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Follow me…: Leiterschaft ist überbewertet!

Alle reden von Leiterschaft, gerade in der Kirche. Wären wir doch alle Leiter, dann wäre die Kirche bald die Welt und die Welt eine Kirche.

Der „Hippie-Kapitalist“ (LA Weekly) Derek Sivers hält dagegen. Er sagt: Leiterschaft ist überbewertet, unterschätzt wird dagegen die Kraft der Nachfolge.

Am Beispiel des YouTube-Videos eines tanzenden Mannes am Strand (siehe unten) macht er auf bestechend einfache Weise deutlich, wie eine Bewegung entsteht. Und eins wird klar: Ein guter Leiter ist nur sehr kurz im Rampenlicht.

Schritt 1

Der Leiter ist der Ausgangspunkt, er ist derjenige, der sich zum Deppen macht, der den ersten Schritt wagt und sich auf ein Terrain wagt, auf das sich vorher niemand gewagt hat. Oder das für niemanden überhaupt im Blick war. In diesem Fall fängt der Mann ohne T-Shirt einfach an, zu tanzen. Mitten auf der Wiese, mitten unter den anderen Sonnenanbetern.

Schritt 2

Eine ganze Weile tanzt ist er alleine vor sich hin, die Leute gucken ihm amüsiert von ihren Handtüchern aus zu. Niemand nimmt teil, bis hierhin ist das ganze eine unterhaltsame Show.

Doch plötzlich kommt ein zweiter Mann dazu und tanzt mit: Der erste Nachfolger. Bereits an dieser Stelle, so Sivers, können wir zwei Dinge lernen:

 

 

  1. Der erste Nachfolger hat eine unheimlich hohe Bedeutung:  Er zeigt den Zuschauern, was es bedeutet, dem Leiter zu folgen. Nicht der Leiter ist für die Zuschauer das Vorbild. Der erste Nachfolger ist es! Er macht ganz konkret vor, was es heißt, dem Vorbild des Leiters nachzueifern. In diesem Fall: einfach mittanzen. Der erste Nachfolger übersetzt das Vorbild des Leiters in ein Vorbild, das für jeden passt: Er zeigt nicht nur auf, was zu tun ist, sondern auch, wie der Weg dahin aussieht.  
  2. Der Leiter macht als erstes etwas sehr wichtiges:  Er geht auf seinen ersten Nachfolger zu, nimmt ihn an den Händen und tanzt einen Augenblick mit ihm zusammen. Diese kurze Geste ist entscheidend. Damitbehandelt er seinen ersten Nachfolger öffentlich als Gleichberechtigten. Jetzt geht es plötzlich nicht mehr um den Leiter, es geht um „die da“.

Schritt 3

Der erste Nachfolger macht den nächsten wichtigen Schritt: Er lädt mit einer kurzen Handbewegung seine Freunde ein, mitzumachen. Dabei ist interessant: Er geht nicht zu ihnen und versucht, ihnen darzulegen, warum sie mitmachen sollten, welche Vorteile das hat und wie es ihr Leben verändern würde. Nein, er macht einfach weiter und winkt sie herbei. Alles andere würde den Freunden auch komisch vorkommen.

Es benötigt Mumm, der erste Nachfolger zu sein. Man  hebt sich von der Masse ab, macht sich selbst lächerlich und angreifbar, riskiert, von den Freunden abgewiesen zu werden. Aber Sivers sagt: Der erste Nachfolger zu sein ist eine stark unterschätzte Form der Leiterschaft. Erst der  Nachfolger macht einen einsamen Verrückten zu einem Leiter. Wenn der Leiter die Flinte ist, dann ist der erste Nachfolger der Zündfunke.

Schritt 4

Nun kommt der Wendepunkt: Ein zweiter Nachfolger kommt hinzu. Er ist nicht attraktiv, er hätte sich sicherlich nie als erster getraut, zu tanzen. Aber er hat eine entscheidende Aufgabe: Er führt den Beweis, dass der erste Nachfolger eine gute  Entscheidung getroffen hat. Jetzt tanzen  nicht mehr ein Verrückter oder zwei Verrückte, jetzt tanzt eine Gruppe. Und eine Gruppe unterliegt neuen Gesetzen: Die (noch) Außenstehenden sehen nicht mehr in erster Linie auf den Leiter, sondern auf die Nachfolger – und damit auf die Rolle, die auch sie einnehmen könnten. Nicht der Leiter erzeugt jetzt mehr neue Nachfolger, sondern die Nachfolger selbst tun es. Und damit wird eine Kettenreaktion ausgelöst.

