, die die tollsten Dinge erschaffen, auch ganz starke negative Seiten. Doch nicht, weil der Teufel sie umso mehr verführt. Sondern weil sie in ihrem gesamten Antrieb stärker, energiegeladener sind. Das ermöglicht ihnen ungeahnte Fähigkeiten, aber auch die negative Seite kommt viel stärken zum Zuge. Es ist unheimlich schwer, die positive Seite „Einseitig“ mit Antriebsenergie zu versorgen.

      Und wenn du jetzt sagst: Sünde ist doch gar nicht so sehr das schlechte Verhalten, sondern eigentlich die negative/antigöttliche Kraft, die mich dazu bringt, meinen innersten Antrieb destruktiv auszuleben, dann bin ich ganz bei dir. Und die Sünde, die wir damit meinen, wird Gott uns mit der neuen Schöpfung nehmen – und dadurch alles neu machen. Diese negative Kraft, so würde ich sagen, hatte Jesus nicht – deswegen musste Jesus auch nicht perfekt im platonischen Sinne sein, um „ohne Sünde“ zu sein. Und gerade deshalb konnte doch ein sündloser Christus ein „richtiger“ Mensch sein, oder?

      Nur: Dieses Verständnis von Sünde meint der oben erwähnte Satz nicht – da geht es ums schlichte, oberflächliche Verhalten. Und das macht des Satz für mich schwierig.

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  2. Peter says:

    Oh, ja, den Satz wollte ich gar nicht verteidigen.Der ist mir auch zu platt. Vielleicht kein Zufall, dass das so auch gar nicht in der Bibel steht…?

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  3. Bodo says:

    Gott liebt uns als Sünder… Als Vater liebe ich meine Kinder – das was sie tun ist da zweitrangig. Klar machen sie auch manchmal Mist – aber ich käme nicht mal auf die Idee, sie für alle Fehler, die sie machen, bestrafen zu wollen. Ich würde sie ihnen natürlich ersparen wollen – aber dann wären sie nicht frei. Ich glaube, wir Menschen müssen alle Fehler machen, die wir machen können. An der Liebe zu meinen Kids ändert das nix – um wieviel mehr sollte uns dann nicht Gott lieben, der die Liebe ist….

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  4. Charly says:

    Hallo Rolf,
    durch einen Satz, den ich in meiner Gebetszeit hörte, habe ich mich mit dem Thema auch auseinandergesetzt. Meine Gedanken dazu kannst du auf meinem Blog finden: http://katalyma.wordpress.com/2012/03/05/keine-panik-wegen-sunde/

    Heute würde ich zu dem, von dir angeführten, Satz eher sagen: Gott hat lange nicht einen solch großen Stress mit der Sünde, wie wir es so oft behaupten. Gott hat beim erlösten Christen einen ganz anderen Fokus.
    Warum ich damit nicht behaupte, dass Gott die Sünde egal sei, kann man in meinem Blog-Beitrag nachlesen.

    Gruß, Charly

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  5. James says:

    Ich glaube das der Mensch von Grund auf gut von Gott geschaffen wurde. Sagt er ja auch selbst in der Schöpfung „Das es gut war“! Der Mensch wurde aber durch die Sünde schlecht!
    Trotzdem behaupte ich das der Mensch von Grund auf GUT ist! Es wäre schlimm wenn das nicht der Fall wäre…!

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    • Josef Sefton says:

      James, wie kann der Mensch von Grund auf gut sein, wenn er Tag fuer Tag selbstsuechtig leben moechte? Das ist schlechtes Benehmen!

      Nur in Christus hat er die Faehigkeit ehrenvoll vor Gott zu leben.

      Alles Gute!

