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Günter Grass: Nach dem Sturm

Langsam ebbt der Sturm um das vorösterliche Gedicht von Günter Grass ab und es kommen auch die weniger vulkanartig veranlagten Kommentatoren zu Wort. Wer es nicht schon an dem medialen Erdbeben bemerkt hat, der kann jetzt von immer mehr Seiten die Erkenntnis hören, dass die Zeilen des Querdenkers durchaus ihren wahren Kern haben. Vielleicht übertrieben – das will ich nicht beurteilen. Aber klar ist: Würde er mit seinen Worten gänzlich daneben liegen, hätten sich weit weniger Leute zu derart harschen Reaktionen hinreissen lassen.

Lange habe ich überlegt, was ich zu Grass und seinem Gedicht schreiben soll. Jetzt habe ich einen Blogbeitrag von „Alien in Europe“ gefunden, der ziemlich genau trifft, wie ich dazu empfinde – also spare ich mir mal meine eigenen Worte und verlinke den Artikel einfach hier. 🙂

Wer Grass‘ Replik auf die Kritik im Original sehen will, kann das hier tun. Und auch interessant: Dieser WDR-Kommentar, in dem Grass für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen wird.

 

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Kommentare

14 Kommentare auf "Günter Grass: Nach dem Sturm"

  1. uli says:

    Natürlich ist die Behauptung Grass sei ein Antisemit unsinnig, weil nicht verifizierbar. Das kann nur Grass selber wissen, ob aus seiner Vergangenheit als junger Mensch zu heute eine Verbindung besteht. Ich würde ihm das keinesfalls unterstellen wollen.
    Ich habe aber beobachtet, dass die allermeisten Reaktionen auf Grass Gedicht gerade diese Antisemitismus nicht benutzt haben. Das es immer Gegenbeispiele gibt ist normal. Manchen Juden würde ich auch noch eine besondere Befindlichkeit zugestehen.
    Ich denke auch Grass die in Israel als unerwünschte Person zu deklarieren finde ich nicht schlau, ist aber auch in Israel sehr umstritten und hat wohl viel mehr innenpolitische Gründe. In Israel selber sind ja noch viel schärfere Kritiken an der eigenen Regierung an der Tagesordnung.
    Grass finde ich aber inhaltlich einfach daneben, im intellektuellen Gewande, aber dümmlich:
    – Auch wenn Israel selber Atommacht ist (wie auch Indien und Pakistan), so hat Israel doch überhaupt nicht vor das iranische Volk auszulöschen. Sondern es geht nur darum, dass Israel verhindern will, dass Iran eine Atombombe fertigbekommt und im Notfall dagegen auch militärisch vorgehen würde, Im Gegensatz dazu hat Irans Präsident ja angekündigt, dass er Israel vernichten will. Dann verstehe ich sehr wohl, dass Israel verhindern will, dass er dazu in die Lage kommt. Sich da auf USA, UNO oder andere zu verlassen ist wohl zu leichtsinnig,
    – Grass Unterstellung man dürfe Israel in Deutschland nicht kritisieren ist absolut falsch. Diese ´Diskussion gibt es in Deutschland spätestens seit der 68er Bewegung.Vor allem in politisch eher linken Kreisen (siehe auch die vergangenen Ostermärsche). Die Palästinenser zu kritisieren ist oftmals schwerer oder z.B. auf die Probleme einer Zweistaatenlösung hinzuweisen.
    Von daher behauptet Grass hier gäbe es Redeverbote, die es gar nicht gibt. Das ist der eigentliche Skandal.
    – Was steckt bei Grass dahinter? Nur, weil man ein Querdenker ist, kann man trotzdem auch Blödsinn reden. Vielleicht will er sich mal wieder ins Gespräch bringen? Ich weiß es nicht. Einen wahren Kern kann ich auf jeden Fall nicht erkennen, Es ist einfach traurig, dass so ein sachlich schlechter Artikel so eine Aufmerksamkeit bekommen hat.

    Antworten
    • Wolfram says:

      Dem wäre noch hinzuzufügen, daß, wer den iranischen Staatschef als „Maulheld“ abtut, dringendst „Biedermann und die Brandstifter“ meditieren sollte.
      Aber Hitler wurde ja auch lang genug für einen Maulhelden gehalten…

      Antworten
  2. Alien59 says:

    Danke für’s verlinken und den freundlichen Kommentar hier. Es kann sein, dass ich den Artikel im Laufe des Tages noch ergänze, da ein Kommentar in einem Blog zum Thema beim Freitag die überzogene israelische Reaktion noch in einem anderen Zusammenhang sah. Bin grade am Suchen.

