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Gut predigen = vielfältig kommunizieren

BerlinJC hat in einem Blogeintrag gefragt, warum denn Predigten meist nur den Kopf ansprechen und es so wenige Prediger gibt, die es verstehen, die Sinne anzusprechen. Die Frage ist gut und wichtig weil sie am Ende entscheidend dafür ist, ob wir Menschen mit der guten Nachricht von Jesus Christus erreichen.

Die Frage lässt sich aus meiner Sicht mit den verschiedenen Lerntypen beantworten. Es gibt durchaus Menschen, die am besten durch das Zuhören lernen (auditiver Lerntyp). Für sie sind normale Predigten ideal. Andere können am besten lernen, indem sie etwas sehen oder lesen (visueller Lerntyp). Andere lernen am besten, wenn sie etwas anfassen bzw selbst machen können (haptischer Lerntyp). Und wiederum andere sind am besten, wenn sie über das gehörte reden. Welches Publikum man vor sich hat, weiss man selten. Fest steht aber: je mehr unterschiedliche Sinne und Lernzugänge angesprochen werden, desto besser können sich alle Lerntypen das vorgetragene einprägen.

Ich vermute, der auditive Lerntyp ist besonders stark bei Theologen vertreten, weil die theologische Arbeit diesem Lerntyp am ehesten entgegen kommt. Generell trifft das wohl auf Geisteswissenschaftler und Intellektuelle zu. Deshalb ist es wenig erstaunlich, dass sich die Evangeliumskommunikation durch das pure, gesprochene Wort bei uns durchgesetzt hat – mit problematischen Folgen.

Denn viele Menschen ziehen aus einer reinen Wortpredigt kaum etwas für ihr Leben. Und wenn doch, dann bleibt es bei vielen nur einige Stunden hängen. Wer als Pastor etwas Selbstbewusstsein abbauen möchte, der kann mal am nächsten Tag einige Zuhörer fragen, um was es bei der gestrigen Predigt ging. Die meisten werden sich etwas zusammen stammeln oder gleich passen.

Dabei hat das weder etwas mit Unfähigkeit beim Prediger noch mit Ignoranz beim Publikum zu tun. Es wurde lediglich versäumt, die Predigt für alle Lerntypen aufzubereiten. Den meisten Pastoren liegt eben die klassische Predigt auch als Zuhörer viel mehr und deshalb fällt es ihnen schwer nachzuvollziehen, warum andere daran ganz schön knabbern.

Dazu kommt noch, dass Martin Luther dummerweise Römer 10,17 übersetzt hat mit „Der Glaube kommt aus der Predigt“, was aber so gar nicht stimmt, dort steht nämlich: „Der Glaube kommt aus dem Gehörten“ und es geht ganz generell darum, dass Menschen weiter geben, was sie erfahren und erlebt haben (noch vor Kurzem nannte man das „Zeugnis geben“).

Und sicherlich ist Kommunikation heutzutage generell viel visueller als früher. Werbung, Bilder, Fernsehen, Internet – wir haben nicht mehr viel Praxis im Erfassen von komplexen Texten. Das ist erstmal gar nichts Schlimmes, aber Predigtkultur muss sich an die Rezeptionsgewohnheiten anpassen, wenn sie sich nicht selbst irrelevant machen möchte.

Das heisst, audiovisuelle und interaktive Kommunikation in der Predigt ist keine Spielerei. Powerpoint- oder Keynote-Unterstützung ist da schon ein wichtiger Schritt, wobei es auch dabei auf das „wie“ und „was“ ankommt. Aber mehrere Sinne ansprechen bedeutet hier auch nicht unbedingt Elektronik. Kürzlich hat unser Diakon einfach ein Kletterseil von der Decke der Kirche herab gehängt (da hatte die Vorrichtung für den Fröbelstern endlich auch mal im Sommer etwas zu tun 🙂 und damit erklärt, wie das Leben mit Gott funktionieren kann. Ein guter Effekt, der hängen blieb.

Das alles muss gute Predigtarbeit, aber auch gute Predigerausbildung ernst nehmen! Mancherorts passiert das schon, aber es wäre sicher gut, jeder angehende Pastor (und jeder alte Hase) hätte die Möglichkeit, sich in diesem Bereich richtig fit zu machen. Warum? Mehr Menschen würden das Evangelium verstehen.

Ich selbst würde liebend gern so eine Fortbildung besuchen, denn am Wochenende habe ich mal wieder gemerkt, wie schwer es trotz erklärtem Willen ist, das tatsächlich gut umzusetzen. Meine Frau und ich haben nämlich versucht, unsere Traupredigt für liebe Freunde mittels Legomännchen anschaulicher zu machen. Aber so richtig erfolgreich war das nicht, glaube ich. Zumindest wollten die Männchen die vorher vereinbarten Aufstellungen partout nicht einnehmen und für alle ab der fünften Reihe war das Geschehen eh zu klein. Naja, der gute Wille war da und ich hoffe, der Punkt ist auch ohne folgsame Legomännchen rüber gekommen. 🙂

Mich würde interessieren: Wie wird bei euch in der Gemeinde gepredigt? Und falls ihr Theologiestudenten oder frische Berufsanfänger seid – auf die Vermittlung welcher Fähigkeiten wurde bei euch in der Ausbildung Wert gelegt?