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  6. Michael says:

    Mit solchen Zuspitzungen muss man richtig umgehen: Sie enthalten nicht die komplette Botschaft, sondern sind eher ein Merkvers, um uns an den ganzen Inhalt zu erinnern. Unsere Sprache ist unvollkommen, das sollten wir auch berücksichtigen. Problematisch ist für mich in diesem Zusammenhang das Wort „hassen“, weil es sich eigentlich auf eine Person, ein Gegenüber bezieht, das sich äußern kann und ein Verhalten hat, und nicht auf Sachen. Es wird zwar oft so verwendet, aber es passt m.E. nicht richtig. Das andere problematische Wort ist „Sünde“: Es suggeriert in diesem Fall, als sei das etwas, das einfach so passiert, das unabhängig von dem Menschen ist, der sie tut. Durch den ganzen Satz wird eine Trennung zwischen dem Sünder und der Sünde vollzogen, weil er keinerlei Hinweis darauf enthält, dass es da einen konkreten und wichtigen Zusammenhang gibt. Das passiert halt bei einer solchen starken Verkürzung.
    Die Sünde ist ja eigentlich die „Absonderung“ des Menschen, dass er seinen Weg geht und nicht den von Gott gedachten Weg. Natürlich mag Gott das nicht, es tut ihm weh, er ist betrübt darüber. Es geht hier um das Verhalten des Menschen. Den Menschen liebt er, er hat ihn ja geschaffen, und zwar zu seinem Ebenbild. Um so mehr schmerzt es Gott, wenn der Mensch diesem Ebenbild nicht entspricht, sich von ihm entfernt. Wir merken schon, wie viel man darüber schreiben und sagen könnte, wie tief das geht und wie viel davon die Rede sein müsste über die Eigenschaften Gottes das Verhältnis zwischen Gott und Mensch.

    Also sollte man den kurzen Satz als das nehmen, was er ist: Eine Eselsbrücke, um an die dahinter sich ausbreitende ausführliche Botschaft zu kommen.

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  7. BJ says:

    Hi Rolf,

    Ich bin mich ziemlich sicher, dass der Spruch „Love the sinner, but hat the sin“ von Mahatma Gandhi kommt.

    LG,
    BJ

    Antworten
    • Rolf Krüger says:

      Hi!

      Gandhis Version heißt: „Hate the sin, love the sinner“, was in dieser Reihenfolge eine andere Intonation hat. Aber er hat es auch nur zitiert. Wo genau der Spruch herkommt, weiß man nicht so genau. Manche schreiben es Augustinus zu.

      LG,
      Rolf

      Antworten
    • BJ says:

      ‚hate the sin‘ nicht ‚hat the sin‘. Das wäre was ganz anders. 🙂

      Antworten
  8. Johannes says:

    Ich weiß nicht, wie ihr eure Kinder erzieht, aber ich mag die Sünden meiner Kinder nun wirklich nicht leiden (zumindest nicht die kritischen Dinge, keine „liebenswerte“ Schwächen sind eine andere Sache). Was an meiner bedingungslosen Liebe zu meinen Kindern aber nichts ändert!

    Antworten
  9. Johannes says:

    …zumindest kenne ich keinen Erziehungsratgeber und auch keinen Personalführungsratgeber, der nicht klar empfiehlt, zwischen Person und Tat zu unterscheiden.

    Antworten
  10. Matthis says:

    Genau, das ist es, was Gott auch sagt. Er liebt den Sünder, aber hasst die Sünde. Zu der Frau, welche die Pharisäer in flagranti beim Ehebruch (interessentes Thema- scheint auch nicht mehr in unsere heutige Zeit zu passen und ist doch biblisch) erwischt haben, sagt Jesus: wenn diese dich nicht verurteilt haben (damit bestätigt er das Urteil als richtig, gerecht und rechtmäßig), dann verurteile ich dich auch nicht (= Vergebung und unverdiente Gnade), gehe hin und sündige nicht mehr. Das enspricht: Sünde gehasst und verurteilt (verabscheut), aber den Sünder geliebt (begnadigt).

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  11. T.K. says:

    Ich glaube, wir sollten bei dieser/diesen Aussage/n immer zuerst einmal darauf bedacht sein, was der Begriff „Sünde“ und „Sündersein“ christologisch und biblisch genau bedeutet. „Sünde“ ist nach Paulus, aber auch nach Jesus erst einmal überhaupt nicht mit Verhalten zusammen zu denken. „Sünde“ in seiner Bedeutung hat erst mal gar nichts mit Moral/Unmoral oder falschen Handlungen zu tun. Diese sind lediglich die SYMPTOME „der Sünde“. Sünde bzw. Sündersein ist nach der Bibel auch nicht als „Vorwurf“ zu verstehen, dass wir „schlechte und böse“ Menschen sind, sondern Sünde in der Einzahl, wovon Paulus oft spricht wie auch Jesus, ist ein Zustand der Trennung von Gott, ein Zustand der Unwissenheit und Beziehungslosigkeit ihm gegenüber, d.h. Sünde ist einseitige, menschliche Trennung von dem Gott der Liebe, der seit Ewigkeit her uns zugeneigt ist und uns liebt.

