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Tanken am Sonntag – und was Rob Bell damit zu tun hat

Ich habe entdeckt, dass einige von Rob Bells Nooma- und Tourvideos inzwischen kostenlos bei YouTube abrufbar sind. Unter anderem auch „Everything is spiritual“ (siehe oben), in der er auf eindrucksvolle Weise darstellt, mit wie wenig Recht wir die Welt in „geistlich“ und „weltlich“ oder in „fromm“ und „säkular“ aufteilen.

Von den einfachen, ersten Zeilen der Bibel bis zu den höchsten Sphären wissenschaftlicher Arbeit zieht sich ein roter Faden von Erkenntnis, der sagt: Alles hängt untrennbar miteinander zusammen, hängt voneinander ab und beeinflusst sich gegenseitig. Was wir um uns sehen (und was wir nicht sehen) – bei allem hat Gott seine Finger im Spiel, hat es geschaffen, hat Kreativität hineingelegt. Nicht nur Kreativität, sondern eine unglaubliche Detailverliebtheit. Und siehe, es war sehr gut. Unsere Welt wäre nicht, wären da nicht tausende von Parametern extrem fein justiert. In allem finden wir Gottes Handschrift. Ihn selbst, sein Wesen. Seine Liebe. Seine Macht. Seine Kreativität. Kein Wunder, dass Paulus in Römer 1 schreibt, dass Gott in der Schöpfung erkannt werden kann.

Das Teilen der Welt…

Und deshalb macht es wenig Sinn, unsere Welt in geistlich und nicht-geistlich aufzuteilen. Das ist übrigens auch nicht biblisch-jüdisches Denken, sondern griechische Philosophie. Alles, was ich tue, hat immer neben physikalischen Folgen auch Auswirkungen auf anderen Ebenen. Wir können nicht Gemeinde und Welt trennen, weil Gemeinde auch immer Teil dieser Welt ist und die Gemeinde die Welt (hoffentlich) beeinflusst. Gemeinde und Welt sind kein Gegensatz.

Vor allem aber betrügen wir uns selbst, wenn wir uns auf die Schulter klopfen und sagen: „Wie toll wir wieder der säkularen Welt gedient haben!“ oder „Wie sehr Gott doch unter uns (=durch uns) gewirkt hat!“. Obwohl wir selbst vielleicht in vielen Punkten viel ungeistlicher sind als „die da draußen“. Vielleicht investiert Gott in Wirklichkeit gerade ganz woanders und wir sind nur stolz auf Menschenwerk. Ist Gott bei denen, die alles besser wissen, die die Lehre über die Liebe stellen, die andere richten? Oder ist er bei denen, die geistlich arm sind, die Leid tragen, die sanftmütig sind, die hungert und dürstet nach Gerechtigkeit, mit reinem Herzen und mit dem Wunsch nach Frieden?

Einige Christen, die diese unnatürliche Trennung zwischen Glaube (am Sonntag) und Welt (am Montag) spüren, haben die Aktion „Glaube am Montag“ ins Leben gerufen. Ihre Erfahrung: Der Glaube wird für den Sonntag reserviert (und für den Hauskreis und für die Bibelstunde und das Lesen frommer Bücher…). Im Alltag ist der Glaube aber kaum zu sehen. Deshalb heißt die neue Parole: Mehr Glauben am Montag!

Dass wir Montags ungern glauben, hat doch einen Grund…

Ich unterstütze das, fürchte aber, dass für viele die Idee in der Umsetzung viel zu kurz greift. Haben wir uns schon einmal gefragt, welchen Grund es hat, dass wir im Alltag so „ungern“ glauben? Wenn Sonntags alles dufte ist, warum stehen wir dann nicht mit Begeisterung am Montag für das ein, was wir am Sonntag glauben? Wenn wir in der Gemeindeveranstaltung voll dabei sind, warum ducken wir uns dann im Büro?

Viele der zur Zeit les- und hörbaren Erklärungen dafür pendeln irgendwo zwischen Kleinglaube, Verweltlichung und gefallener Schöpfung: Weil wir uns so von den Verlockungen der Welt (Bequemlichkeit,  Erfolg, Prestige) verführen lassen, wird der Glaube im Alltag von uns unterdrückt. Weil wir sündig sind (und Gott nicht genug in unser Leben lassen), haben wir nicht die Kraft, unseren Christen am Arbeitsplatz zu stehen.

Pack den Tiger in den Tank

Deshalb liegt es nahe, dass die meisten Lösungsvorschläge den Tenor haben: Lass dir sonntags besser den Tank füllen, damit du montags deinen Glauben besser leben kannst. Bewege dich fleissiger/effektiver/nachhaltiger in der frommen Welt, damit du im Alltag wirklich Christ sein kannst.

Dieses Anliegen klingt fromm, es liegt darin aber eine riskante Selbsttäuschung: Sonntag und Montag bleiben in dieser Denke getrennt! Das Problem wird nicht bei der Wurzel gepackt, im Gegenteil: Es wird noch verschärft, weil wir noch mehr am Sonntag tanken sollen, um am Montag noch mehr Frömmigkeit an den Tag legen zu können.