    Antworten
  3. Stefan says:

    Hallo Rolf,

    nachdem ich mich in letzter Zeit öfters mit großem Interesse Deinen Blog gelesen habe, dem ich viele Gedankenanstöße verdanke, bin ich über diesen Eintrag doch ziemlich irritiert.

    Du schreibst: „Aber klar ist: Würde er mit seinen Worten gänzlich daneben liegen, hätten sich weit weniger Leute zu derart harschen Reaktionen hinreissen lassen.“

    Du meinst also, alleine die Tatsache, dass es einen großen Aufschrei gibt, beweist schon, dass der „Verursacher“ Recht hat? Ich glaube, uns Beiden fallen genügend Beispiele ein, wo die anschließende Empörung mehr als verständlich und berechtigt war… Sei mir nicht böse, aber dieses Argument halte ich für ziemlich schwach…

    Nun spiegelt also „Alien in Europe“ Deine Meinung wieder, so dass ich gerne Auszüge davon hier zitieren möchte.

    „[B]edarf es des Mutes, Israel in Deutschland hart zu kritisieren. Viel einfacher und sicherer ist es, Israel in Nibelungentreue beizustehen, egal, ob man Publizist, Literat, Kanzlerin oder einfacher Blogger ist.“

    Ist das wirklich so? „Israelkritik(er)“ ist im alltäglichen deutschen Wortschatz ein inzwischen fest verankerter Begriff. Vom Begriff „Sudan-„, „Kongo-„, „China-“ oder „Syrienkritik“ habe ich bislang nichts gelesen. Ebenso fällt der Begriff „Existenzrecht“ m.W. ausschließlich im Zusammenhang mit Israel. Deutsche Politiker äußern sich aus gutem Grunde kaum zur Innenpolitik anderer Länder, das ist in Israels Falle anders.
    Schau‘ Dir doch einmal die Kommentarspalten der Online-Zeitungen an – kaum ein Thema ruft so viele User auf den Plan wie Israel. Und nicht selten müssen die Kommentarfunktionen abgeschaltet werden, weil der Hass dort nur so trieft. (Nebenbei: Gib mal in die Foren-Suchfunktion auf „Deinem“ Jesus.de die Begriffe „Kongo“, „Syrien“, „Sudan“, „China“ und schließlich „Israel“ ein – und setze das mal in Proportion mit den von den jeweiligen Konflikten betroffenen Menschen und ferner mit der betroffenen Fläche. Welches Problem haben die Menschen eigentlich mit einem Land, das immerhin halb so groß wie die riesigen Niederlande ist?

    „Israel hat seit Jahren Atombomben. Sanktionslos.“
    Zunächst: Diese Aussage ist nicht bewiesen, auch wenn natürlich vieles dafür spricht.
    Es gibt übrigens einige andere Staaten, die ebenfalls „sanktionslos“ Atomwaffen besitzen. Dass dies Israel angeblich oder vermutlich schon mehrere Jahre oder gar Jahrzehnte tut, ohne bislang auch nur mit A-Waffen gedroht zu haben (eben weil man durch die nukleare Ambiguität schon viel Unheil verhindern (!) konnte), kann einen evtl. sogar zu dem Schluss verleiten, dass man in Israel recht verantwortlich und vernünftig mit den A-Waffen umgeht. Egal, ob nun eine linke oder vermeintlich „ultranationalistische“ Regierung an der Macht ist…

    „Iran ist noch am Bau der Atomkraftwerke – und wird ständig weiter in die Enge getrieben, noch dazu von Israel – und nicht nur von Israel – mit Krieg bedroht.“

    Ach ja, der arme, friedliche Iran, der ständig völlig unverschuldet weiter in die Enge getrieben wird… So weit übrigens, dass das deutsche Außenhandelsbilanz mit dem Iran trotz Sanktionen in den letzten Jahren immer mehr gestiegen ist.
    Nebenbei bemerkt, gibt es die „offiziellen“ Kriegsdrohungen Israels erst seit wenigen Monaten. Bis dato hat man sich jahrelang auf die internationalen diplomatischen Bemühungen verlassen. Und wenn man Netanjahu mal zuhören würde, anstatt ihn immer nur zu verteufeln, hätte man vielleicht mitbekommen, dass er mehrmals sagte, dass glaubhafte militärische Drohungen Kriege grade verhindern können…