    Ein weiterer wichtiger Punkt ist darin zu beachten, dass wir den Sprachgebrauch der Bibel nicht sofort immer mit unserem Sprachgebrauch heute gleichsetzen dürfen. Wenn in der Bibel davon die Sprache ist, dass „Gott etwas oder jmd. hasst“, dann ist damit nicht eine Ablehnung gleichzusetzen, die aufgrund von Groll oder Enttäuschung entsteht und auch unkontrolliertes Handeln mit sich bringen kann, wie es bei uns der Fall ist und wir anschließend, wenn unsere Gefühle sich wieder beruhigt haben, darüber sogar traurig sind.

    Gottes Wesen ist nur eindeutig in Jesus Christus offenbart worden (Hebr.1,1ff) und Gott macht bei der Taufe Jesu deutlich, dass wir auf Jesus schauen und hören sollen, wenn wir uns ein Bild von dem Gott machen wollen (Lk.9,35b), der unseren äußeren und inneren Augen (=Verständnis) verschlossen ist. Erst in der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus können wir eindeutig und zweifelsfrei ein Bild des Wesens Gottes bekommen, dass wir EBEN NICHT den Aussagen des AT angleichen, sondern indem wir auf CHRISTUS schauen, wie er ist, wie er lebte, wie er predigte und somit viele Aussagen, gerade im AT überdenken müssen und nicht 1:1 übernehmen dürfen. Das macht übrigens Jesus selbst deutlich, als er sein Wort über das Wort und Gesetz des Moses stellt. Damit macht er deutlich, dass ER SELBST das WORT GOTTES im absoluten Sinne ist und nur er ein eindeutiges Bild von Gott liefert. Paulus bestätigt das, indem er klar macht, dass wenn wir nur das AT hätten, wir kein eindeutiges Bild von Gottes Wesen haben könnten, sondern „wie eine Decke vor Augen hätten“, durch die man nicht klar sehen kann (2.Kor.3,14-16).

    Wenn man also versteht, dass Jesus das ABBILD des lebendigen unsichtbaren Gottes ist (2.Kor.4,4; Kol.1,15), Jesus und der Vater eins sind (Joh.10,30), dann ist es klar, dass ich alle „zweifelhaften Aussagen der Schrift“, die mir einen ganz anderen Gott als den in Jesus Christus offenbaren wollen, an diesem lebendigen WORT GOTTES, an Christus selbst, prüfen und berichtigen muss.

    Aus diesem Grund würde selbst Paulus und auch Jesus, wenn er heute noch sichtbar über die Erde wandeln würde, einem Menschen, der auf der Suche ist, niemals raten, „fang die Bibel an zu lesen bei 1.Mose bis zur Offenbarung“, sondern er würde iihm raten, die Briefe des Paulus und das Johannesevangelium zuerst zu lesen, um ein eindeutiges Bild von Gott, in der Person Jesus Christus, zu bekommen. Das heißt natürlich nicht, dass wir alle Aussagen im AT und die uns unliebsamen einfach streichen können, aber wir müssen bei all den Aussagen bedenken, dass selbst die Bibel und ihre Aussagen über Gott eine Geschichte aufweist.

    Das können wir besonders daran erkennen, dass es z.B. im gesamten AT nur ganz wenige Aussagen über eine Auferstehungshoffnung gibt, die an wenigen Stellen aufflackert. Grundtenor der Aussagen der Schreiber des AT bzgl. des leiblichen Todes ist eher: „Herr, heile uns, denn bei den Toten kann dich niemand mehr preisen (Ps.115,17 u.a.). Erst das Osterngeschehen macht den Menschen in ihrer Erkenntnis so eindeutig klar, dass das Leben mit dem leiblichen Tod nicht endet. Das gleiche finden wir bzgl. der Sündenvorstellung und automatisch damit verbunden mit dem „Gottesbild/-vorstellung“.