Sollten das deine Freunde auch lesen? Teile es!

Kommentare

6 Kommentare auf "Gut predigen = vielfältig kommunizieren"

  1. Brian says:

    Ich muss Immer daran denken was Ich über die Prediger von „The Great Awakening“ gehört habe ( http://en.wikipedia.org/wiki/First_Great_Awakening )

    „The First Great Awakening (or The Great Awakening) was a religious revitalization movement that swept Protestant Europe and British America, and especially the American colonies in the 1730s and 1740s, leaving a permanent impact on American religion. It resulted from powerful preaching that gave listeners a sense of personal guilt and of their need of salvation by Christ. Pulling away from ritual and ceremony, the Great Awakening made religion intensely personal to the average person by fostering a deep sense of spiritual guilt and redemption, and by encouraging introspection and a commitment to a new standard of personal morality.“

    und…

    „The new style of sermons and the way people practiced their faith breathed new life into religion in America. Participants became passionately and emotionally involved in their religion, rather than passively listening to intellectual discourse in a detached manner. Ministers who used this new style of preaching were generally called „new lights“, while the preachers who remained unemotional were referred to as „old lights“.“

    Wobei das wohl nicht ganz stimmt, denn Jonathan Edwards mit seiner berühmten Predigt „Sinners in the hand of an angry God“ war wohl relativ monoton.

    Ich denke das das Entschiedene ist, das Gottes Wort in seiner Gesamtheit gepredigt wird so Menschen keine andere Wahl haben als auf das gehörte zu reagieren. Entweder Sie erkennen das Sie Gottes Hilfe in Alles brauchen, oder Sie wenden sich davon ab. Hauptsache Sie sagen nicht „nettes Predigt“ und haben es am nächsten Tag schon vergessen.

    Denn das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer denn kein zweischneidig Schwert, und dringt durch, bis daß es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens. – Hebräer 4,12

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  2. Jörg Engler says:

    Ich denke das oft nur Menschen predigen dürfen die einen entsprechende Ausbildung haben. Kann man aber das Predigen ausbilden? Ist es nicht ein ein Ruf Gottes der in Menschen etwas hinein gelegt hat um es anderen weiter zu geben?
    Nach der Bibel sind alle Christen Prediger. „Geht hinaus und predigt das Wort!“ So oder ähnlich steht es geschrieben. Es ist doch an den Pastoren Menschen in ihre Berufung zu führen. Menschen einer Gemeinde haben Begabungen und Talente. Sie sind von Gott vorbereitet worden auf ihren Dienst und viele Pastoren haben nicht besseres zu tun als das zu verhindern. Vielleicht haben die Verhinderer ja auch einfach nur Angst vor der „Konkurrenz“ die aufsteht und das Wort predigt.
    Das jedenfalls ist meine Meinung. Wenn sich das verändert haben wir Christen in Deutschland eine Chance dieses Land zu erreichen.
    Das ist jedenfalls meine Meinung.

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  3. Onkel Toby says:

    Seit Jahren frage ich mich, warum die Christen nicht mal endlich Abschied vom Frontalunterricht nehmen – wenn sogar die deutschen Schulen eingesehen haben, dass man damit nicht weiterkommt. Predigten sind für mich ein Grund, warum ich nicht mehr in die Kirche gehe. Ich habe mir das über 20 Jahre lang angetan und kann mich vielleicht an 2-3 grob erinnern, und keine davon hat meinen Glauben nennenswert beeinflusst.

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  4. Rolf Krüger says:

    Das Thema „Predigt“ scheint insgesamt gerade dran zu sein…

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  5. Tim says:

    Jens Stangenberg behauptet in „Tanz auf der Fontäne“ finde ich ganz passend, dass das Wesen von Kirche eigentlich eher einer großen Wohnküche gleicht, als einer Hörsaalveranstaltung. Trotzdem feiern wir meistens Hörsaalveranstaltungen mir Zwischenliedern, aber kriegen die Kirche irgendwie nicht raus aus dem Hörsaal….Keine Ahnung warum!( ich denke wir sind ja auch nicht die ersten die das begriffen haben.)

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  6. Ben says:

    Die Form ist doch völlig egal. Paulus hat in Häusern stunden lang gepredigt und zwar so spannend, dass Eutychus eingeschlafen ist, aus dem Fenster fiel und tot war (Apg. 20,9). Keine Sorge – Gott hat ihn wieder auferweckt.
    Der Punkt ist: Man kann eine riesen Show abziehen oder ewig reden, wenn der Heilige Geist die Zuhörer nicht von ihrer Sünde überführt wird sich niemals etwas ändern.
    Allerdings wird uns Jesus wohl kaum gebrauchen können, wenn wir nicht selbst leben was wir predigen.
    Er wird uns in dem Maße gebrauchen, wie wir ihm Freiheit geben mit unserem Leben zu tun und zu lassen, was er für richtig hällt. Nur wenn er entscheiden darf, und zwar über alles, kann er uns in vollem Maße gebrauchen.

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