Der eigentliche Leiter verliert ab sofort rapide an Bedeutung. Und das ist gut so. Denn eine Bewegung ist nicht stabil, wenn sie an einer Person hängt. Fällt diese Person, zerfällt sofort die ganze Bewegung. Deshalb hat Jesus so viel Wert darauf gelegt, Nachfolger zu haben und diese Nachfolger selbständig zu machen. Jesus hat seine Jünger nie an seine Anwesenheit gebunden, sondern hat sie in die Welt geschickt, hat sie experimentieren lassen, hat sie aus ihren Fehlern lernen lassen. Nur deswegen konnte die anfangs so kleine Flamme des christlichen Glaubens überleben, auch als Jesus nach seinem Tod bzw. seiner Himmelfahrt nicht mehr als vorzeigbarer Leiter der Bewegung fungieren konnte. Zu diesem Zeitpunkt hatte Jesus seine Mission aber bereits zu einer Bewegung gemacht, die von den Nachfolgern Jesu getragen wurde. Und nur so konnte sie sich ausbreiten. (War dies auch ein Grund, warum Jesus nur so kurz als Leiter und Rabbi aktiv war? Hätten sich die Jünger erst einmal an das Leben mit einem großen Leiter gewöhnt wäre es vielleicht (noch) viel schwerer für sie gewesen, das aufgenommene Bewegungsmoment zu erhalten und zu verstärken. Vielleicht wären sie nach 10 oder 20 Jahren mit Jesu Leiterschaft „in persona“ gar nicht mehr dazu fähig gewesen?) Wichtig erscheint mir also: Der Leiter darf sich nicht zu lange Zeit lassen, die Bewegung von ihm loszulösen und auf die Schulter seiner Nachfolger zu legen. Am besten fängt er sofort bei seinem ersten Nachfolger damit an – und macht ihn zum Mitstreiter.

Schritt 5

Auf unserer Tanzwiese gibt es ab jetzt kein Halten mehr. Immer mehr „Nachfolger“ strömen hinzu, nachdem der Damm gebrochen ist. Es ist jetzt nicht mehr „gefährlich“, mitzumachen. Lächerlich machen sich schnell nur noch die, die nicht tanzen. Die Bewegung entwickelt ihre eigene Anziehungskraft aus sich selbst heraus, die ursprüngliche Idee wird von der Bewegung selbst getragen.

Leiterschaft in der Kirche

Sicherlich können und müssen wir für die Frage nach Leiterschaft in der Gemeinde die Begriffe wie „Leiter“ und „erster Nachfolger“ aus diesem Beispiel erweitern: Oft gibt es ein Leitungsteam, das die ersten Schritte macht. Dazu sollten  wir nicht vom ersten und zweiten Nachfolger, sondern besser von der ersten und der zweiten „Generation“ von Nachfolgern reden.

Wie viele Gemeinden setzen alle Energie dafür ein, exzellente Leiter zu schulen und wundern sich, dass sie trotzdem nicht dauerhaft  wachsen? Da entstehen nach begeisternden Konferenzen blühende Arbeitszweige, aber wenn nach ein paar Jahren die Leiter gehen, schläft alles von heute auf morgen ein. Oder da rackert sich ein Leitungsteam ab und ein paar Engagierte dazu, aber die Gruppe will einfach nicht wachsen und neue Leute bleiben nicht lange.

Alles steht und fällt nicht mit der Fähigkeit des Leiters, sondern mit der Überzeugungskraft der Nachfolger. In der Kirche haben wir einen superfähigen Leiter, Jesus Christus: Charismatisch, überzeugend, mächtig. Warum sind die Kirchen nicht voll? Weil wir als Nachfolger nicht gut sind. Vielleicht sogar, weil wir selbst gerne die Leiter der Kirche sein wollen, statt anderen vorzuleben, wie man nachfolgt? Denn erst mit dieser Rolle werden wir vom Lehrer zum Vorbild, das die Menschen unserer Umgebung brauchen, um zu verstehen, was Christsein bedeutet.

Um nicht missverstanden zu werden: Wir brauchen in der Gemeinde gute Leiter, wir brauchen Leitungsstrukturen und wir brauchen Konferenzen wie die von Willow. Wir brauchen charismatische Figuren auf den Kanzeln und Bühnen, die Leute mitreißen, Säle füllen und Menschen im Glauben weiterbringen. Und jeder in verantwortlichen Positionen sollte an seiner Leitungskompetenz arbeiten.

Wenn wir aber alle Leiter wären, wäre das völlig ineffektiv. Der beste Weg, eine Bewegung zu erzeugen, ist es, couragiert nachzufolgen und anderen zu zeigen, wie man nachfolgt.

Am Ende macht also nicht unsere Leitungskompetenz den Unterschied, sondern unsere  Kompetenz in der Nachfolge. Auch das hat etwas mit Leitung zu tun – es ist aber eine andere Form, es ist eher das An-Leiten. Das verlangt nicht Leistung oder Perfektion, sondern Begeisterung und Echtheit. Das ist viel mehr Herz als Kopf. Viel mehr Leben als Argumentieren. Viel mehr Leidenschaft als Leiterschaft.

[Disclaimer: In dieser Analogie sind natürlich viele Aspekte der Entstehung und Stabilität einer Bewegung nur ungenügend berücksichtigt.]

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Kommentare

4 Kommentare auf "Follow me…: Leiterschaft ist überbewertet!"

  1. Peter Plüss says:

    Dieser Artikel, wegen Überbewertung der
    Leiterschaft, finde ich sehr interessant.
    Diese Gedanken sind entlastend,
    und stellen nicht den Leiter und den
    Menschen, in den Mittelpunkt.

    Da dran sollte weiter gearbeitet werden.

    Herzliche Grüsse Peter

    Antworten
  2. Jürgen says:

    guter Artikel, danke für die Überlegungen!

    Antworten
  3. jjh says:

    Guter Artikel, der aufzeigt, was wahre Leiterschaft bewirken sollte: Wahre Nachfolge.

    Antworten
  4. Jürgen says:

    Tja, Rolf, genau so ist es: wohin sollte auch jemand leiten, wenn er selbst nicht in der Richtung (=Nachfolge) unterwegs ist? Das wäre zumindest den zweiten Schritt vor dem ersten tun – oder sogar vollkommen überflüssig…

    Antworten

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