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Finanzmarkt: Längst regieren uns Maschinen

„Börsen auf Talfahrt“, „größter Kursverlust seit 5 Jahren“, „Märkte reagieren nervös“… inzwischen gewohnte Themen unserer Nachrichtensendungen. Das Geschehen an den Finanzmärkten fesselt unsere Aufmerksamkeit und beeinflusst Wirtschaft und Politik. Eine Agentur senkt die Kredit-Bewertung der USA und die Regierungschefs der Welt konferieren aufgeregt. Es ist ein ungesundes Maß an Einfluss, den der Börsenhandel und die Finanzjongleure inzwischen auf unser Leben haben.

Dabei ist die Aktie an sich natürlich eine wichtige Finanzierungsgrundlage für die Wirtschaft und der Börsenhandel war einst eine echt gute Idee. Aber längst gehen Aktienwert und Unternehmenssolidität getrennte Wege. Längst gleichen die Finanzplätze einem nervösen Bienenstock vor einem Gewitter. Und wir haben Dauergewitter. Das ist nicht gut.

Denn das romantische Bild des Börsenmaklers, der auf dem Parkett Zettel hochhält und wild mit den Fingern gestikuliert hat längst ausgedient. Heute sind es Computer-Algorithmen, die Aktien kaufen und verkaufen. Im Kleinen kann das jeder Aktieninhaber auf seiner Broker-Website durchspielen. Man nimmt einen bestimmten Aktienwert aus seinem Depot, legt die Schmerzgrenze fest, unter die der Kurs nicht sinken soll, und weist den Computer an, bei Unterschreitung soundsoviel Stück des Wertes zu verkaufen. Andererseits kann man aber auch einen Wert festlegen, ab dem automatisch bestimmte Aktien gekauft werden sollen. Alles ganz relaxed? Denkste!

Denn das Problem ist die Masse: Verkauft der eine Kunde automatisiert seine Aktien, sinkt der Kurs. Nicht bei den drei Apple-Aktien des Mac-Jüngers aus Detmold. Aber bei den 3 Mio. Aktien irgendwelcher Trading-Firmen schon. Und durch diese Kurssenkung werden wiederum automatisch andere Verkäufe ausgelöst, und dadurch wiederum andere… eine Kettenreaktion. Und das ganze geht so schnell, dass kein Mensch das steuern, geschweige denn stoppen kann. Und manche wollen es auch gar nicht stoppen, weil sie auf fallende Preise gewettet haben, wie wenn jemand beim Pferderennen das letzte Pferd tippt. Verkehrte Welt.

In der Praxis wird heute rund die Hälfte aller Order von High-Frequency-Tradern getätigt, die ultraschnelle Computersysteme nutzen. „Wertpapiergeschäfte werden in Millionstel Sekunden abgewickelt. Jeden Tag kaufen sie mitunter Hunderte Millionen Aktien, stoßen sie aber oft schon Sekundenbruchteile später wieder ab, zufrieden mit Profiten von Zehntel-Cents pro Aktie. Über die schiere Masse summieren sich gewaltige Profite, wenn es gut läuft. Genauso können während eines Lidschlags Miese in Millionenhöhe anfallen“, schreibt der Spiegel.

Das geht so weit, dass die Mieten in den Gebäuden, in denen die Transatlantikkabel in Manhatten auftauchen, ins unermessliche schießen. Jede Bank, jeder Trader will möglichst nah an der Quelle des Internets sein, weil ein Switch weniger, weil Millionstelsekunden schon den Unterschied zwischen enormem Verlust und riesen Gewinn ausmachen können.

Spätestens mit dieser Entwicklung hat sich die Finanzwelt komplett verselbständigt. Was da in einem Wimpernschlag passiert hat längst nichts mehr mit realer Wirtschaft zu tun. Die Maschinen regieren uns. Ohne, dass wir es merken.

Aus meiner Sicht (die aber ganz sicher nicht das ganze Bild erfasst), wäre der richtige Weg eine radikale Beschneidung dieser Entwicklung. Dazu wären folgende Schritte notwendig:

  • Keine automatisierten Computerverkäufe mehr
    Natürlich muss der Aktienhandel auch in Zukunft mit Computern abgewickelt werden, aber eine automatisierte Programmierung, vielleicht auch nur oberhalb eines bestimmten Volumens sollte verboten werden. Ein guter Nebeneffekt: Wenn wieder Menschen die Arbeit übernehmen müssen, macht das das Handeln mit Aktien erheblich teurer. Das wiederum macht es unattraktiv für Zocker.
  • Keine Leerverkäufe mehr
    In Deutschland sind sie schon verboten, in einigen EU-Ländern seit kurzem partiell. Aber eigentlich müsste es generell verboten sein, auf fallende Kurse zu wetten, das heißt mit etwas zu handeln, was man gar nicht hat. Das geht meistens über Versicherungen gegen Kursverluste. Aber ohne echten Gegenwert (also tatsächlichen Besitz der Aktie), sollte man sich auch nicht gegen deren Kursrutsch versichern lassen (ich hoffe, ich habe das so richtig wieder gegeben).
  • Der radikalste Schritt: Eine gesetzliche Zeitsperre nach jeder Aktientransaktion
    Der Aktienhandel muss wieder entschleunigt werden, bevor er weitere Herzinfarkte erleidet.  Das heißt: Wird eine Aktie gekauft oder verkauft, dann darf von diesem Händler oder dieser Transaktion mit diesem Papier für eine bestimmte Zeit nichts weiteres gemacht werden. Also weder wieder verkauft noch weitere Aktien gekauft werden. Ob diese Zeitspanne besser fünf Minuten oder fünf Tage umfasst, das müssten Experten klären. Eine Verlangsamung des Handels würde aber allen gut tun – außer vielleicht denen, die jetzt Milliarden auf Kosten anderer scheffeln. Aber darüber wird kaum jemand traurig sein.
  • Zur Abrundung: Eine Finanztransaktionssteuer
    Es gibt die Erbschaftssteuer, die Schenkungssteuer, die Grunderwerbssteuer, die Einkommenssteuer… Fast immer, wenn Geld des Besitzer wechselt, hält der Staat die Hand auf. Nicht nur deshalb ist es fairer und sinnvoll, jede Finanztransaktion ebenfalls mit einer Steuer zu belegen. Auch dies macht das kurzfristige Zocken um Minibeträge unattraktiv und damit die Finanzmärkte stabiler.

Eins ist sicher: Diese Maßnahmen würden nur greifen, wenn sich die große Mehrheit der Finanzplätze der Erde einig wäre und gleich ziehen würde. Sonst verlagert sich das Geschäft nur.

Tja, sicher ist auch: Das alles wird nicht passieren, zumindest nicht, bevor nicht die gesamte Finanzindustrie am Boden liegt und ein Umdenken selbst in den Betonköpfen von Politik und Wirtschaft beginnt.

Aber vielleicht geschieht ja zuvor ein Wunder…

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Kommentare

Ein Kommentar auf "Finanzmarkt: Längst regieren uns Maschinen"

  1. Feuerstein says:

    Das wünscht sich wohl jeder, aber die Finaznbosse sind mächtiger als die Politik und somit könnnen sie bestimmen. In Deutschland wurde das Verbot von Leerverkäufe schon wieder aufgehoben!! Und was sagt Jesus dazu? er hat es schon gewusst. Und es wird noch dicker kommen.

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