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Demografie: Das christliche Familienbild und die Rente


„Kinder kriegen die Leute immer!“

Kondrad Adenauer hat diesen inzwischen legendären Spruch von sich gelassen. Kinder kriegen war selbstverständlich. Ein Politiker musste sich darum nicht kümmern.

Musste. Denn nun müssen wir es doch und trotz aller Bemühungen wird es laut Prognosen im Jahr 2050 mehr Über-80-Jährige als Unter-20-Jährige geben. Trotz Eltergeld. Trotz vermehrten Kindergartenplätzen. Trotz Vätermonaten.

Die Fakten kennen wir alle zur Genüge und sie werden in Artikeln und Fernsehsendungen wiedergekäut ohne Unterlass. Und dazu die Schuldzuweisungen: Für die Christen ist der Pillenknick und die laxe Abtreibungspolitik schuld, die Bequemlichkeit und die fehlende Verantwortung. Alle anderen schimpfen pauschal auf die Politik. Taugliche Lösungsvorschläge haben sie beide nicht.

Dabei wäre doch eigentlich alles so einfach: Wie bei den meisten Krankheiten dürfen wir unsere Zeit nicht mit der Linderung der Symptome verschwenden (was wir gerade fleißig tun), sondern müssen die Ursache beheben – sprich: das System ändern.

Und zwar in doppelter Hinsicht: Einmal brauchen wir echten Anreiz, Kinder zu bekommen (nicht nur eine Abspeisung mit Geld durch Gehaltsfortzahlung im Krankheitsfall Schwangerschaftsfall mit Benachteiligung gering verdienender Familien) und andererseits benötigen wir nichts weniger als eine Änderung der Gesellschaftsstimmung. Eine Kleinigkeit für eine engagierte Generation.

Letzteres kommt ja langsam in Schwung – jetzt gilt es, diese Entwicklung zu unterstützen. Und erstaunlicherweise sehe ich hier in erster Linie uns Christen in der Pflicht. Nicht so sehr weil wir etwas tun sollten. Nein, zunächst nur, weil wir etwas begraben sollten: Nämlich unsere traditionelle Rollenvorstellung, die wir für besonders christlich halten, die aber lediglich unserer mehrheitlich konservativen Grundstimmung entspringt.

Um es vorweg zu sagen: Ich habe überhaupt nichts dagegen, wenn Mütter oder Väter langfristig Zuhause bleiben. Die Zeit, in denen passionierte Vollzeitmütter schief angesehen werden, sollte möglichst bald vorbei sein. Mit einem biblischen Familiebild hat das aber nichts zu tun. Oder welche Frau im neuen Testament hat zuhause die Kinder gehütet und sich allein vom Partner ernähren lassen? Es war damals ganz selbstverständlich, dass die Frau zum Familieneinkommen beitrug – sei es durch Handarbeiten, die auf dem Markt verkauft wurden oder durch die Mitarbeit im landwirtschaftlichen Familienbetrieb. Erst mit der Zeit hat sich durchgesetzt, was viele heute für das „christliche Familienbild“ halten: Mann arbeitet, Frau erzieht die Kinder – und zwar Zuhause und in der Krabbelgruppe.

Wie gesagt: Es ist schön, wenn Eltern entscheiden (können), dass einer Zuhause bleibt und ganz für die Kinder da ist. Aber unsere Gesellschaft hat sich in den vergangenen Jahrzehnten so sehr darauf eingestellt, dass diese Rollenverteilung bis vor einigen Jahren nahezu fest zementiert war – und im Grunde immer noch ist. Die Umstände erlauben auch heute noch selten etwas anderes. Sei es wegen der fehlenden Möglichkeit zur Kinderbetreuung am Arbeitsplatz, wegen der unflexiblen Arbeitszeiten, wegen unkreativen Chefs oder auf Grund der fehlenden Großfamilienstruktur (Großeltern sind famose und hoch motivierte Babysitter, wohnen aber meist weit weg von ihren Enkeln).

Welcher Arbeitnehmer kann schon seinen Chef um zwei Monate Auszeit bitten, ohne dass alles in helle Aufregung gerät? Welche Mutter kann schon darauf zählen, dass die Kinder durch Oma und Opa versorgt werden, während sie einer Halbtagsarbeit nachgeht? Unsere Arbeit, unsere Gesellschaft ist so organisiert, dass für Kinder kaum Platz ist – immer noch.

Vor allem aber ist die Versorgung im Alter bis dato einzig und allein von der Erwerbstätigkeit zwischen 20 und 65 (bald 67) abhängig. Das ist fatal, weil jeder, der eine vernünftige Rente möchte, möglichst viel arbeiten muss – Vollzeit. Eine Babypause wirkt sich also nicht nur auf den aktuellen Portmonee-Inhalt aus, sondern auch auf die zukünftige Altersversorgung. Und das gleich doppelt: Denn eine Einverdienerfamilie kriegt nicht nur weniger Rente vom Staat, sondern hat auch noch weniger Geld für private Altersvorsorge zur Verfügung als Doppelverdiener.