    Selbst die Jünger zeigen, obwohl sie mit Jesus wandeln, ihr einseitiges und verzerrtes Bild von vielen biblischen Aspekten, wie Sünde, Strafe Gottes, Gottes Wesen etc., was Jesus liebevoll revidieren muss (Joh.9,2ff). Wir können also erkennen, dass die Bibel selbst in ihrer Gotteserkenntnis eine Geschichte hat. Und die Gotteserkenntnis ist Folge von zunehmender Offenbarung Gottes. Und die wiederum hat ihren Höhepunkt in einer PERSON, in JEsus Christus selbst.

    ER ist DAS WORT GOTTES, auf den uns die Bibel hinweisen möchte. Und wenn man verstanden hat, dass man alle Aussagen über Gott, die uns in der Bibel vermittelt werden, an JESUS CHRISTUS messen und deuten muss, kann man von vorneherein sagen, dass viele Aussagen über Gott, die uns von den unterschiedlichen Schreibern, die alle unterschiedliche Gotteserkenntnis hatten, nicht gleichzeitig gelten.

    Ein schönes Beispiel dafür ist auch die Gotteserkenntnis des Paulus. Er selbst macht in der Frage der „Abtrünnigkeit Israels“ ganz andere Aussagen, als z.B. das Ende des Markusevangeliums, das offen lässt, was mit der Ablehnung Israels geschieht. Paulus macht deutlich, dass Gott ihm eine neue Offenbarung und Erkenntnis geschenkt wurde (Röm.11,25), dass Christus „ganz Israel“ am Ende selbst bekehren wird.

    Um nun auf die Grundfrage zurückzukommen? Kann Gott jemanden „hassen“ im Sinne davon, wie wir „Hass/hassen“ definieren? Hätten wir nur die Aussagen des AT und nicht die Menschwerdung Gottes in Jesus, dann hätten wir es sehr wohl mit einem ambivalenten Gott zu tun, der sowohl lieben, aber auch hassen in unserem Sinne von „hassen“ kann.

    Schauen wir uns aber Jesus an, dann dürfen wir diese Aussage „Gott sei Dank“ verneinen. Gott liebt alle Menschen (Joh.3,16; Röm.5,8), noch bevor sie überhaupt von ihm und seinem Wesen Kenntnis erlangen. Er liebt allumfassend und bedingungslos, da er nicht nur lieben kann, sondern sein ganzes Wesen ausschließlich Licht und Liebe ist (1.Joh.4,8b.16), in dem kein Dunkel oder Schatten vorhanden ist (Jak.1,17). Alle diese wunderbaren Aussagen über Gott konnten die Schreiber nicht vor der Menschwerdung Jesus wissen, obwohl sie bei Gott seit Ewigkeit her gelten. D.h. also, dass die Bibel und ihrer Schreiber an Gotteserkenntnis zugenommen haben, die ihren Höhepunkt in Jesus hat, und zwar ausschließlich nur in ihm allein.

    Hat Jesus Menschen gehasst? Nein!! Hat Jesus Menschen Vorwürfe gemacht? Nein! Hat Jesus Menschen erst die Liebe Gottes und Vergebung zugesprochen, NACHDEM sie aus eigener Kraft und Wollen reumütig um Vergebung und Liebe Gottes baten? NEIN! Jesus vergab Menschen, sprach ihnen Gottes uneingeschränkte Liebe zu, bevor sie überhaupt darum bitten oder flehen konnten. Und als FOLGE dieser empfangenen Liebe, blieb diese Liebe nicht folgenlos und veränderte Menschen zum Guten hin. Es ist Gott selbst, der „sowohl das Wollen als auch Vollbringen erzeugt“ (Phil.2,13), der der „Anfänger und Vollender des Glaubens ist“ (Hebr.12,2), der uns selbst zu sich bzw. zum Sohne zieht, so dass wir als FOLGE dessen, den Wunsch nach Beziehung/Glaube/Bekehrung/Buße empfinden (Joh.6,65f.) und dessen TREUE uns ans Ziel bringt, selbst wenn wir untreu werden (2.Tim.2,13).