Aber wer bisher am Sonntag keinen überzeugenden Glauben gelebt hat, der wird es auch am Montag und am Mittwoch nicht tun. Weil Sonntag, Montag und Mittwoch dasselbe sind. Und weil wir dieselben sind sein sollten.

Ich befürchte deshalb (und sehe es schon an vielen Stellen), dass Glaube am Montag genutzt wird, um noch mehr Programme zu initiieren, wie Christen ihren (Sonntags-)Glauben mit Fleiss/Frömmigkeit/Gottes Hilfe/Gewalt in ihren Alltag pressen können. Damit wäre die Idee aber missverstanden.

Denn das verursacht keine Freiheit, sondern neuen Druck. Die Diskrepanz zwischen Anspruch dieser Programme und Wirklichkeit spüren viele – sehen aber die Ursache nicht, weshalb sie sich ihnen mit schlechtem Gewissen beugen in der Hoffnung, doch noch ein besserer Christ zu werden.

Die eigentliche Ursache aber ist: Die Trennung zwischen Sonntag und Montag.

Sonntag ist (kein) geistlicher Tag

Der siebte Tag der Woche ist eigentlich kein geistlicher Tag. Er ist ein sozialpolitischer Tag, den Gott eingeführt hat, um uns vor uns selbst zu schützen. Davor, dass wir vergessen, dass wir keine Arbeitsmaschinen sind, sondern Gottes geliebte Geschöpfe, die von Gemeinschaft leben, das Leben genießen und unseren Schöpfer ehren dürfen. Ein Tag, an dem wir uns ausruhen, Kraft tanken, mit Gott und Menschen Gemeinschaft haben können, aber kein Tag, an dem wir fromme Theorie pauken.

Der Sonntag ist kein geistlicher Tag, weil es keine besonders geistlichen Tage gibt. Es gibt nur uns, diese Welt, unsere Zeit, die Woche. Und Gott ist überall – in der Kirche und im Kindergarten, im Gemeindecafé und in der Sportkneipe. Alles, was ich tue, hat geistliche Auswirkungen – das würden sicher  viele unterschreiben. Aber nicht vergessen dürfen wir:  Gott kann ich auch überall begegnen, von ihm lernen und neu tanken. Wenn wir den Tankvorgang auf den Sonntag beschränken, brauchen wir uns je nach Ausdauer nicht zu wundern, dass der Tank am Dienstag leer ist.

Aber es ist nicht nur eine Frage der „Reichweite“. Echte geistliche Veränderung bedeutet: Lernen, Gott im Alltag zu finden. Im Kleinen. In den Menschen, die uns begegnen. Auch in den „Nichtchristen“ – denn Gott hat auch sie gestaltet und ihnen vielerlei Gaben geschenkt. Jeder Mensch kann mich in Gesprächen oder durch sein Vorbild im Leben weiter bringen. Oder durch seine Dankbarkeit, wenn ich ihm Gottes Liebe ganz praktisch weiter gebe. Es gibt kein „wir“ und „ihr“. Es gibt nur ein „wir“ und „er“.

Dann ist es plötzlich egal, ob gerade Sonntag oder Mittwoch ist. Dann tanken wir durch unser ganz normales Leben unseren Akku wieder auf – der ja auch nicht in eine geistliche und eine seelische Hälfte geteilt ist.

Glaube am Montag heißt für mich, der Falle zu entfliehen, den Sonntag als Gegensatz zum Montag zu pflegen: Hier die heilige Zeit, dort die unheilige Zeit, die ich mit der Restheiligkeit vom Sonntag heiligen muss. Das funktioniert nicht und führt zu frommem Stress. Alles ist geistlich. Alles ist gut, was Gott geschaffen hat, und nichts ist verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird (1. Tim 4). Und wenn Jesus in Matthäus 25 davon spricht, dass Gott in meinem durstigen Nächsten zu finden ist, dann dürfen wir vertrauen: Er weiß, was er sagt.

Sollten das deine Freunde auch lesen? Teile es!

Kommentare

2 Kommentare auf "Tanken am Sonntag – und was Rob Bell damit zu tun hat"

  1. shasta-cor says:

    also Mrs Flushpool würde jetzt rufen: AMEN dazu. 😉

    Das ist der beste Text zu Glaube Montag, den ich seit langem gehört habe, denn auch ich empfinde es seit längerem die Gefahr, daß hier einfach nur wieder neue Programme gestartet werden. Das wäre sehr traurig.

    Herzlichen Dank.

    Antworten
  2. Brother John says:

    Ich glaube, ich würde fast jeden Deiner Sätze unterschreiben. Natürlich funktioniert die Zweiteilung nicht. Schon deshalb nicht, weil wir ja am Sonntag und am Montag immer noch diesselben sind.

    Mir ist nur eines nicht ganz klar geworden: Was ziehst Du für praktische Konsequenzen? Wie lebst Du die Erkenntnis „Alles ist geistlich“?

    Und eine zweite Frage wäre: Wie ordnest Du in diese Erkenntnis diese andere Wahrheit ein, dass nämlich diese Welt tatsächlich eine gefallene, sündige Welt ist?

    Antworten

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