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Die stumpfe Antisemitismus-Keule

An der aktuellen Diskussion um die angeblich antisemitischen Äußerungen deutscher Bischöfe ist ja besonders spannend, dass wieder einmal die hauchdünnen Nerven der jüdischen Verantwortlichen offenbar werden. Sobald jemand auch nur leise die israelische Position kritisiert und es die Möglichkeit gibt, die Antisemitismus-Keule zu schwingen, wird dies auch mit aller Heftigkeit getan.

Aus persönlicher Betroffenheit haben Gregor Maria Hanke und Walter Mixa die Situation in den Palästinensergebieten mit denen im Warschauer Getto verglichen. Bischof Mixa sprach sogar von israelischem Rassismus gegenüber den Palästinensern.

Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden, Graumann, echauffierte sich daraufhin sofort, der Vergleich zeuge von dem judenfeindlichen Versuch, „mit Hinweis auf Verbrechen der Nachfahren der Opfer die Taten der Nazis zu relativieren“. Er wirft damit unverfroren den deutschen Bischöfen vor, die Verbrechen des Dritten Reichs verharmlosen zu wollen. Der israelische Botschafter in Deutschland feuert Verurteilungen wie „moralisches Versagen“ hinterher. Und die Zentralratspräsidentin findet die Äußerungen „entsetzlich und völlig inakzeptabel“.

Entsetzlich ist dabei allerdings vor allem die frappante Reizbarkeit des offiziellen Israels samt allen zugehörigen Organen und Gremien. Gerade diejenigen, die als Anwälte der einstigen wie heutigen von Antisemitismus betroffenen Menschen eine besondere Umsicht walten lassen sollten, gebrauchen den Antisemitismus-Vorwurf inzwischen so inflationär, dass er stumpf geworden ist. Was ist Antisemitismus? Kritik an jüdischer Politik? Oder nicht vielmehr Ausgrenzung, Diskriminierung und Verfolgung von jüdischen Mitmenschen aufgrund ihrer Herkunft? Könnte es sein, dass Israels Offizielle deswegen so allergisch reagieren, weil ihre eigene Politik tatsächlich ähnliche Tendenzen aufweist wie das, was andere einst ihrem Volk angetan haben? Dass die Kritik also berechtigt ist – zumindest ansatzweise?

Ich möchte nicht falsch verstanden werden: Antisemitismus ist falsch – egal in welcher Ausprägung, egal ob Mobbing oder Mord. Und zum hundertsten Mal: ja, wir haben als Deutsche eine große Schuld auf uns geladen. Dachau war schlimm, Auschwitz war schlimm, Warschau war schlimm. Und natürlich sind Vergleiche mit den Schrecken des dritten Reichs immer irgendwie unglücklich.

Aber Nachkommen der Opfer zu sein ist trotzdem noch keinen Freibrief für die Unantastbarkeit der eigenen Politik, des eigenen Umgangs mit Anderen. Es gibt nicht das Recht, Kritikern sofort latente Mittäterschaft mit den Nazis vorzuwerfen. Und es gibt vor allem nicht das Recht, die Opfer im eigenen Volk herabzuwürdigen, indem man sie als Schutzschild für die eigenen politischen Interessen missbraucht.

Technorati-Tags: Antisemitismus, Zentralrat der Juden, Israel, Mixa

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Kommentare

Ein Kommentar auf "Die stumpfe Antisemitismus-Keule"

  1. A. says:

    danke, das ist für mich die Situation auf den Punkt gebracht!

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