    Wenn in der Bibel, gerade auch im NT das Wort „hassen“ benutzt wird, dann meint es Gottes entschiedenes NEIN – und zwar das NEIN zur Sünde im Sinne der Bedeutung (Beziehungslosigkeit, Trennung von Gott, Unwissenheit seiner Liebe, die die Beziehung schafft, die wir Glauben nennen). Gott kann sich nicht damit abfinden oder arrangieren, dass wir seine Liebe und sein Wesen nicht erkennen und in Unwissenheit und Trennnung freudlos und in Angst leben. Von diesem Sinne her „hasst“ er die Sünde, die Beziehungslosigkeit, liebt aber den Sünder inclusive seiner ganzen Unvollkommenheit, den sog. Tatsünden, wobei er die Tatsünden natürlich nicht liebt, weil sie uns und unseren Nächsten Schaden zuführen.

    Unsere Sündentaten können natürlich nicht isoliert von uns betrachtet werden, so dass der Satz „Gott liebt den Sünder, hasst aber die Sünde (vom Missverständnis „der Sündentaten, wobei hier „DIE SÜNDE“ als Trennung gemeint ist) nicht so stehen bleiben kann. David erkannte es, dass Sündentaten immer zu uns gehören, sie ein Teil unserer unvollkommenen Natur sind und bleiben werden, bis Gott uns im Gericht seiner Liebe davon befreien und uns wieder zurechtbringen wird, indem er jede Träne und alles Belastende, aus dem heraus wir auch falsche Dinge tun, wegnimmt. Daher wird David auch deutlich, dass nicht seine Sündentaten das Problem sind, so als ob sie isoliert von seinem ICH verstanden werden könnten, sondern dass ER SELBST das PROBLEM ist. Und daher bittet er Gott auch „Schaffe mich neu – schaffe in mir einen neuen Geist (Ps.51,12ff:)

    An anderer Stelle wird auch von „hassen“ gesprochen (Lk.14,26: Vater und Mutter um meinetwillen nicht hasst, kann nicht mein Jünger sein), was wiederum deutlich macht, dass wir nicht einfach den Sprachgebrauch von heute anwenden dürfen. Denn allein das Gebot der „Liebe und Ehre zu Vater und Mutter“ führt das Verständnis von „hassen“ im heutigen Sprachgebrauch ad absurdum. Was sagt hier Jesus? Er macht deutlich, dass wenn uns irgendetwas anderes wichtiger ist, an dem unser Herz hängt und davon völlig vereinnahmt wird, der kann nicht automatisch von meiner Liebe vereinnahmt werden und Jünger sein.

    Ist das nicht auch heute so?! Wer vom Geldverdienen vollständig vereinnahmt ist, kann nicht gleichzeitig von etwas anderem vereinnahmt sein, da seine Gedanken ausschließlich vom Geldverdienen beherrscht werden. Jesus fordert also nicht, dass wir Vater oder Mutter in unserem „Wortverständnis von hassen“ gering schätzen oder verachten, sondern er macht deutlich, dass man nur von Gottes Liebe dann zunehmend vereinnahmt werden kann, wenn man sich ihr öffnet und gedanklich widmen kann, ohne von anderen Dingen gedanklich fest vereinnahmt zu sein.

    Zusammenfassend kann man also sagen: „Bei jeder Aussage in der Bibel und jeglicher Diskussion und Auslegung gilt es zu bedenken“:

    1. Nicht jede Seite der Bibel enthält eindeutig klares Evangelium, da die Gotteserkenntnis zunnahm durch zunehmende Gottesoffenbarung, die ihren Höhepunkt in der Person JESUS CHRISTUS hat

    2. Nicht unser Sprachgebrauch in puncto Semantik (Wortbedeutung) darf automatisch auf die Aussagen der Bibel angewandt und übertragen werden. Sprache, Sprachgebrauch und Bedeutung verändern sich!

    3. Wenn wir wissen wollen, wie Gott wirklich ist, sollen und müssen wir AUSSCHLIEßLICH auf JESUS CHRISTUS, DAS WORT GOTTES im absoluten und eindeutigen Sinne schauen und von ihm und seinem Wesen her Aussagen deuten, die nicht ganz klar sind und evtl. sogar ein zerstörerisches und Angst erzeugendes Gottesbild offenbaren. „Wer sich vor Gott ängstigt, hat Gottes Wesen noch nicht erkannt“ (1.Joh.4,18).

    MfG T.K.

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