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Gott & das Handwerk: Pfiffige Imagekampagne

Das Deutsche Handwerk hat eine Imagekampagne gestartet – und bezieht sich dabei auf Großes: „Am Anfang waren Himmel und Erde. Den ganzen Rest haben wir gemacht“ berichten derzeit 12.000 Plakate in der ganzen Republik.

Die Idee: Ohne die kreativen Leistungen des Menschen (resp.: des Handwerks) wären wir noch in der Steinzeit. Unsere Zivilisation wäre nicht denkbar, wir würden mit Speeren und Äxten Tiere jagen (wobei natürlich auch Speere und Äxte schon Erträge von Handwerk sind). Dabei sticht eine angenehme Selbstironie hervor (wie vorzeiten bei der „alles außer Hochdeutsch“-Kampagne, die – wen wunderts – von der selben Agentur kam: Scholz&Friends).

Die Aussage „wir haben alles das gebaut, was Gott uns übrig gelassen hat“ – wenn man das Bibelzitat so verstehen will – beherbergt eine tiefe theologische Wahrheit: Gott hat uns die Welt geschenkt, wir aber sollen nun mit diesem Fundament arbeiten. Gott hätte freilich auch eine Fertig-Welt erschaffen können: Mit fertigen Häusern, fertig aufgebauten IKEA-Möbeln (mein Thema, grad) und Kühlschränken, die immer gefüllt sind. Am besten auch noch mit fix und fertigen Menschen – nicht immer dieses anstrengende Geborenwerden und Aufwachsen. Utopie Schlaraffenland.

Welchen Grund hatte Gott, das nicht zu tun und uns stattdessen harte Aufbau- und Entwicklungsarbeit anzuvertrauen? Warum hat er uns nicht ins gemachte Nest gesetzt? Am besten noch ganz ohne die Fähigkeit, etwas Falsches zu tun. So hätte es kein Leid in der Welt gegeben, keine Tränen, kein Versagen, keine Schuld. Alles happy. Alles Barbie.

Aber ist nicht genau das unsere Lebensaufgabe? Wir Menschen sind frei. Wir können selbst entscheiden und sind nicht fremdgesteuert. Ist Gott kein Tölpel – davon gehen wir aus -, dann hat er dies bewusst entschieden. Trotz des Risikos, dass wir versagen. Ich weiß, wir sind dabei oft hin- und hergerissen zwischen Protest und Dankbarkeit. Wäre nicht alles schöner, wenn es keine Probleme gäbe, denken wir. Ja, sagt der andere Teil in uns, aber wäre dann nicht wirklich alles Barbie? Unecht, puppenhaft, lieb-los?

Um nun zu lernen, Gutes von Bösem zu unterscheiden und klug zu handeln, müssen wir langsam wachsen, viel beobachten, Fehler machen, daraus lernen und dafür sorgen, dass unser Herz dabei nicht hart wird (dafür sorgt Gott mit seiner Liebe, wenn wir es zulassen). Wir lernen Schritt für Schritt, mit Rückschlägen und Erfolgen. Das gilt für das einzelne Baby auf dem Weg zum Erwachsensein genauso wie für die Menschheit insgesamt. Aber genau das bedeutet es eben, lebendig zu sein: unfertig, fehlerhaft, zerbrechlich. Aber auch gütig, leideschaftlich, würdevoll. Die Zerbrechlichkeit der Welt und damit das Leid, das uns alltäglich bedroht, sind der Preis der Freiheit. Wer möchte tauschen?

Die Jungs bei Scholz & Friends wussten vermutlich nicht, welche Wahrheiten sie da plakatieren. 🙂

Mit Dank an ideaBlog für den Hinweis, auch wenn idea das erwartungsgemäß etwas spaßfreier sieht… 😉

P.S.: Hier der Clip zur Kampagne (ohne den Bibelbezug):

Sollten das deine Freunde auch lesen? Teile es!

Kommentare

9 Kommentare auf "Gott & das Handwerk: Pfiffige Imagekampagne"

  1. theomix says:

    Gut, dass du es positiv deutest. Es ist dem glauben nicht gerade dienlich, bierernst an die welt (vor allem die welt der werbung) heranzugehen.

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  2. Christian B. says:

    In der Bibel heisst es „Im Anfang *schuf Gott* die Himmel und die Erde.“ Man mag nun viel drum herum reden und dabei viele tolle Gedanken entwickeln, aber genau darum geht es. Und genau diesen Punkt lässt die Kampagne – ich denke, auch bewußt – dann auch aus. Sorry, Spaß hin oder her, ich muss nicht alles gut finden, und inweit das pfiffig sein soll, erschließt sich mir nicht. „Pfiffig“ in diesem Sinne war der Teufel eben auch, als er die Bibel – wenn auch nur ein *ganz kleines bisschen* – verkürzt zitiert hat (vgl. Mk. 4, 9f.). Ebensowenig schulde ich dieser Kampagne Beifall, denke ich, und wer den Schöpfer verleugnet | verliert, hat ihn am Ende auch nicht. Na ja.

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    • Rolf Krüger says:

      Hallo Christian,

      glaubst du nicht, du würdest dich noch mehr beschweren, wenn sie geschrieben hätten:

      Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde, den ganzen Rest haben wir gemacht?“ 😉

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      • Christian B. says:

        Nee, glaube ich nicht. Es geht mir mitnichten darum, Haare zu spalten und mich anschließend künstlich aufzuregen oder so, entspräche solches auch möglicherweise gewissen Vorurteilen :-). Nur: von Gott (noch dazu als Schöpfer und damit auch als dem, dem wir verantwortlich sind) lesen *allenfalls* wir Christen etwas in dieser Kampagne, und zwar deshalb, weil wir Genesis 1,1 da implizit hineinlesen, wie auch Bendriver oder auch Du (was mir selbst natürlich auch so geht und ich deshalb prima verstehen kann :-).

