Beim Wegbegleiter kam gestern ein Artikel über Samuel Harfst, einen frommen Künstler aus Hessen – richtig gute Musik. Unter dem Artikel entspann sich allerdings eine generelle Diskussion über die Qualität christlicher Musik.
Dabei ist mir eingefallen, dass ich mal in einem Wischns.de-Interview (kennt hier noch wer die Seite?) was dazu geschrieben habe und beim nochmal lesen muss ich sagen: Ich sehe das immer noch so. Was denkt ihr?
Was mir in der christlichen Musik fehlt sind zwei Dinge: der künstlerische Anspruch und Menschen, die die Scherben des eigenen Lebens gesehen haben. Das klingt vielleicht bizarr. Aber es ist mir einfach vieles viel zu glatt und steril, was uns musikalisch wie textlich in der christlichen Szene vorgesetzt wird. Viele säkulare Musik gibt mir da mehr für mein Leben als fromme.
Das ist jetzt ein wenig schwarz-weiß, aber man merkt einfach, ob jemand mit behütetem Elternhaus und Einser-Abitur Musik macht oder jemand, der weiß, wie Krisen schmecken, der ganz unten war und da Gottes Hilfe und die von Menschen erlebt hat. Das sind ganz andere Texte und meistens auch ganz andere Melodien: authentischer, reifer, bleibender. Musik eben, die Menschen nicht nur begeistert, sondern verändert.
Das heißt jetzt nicht, dass jeder, der nicht völlig verwrackt ist, keine Drogenkarriere und nicht mindestens einmal den Tod vor Augen hatte, kein guter christlicher Musiker wäre. Nein, beileibe nicht. Aber ich wünsche mir einfach mehr Musik, die aus dem Wissen heraus entstanden ist, dass ich vor Gott nicht mit Hochglanz, sondern nur mit Ehrlichkeit bestehen kann.
Ich denke alle christlichen Künstler würden das ebenfalls beteuern, wenn man sie fragte. Aber zwischen Theorie und Praxis ist eben ein Unterschied. Und mir ist jemand, der keinen perfekten christlichen Lebenslauf und Lebensstil vorweisen kann, dafür aber glaubwürdige Musik mit authentischen Texten macht allemal lieber als hundertmal zu hören wie gesalbt das Lamm und wie gekrönt Jerusalem ist (obwohl ich schon auch manchmal in seltenen Fällen gekrönte Jerusalems brauche…).
Samuel Harfst scheint mir übrigens nicht in die Kategorie „zu steril“ zu fallen 😉
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