Die umlagefinanzierte Rente (also die Idee, dass die heutigen Arbeitnehmer die Renten der heutigen Rentner bezahlen) hat Konrad Adenauer (ja, der mit dem Spruch!) 1957 gegen den scharfen Protest seiner Wirtschaftsberater eingeführt. Nicht aus Weitsicht, sondern um die CDU an der Macht zu erhalten (Rentner waren schon immer eher CDU-Wähler).

Das war ein Fehler. Aber aus diesem System auszusteigen ist hart. Denn wenn ab dem Stichtag X alle Arbeitnehmer nur noch für ihre eigene Rente bezahlen würden, hätten wir für die bestehenden Pensionäre eine Lücke von genau einer Generation, die aus allgemeinen Steuermitteln finanziert werden müsste – also wiederum von den Erwerbstätigen. Eine extreme Doppelbelastung. Diese Doppelbelastung hat man damals zugunsten des Wirtschaftswunders auf uns heute abgewälzt. Dankeschön, Konrad!

Aber geschehen ist geschehen. Es bleibt uns wohl nicht viel anderes übrig, als die umlagefinanzierte Rente am Leben zu erhalten – und zukunftsfähig zu gestalten. Wer das tun will, dem bleibt nichts anderes übrig, als die Auszahlung der Rente an die Beteiligung zum Erhalt der kommenden Generation zu knüpfen. Sonst fahren wir gegen die Wand.

So unpopulär das ist – es scheint mir die einzige Möglichkeit zu sein, dem aktuellen Dilemma zu entkommen. das Paar, das mit mindestens zwei Kindern dafür sorgt, dass seine eigene Rente finanziert wird, müsste später erheblich mehr aus der Rentenkasse beziehen als diejenigen, die das nicht tun. Egal, ob willentlich oder unfreiwillig, denn auch wenn diese Situation für ungewollt kinderlose Paare sehr schmerzlich ist, so bleibt ihnen doch nüchtern gesehen gerade dadurch mehr finanzielle Freiheit für eine private Altersvorsorge. Eltern mit Kindern dagegen investieren in ihre Kinder – und damit in die Zukunft.

Gleichzeitig müssen aber auch die Möglichkeiten weiter verbessert werden, Familie und Beruf zu verbinden. Ohne das lassen sich zu wenig moderne Menschen davon überzeugen, sich auf das Abenteuer Kind einzulassen. Oft beobachte ich jedoch, dass sich gerade Christen hier zum Bremser berufen fühlen. Sie glauben, besagtes „christliches“ Familienbild gegen den Ansturm von Bolschewisten und Hippies verteidigen zu müssen, die „Mutter-muss-für-die-Kinder-da-sein“-Ideologie gegen Anarchie und Patchwork-Chaos.

Dabei sind diese Feindbilder längst Vergangenheit und geistern nur noch in unseren Köpfen als Antagonisten unserer heilen Familien-Welt herum. Denn längst haben auch die Alt-68er (und vor allem deren Kinder) gemerkt, dass Liebe nur mit Treue und Familie nur mit genug Zeit für den Nachwuchs einhergehen kann. Wären da nicht die erwähnten vermeintlich christlichen Ideale und die eherne Verbindung zwischen Arbeit und Rente (festbetoniert in unseren momentanen Arbeitsbedingungen), so würden die Demographiekurven der Statistiker schon jetzt ganz anders aussehen.

Müssten wir Christen nicht hier die Vorreiter sein? Uns liegt doch die Familie am Herzen! Und eine nachhaltige Generationenpolitik. Dazu ist aber nötig, nicht nur nach mehr Förderung für die Familie mit klassischer Rollenverteilung zu schreien, sondern positiv auf ein familienfreundliches Gesamtklima in der Arbeitswelt und allgemein der Gesellschaft zu wirken. So dass sich eine Schwangere, die ein halbes Jahr Babypause machen und dann wieder in den Beruf einsteigen möchte, sich nicht gegen den Chef und die eigene Gemeinde verteidigen muss, sondern diese Entscheidung von beiden getragen, ja gewürdigt wird. So dass es kein Manko bei der Stellensuche mehr ist, eine junge Frau im gebärfähigen Alter zu sein, sondern Chefs gerne junge (potentielle) Mütter einstellen, weil sie deren Erfahrung, Sozialkompetenz und Persönlichkeit schätzen. Es ist alles eine Frage der Arbeitsorganisation – und des Weltbildes.

Wenn wir es wagen, uns ein wenig von unseren Windmühlen zu befreien, gegen die wir oft noch kämpfen, dann gäbe es mächtige Vorkämpfer für eine neue, familienfreundliche und zukunftsfähige Gesellschaftsordnung – uns Christen. Und wenn dann die Politik noch bereit wäre, unser überkommendes Rentensystem wirklich umzubauen (und wir diese Veränderung mittragen würden), dann hätte ich Hoffnung für die demografische Zukunft unseres Landes. Wohlgemerkt: Hätte.

Technorati-Tags: Demografie, Rente, Familie

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Kommentare

3 Kommentare auf "Demografie: Das christliche Familienbild und die Rente"

  1. Simon says:

    Vielen Dank für die Gedanken. Ich schätze deine sehr fundierten Beiträge und dieser Blog entwickelt sich für mich zu einem absoluten Favoriten.

    Antworten
  2. Rolf Krüger says:

    Danke für die Blumen 🙂

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  3. Matthias says:

    Ich kann mich Simon nur anschließen!

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