        Jedoch: Im Text steht das so nicht.

        Dass Himmel und Erde irgendwann irgendwie da waren und „wir“ alles andere gemacht haben, wird auch jeder beliebige Atheist | Agnostiker blind unterschreiben. Und das ist und wird auch immer so sein, solange nur Gott – im Sinne von Schöpfer und somit auch Richter – aus dem Spiel bleibt. Aber genau da fängt es an.

        Ich guck mir also nun seit ca. zwei Wochen täglich und dank HVV und Rekordwinter durchaus auch dekaminutenlang dieses Plakat an und lese weiterhin überhaupt gar nichts Explizites von Gott darauf, allenfalls eine vage Anlehnung an 1. Mose 1,1, die zudem noch meiner eigenen „sozialisierten“ Interpretation entspringt. Nada.

        Weißt Du, was wirklich cool wäre? Eine Plakatwerbung mit Joh. 3,18 oder sowas. „Lustig wie ein Grab“ (Kettcar). Weniger geht im Ergebnis aber nicht, glaub ich?

        Aloha,
        — Ch.

        Befindlichkeitsfixiert 🙂

        Antworten
      • Susanne says:

        Mich irritiert an dieser plakativen Aussage vor allem der zweite Teil, „Den ganzen Rest haben wir gemacht.“ Dieser Egoismus zeigt sehr deutlich den Mainstream und entspricht ganz und gar nicht einem biblischen Lebensbild. Wir erleben immer mehr eine Pervertierung der Schöpfung und des Wortes (das Gott ist).

        Antworten
  3. bendriver says:

    Also ich finde diese Werbung auch toll – bringt sie doch Gott ins Gedächtnis/Gespräch vor allem für Menschen die keinen täglichen/regelmäßigen Umgang mit IHM haben. Vor allem junge Menschen haben doch gar keine regelmäßigen Gedanken an Gott, „rechnen“ in und für ihr Leben gar nicht mit IHM. Wenn sie und auch alle Anderen die dieses Plakat nun lesen ihre Gedanken genauso spinnen wie es Rolf Krüger getan hat – ja besser kann man doch gar nicht für Gott werben – evangelisieren.

    Ich finde das Plakat/diese Werbung toll – sie bringt den Gott an den ich glaube und dem ich jeden Tag versuche aufs neue zu Vertrauen ohne große Umschweife den Menschen in Erinnerung.

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  4. doubleU says:

    Liebe Leser,

    der besondere Pfiff entsteht dadurch, daß in der Werbung nur Genesis 1, Vers 1-10, noch dazu falsch, zitiert wird, anstelle der Verse 11-22 steht dann die Schöpfung durch das Handwerk. Simpel gesprochen handelt es sich in den Augen der gläubigen Christen und Juden um eine Verfälschung der Bibel – Warum? Himmel und Erde waren nicht einfach da. Vielmehr schuf aber laut der Bibel Gott Himmel und Erde, aber nicht nur Himmel und Erde, sondern nach 1. Mose auch Pflanzen, Tiere, und zuletzt den Menschen, worauf die Bibel besonderen Wert legt. Gerade der Mensch als geliebtes Geschöpf Gottes bezieht hierdurch eine besondere Würde, da er nach dem Abbild Gottes geschaffen wurde und Gott eine Beziehung mit ihm will. All dies wird bewußt oder ohne Absicht unterschlagen, ist aber entscheidende Grundlage für jeden Christen. Neben den Gaben, die Gott dem Mensch zur Verfügung stellt, als natürlichen Gaben, z.B. dem handwerklichen Geschick, gibt Gott berufenen Menschen besondere Gaben, die weit über das Handwerkliche hinaus reichen, dazu gehört die Gabe der Heilung, der Prophetie, die Erkenntnis von Gut und Böse, das Sprachengebet und dessen Auslegung. All diese Gaben sind nicht von menschlichem Ursprung und dienen dem Menschen in überragender Weise.

    Den Gedanken zu bezeugen, daß Gott mehr als der Schöpfer von Himmel und Erde ist und ein lebendiger Gott, davon soll das Zitat der Bibel Zeugnis ablegen, aber es sollte nicht zur Werbung für die natürlichen Gaben der Menschen mißbraucht werden. Das verkürzte und falsche Zitat (Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde) sagt dem Leser viel weniger, als Gott in seiner Liebeserklärung an alle Menschen sagen möchte.

    Gruß

    Euer doubleU

    Antworten
  5. Claudia says:

    Ich bin ob dieser Werbung etwas zwiegespalten. Zuerst war ich leicht schockiert, weil schon wieder die Bibel, die Religion für die Werbefuzzis herhalten muß (biblische und religiöse Bezüge in der Werbung aufspüren ist eine ziemlich spannende, aber oft an die Grenzen der Erträglichkeit führende Tätigkeit).
    Die Würdigung gerade dieses Plakates leuchtet mir andererseits ein. Abgesehen davon wird nicht für irgendwelche Überflüssigkeiten geworben, sondern für etwas ganz Elementares – das Handwerk.
    Ich bin weiterhin zwiegespalten, aber ich bin es nicht ungern. Das ist eine Form der Auseinandersetzung.
    Übrigens finde ich den kleinen „Katastrophenfilm“ herrlich.

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