Ich empfinde den heutigen Tag als einen traurigen für unser Land. 😢 Ich hoffe sehr, die ersten Sätze von AfD-Spitzenkandidat Gauland werden nicht programmatisch sein für die Stimmung in unserer Gesellschaft in den nächsten vier Jahren: „Wir werden sie jagen, jagen, jagen!“ rief er seinen jubelnden Anhängern zu – und meinte zwar die Regierung; aber diese aggressive Sprache zog sich ja schon durch viele AfD-Äußerungen von Kandidaten und Plakaten.
Mir scheint, was wir jetzt brauchen ist der klare Wille von möglichst vielen Menschen, auf die Aggression freundlich, aber bestimmt zu reagieren. Lasst uns Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung aufgrund von Herkunft, Hautfarbe, Geschlecht, Glaube, sexueller Identität oder sexueller Orientierung und alle anderen Angriffe gegen die Menschenwürde klar zurückweisen. Aber ohne uns selbst von dieser Aggression anstecken zu lassen. Das scheint mir eine der wichtigsten Herausforderungen für die kommende Zeit.
Jesus hat uns gelehrt, wie das geht: Dem Hass mit Liebe zu begegnen. Mit Vergebung. Mit Versöhnung. Ihn können wir zum Vorbild nehmen, von ihm können wir lernen, wie das ganz konkret geschehen kann. Das ist nicht so einfach, aber es kann gelingen! Unsere vornehmste Aufgabe als Christen scheint mir nun also die, die es schon immer war (nur vielleicht haben wir jetzt wieder etwas Feuer unterm Hintern): Die Liebe, die Jesus gelebt hat, selbst zu leben, den Menschen um uns herum von ihr zu erzählen und sie zum Mitmachen einladen. Bei der Liebe, die alle umarmt, die versöhnt, die zum Guten verändern will, die Freiheit schenkt und Verbundenheit ermöglicht, ohne gefangen zu nehmen. Und die Zwietracht heilt. Aber die Unrecht auch beim Namen nennt, entlarvt und sich dagegen stemmt.
Auch durch Kirchen und Gemeinden wird ein Riss gehen – auch in Kirchen und Gemeinden haben Menschen AfD gewählt. Vermutlich ebenfalls um die 13%. Lasst das nicht unsere Gemeinden zerreissen, tut es den Populisten nicht gleich und geht ebenfalls auf Hetzjagd! Aber verschweigt es auch nicht. Redet miteinander. Versucht die Gründe herauszufinden, warum sich Menschen auf Rechtspopulisten einlassen. Predigt über die Gefahren, die Nationalismus und Rassismus bergen. Und über das Unrecht, das Fremdenfeindlichkeit bewirkt. Versucht zu verstehen und werbt um Verständnis. Aber steht auf, wenn Gottes Werte und des Menschen Würde verletzt werden. Wirkt hin auf Versöhnung, ohne Eierkuchen zu backen.
Die kommenden vier Jahre werden bedeutend für unser Land: Wird eine AfD im Parlament das gesellschaftliche Klima vergiften? Kommt die AfD bei der nächsten Wahl gar an die Regierung? Oder schaffen wir es, ein Land der Vielfalt zu bleiben, das jedem und jeder die Freiheit schenkt, sein Leben zu leben in Respekt vor der Freiheit des anderen? Ein Land, das solidarisch ist mit den Schwachen und Benachteiligten? Das Kreativität fördert und seinen Kindern Weitblick vermittelt? Schaffen wir es, ein Land zu bleiben, in dem die Würde des Menschen unantastbar ist?
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