    „Deutschland, das eigentlich keine Waffen in Krisengebiete liefern darf, verkauft (subvenitoniert [sic!]) ein weiteres U-Boot an Israel, mit dem man Iran noch besser angreifen könnte. Aber wer das kritisiert, ist dann ein Antisemit.“
    Mal davon ab, dass der Autor von Militär etc. nicht all zu viel Ahnung hat: Es ist schlicht eine gemeine Lüge, dass jeder, der Waffenlieferungen an Israel kritisiert „Antisemit“ sei. Es gibt genügend deutsche Politiker, die sich gegen Waffenlieferungen an Israel gestellt oder diese zumindest verzögert haben – und von denen wurde keiner (von ernstzunehmender Seite) als Antisemit verunglimpft.
    Rolf, Du kritisierst „vulkanartige Reaktionen“ auf Grass‘ „Gedicht“ – und machst Dich dann selbst mit solch billiger „Rhetorik“ gemein?

    „Was jedoch, von der typisch deutschen Debatte ganz abgesehen, Grass noch mehr rechtfertigt, ist die Reaktion der israelischen Regierung: wüste Beschimpfungen, Einreiseverbot und nun die – mit Verlaub gesagt, dämliche – Forderung, ihm den Nobelpreis abzuerkennen.“

    Wie eine Re-Aktion die vorausgegangene Aktion rechtfertigen kann, sei mal dahin gestellt. Ebenso sind mir keine „wüsten Beschimpfungen“ seitens der israelischen Regierung bekannt. Das Einreiseverbot ist wirklich eine populistische Tat eines „Maulhelden“, wenn die Sache auch ein wenig komplexer ist, als allgemein kolportiert. Allerdings: Welche Regierung hat keine populistischen Dampfnudeln in ihren Reihen?
    Auch die Forderung nach Aberkennung des Nobelpreises ist populistisch. Die Forderung, ihm den Friedensnobelpreis zu verleihen, aber mindestens ebenso bizarr.

    „Der Verweis darauf, dass Grass als 17-jähriger bei der Waffen-SS gedient habe, mit dem Ziel, ihn als Alt-Nazi darzustellen, ist historisch blödsinnig, unehrlich“

    Es war wohl eher die Tatsache, dass „die moralische Autorität“ Grass so lange über seine SS-Vergangenheit geschwiegen hat, die seinen Kritikern im Zusammenhang mit dem Gedicht sauer aufstieß.

    „und wer das tut, sollte sich mit der Lebensgeschichte und dem Handeln seiner Kritiker befassen, vor allem den vor Wut schäumenden israelischen Ministern. Die haben alle mehr Menschenleben (von Zivilisten) auf dem Gewissen als Grass haben könnte – und sie waren dafür auch wirklich verantwortlich.“

    Nun waren es freilich nicht nur Israelis, die auf Grass‘ Vergangenheit hingewiesen haben. Und die militärischen Aktionen Israels mit denen der Waffen-SS zu vergleichen, spricht für sich.

    „Vernünftigere Reaktionen und Kritik las ich in der – in Deutschland meist nicht beachteten – israelischen Presse und Bloggerszene. Vor allem Gideon Levys Artikel sollte sich mancher in Deutschland gut durchlesen“

    Nun zitiert „Alien in Europe“ ausgerechnet aus „HaAretz“, also der Zeitung, die ständig von deutschen Medien im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt zitiert wird. Freilich bezweifle ich, dass Gideon Levy für die große Mehrheit der israelischen Bevölkerung spricht. Braucht also „Alien in Europe“ wieder einmal den berühmten jüdischen bzw. israelischen Kronzeugen? Schaut so aus, findet sich in den Zeilen doch wieder einmal eine Gleichsetzung von Israel und den Nazis. Der zweite in dem Post. Sieh mir den Sarkasmus nach, aber gut, dass wir Grass und seine Helfer haben, die darauf aufpassen, dass die Juden etwas aus Auschwitz lernen.

    Schon wieder steht ein Machthaber auf, der die Juden auslöschen will, schon wieder wird der Judenstaat als alleinige Gefahr für den Weltfrieden dämonisiert – und Du hast nichts empathischeres zu tun, als Dich mit einem Blogeintrag gemein zu machen, der nun auch noch Israel mit den Nazis vergleicht?

    Viele Grüße,
    Stefan

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    • Rolf Krüger says:

      Hallo Stefan,

      vielen Dank für deine Zeilen und die Blumen am Anfang 🙂

      Offensichtlich lesen wir beide besagten Blogeintrag unterschiedlich. Ich finde keine Nazivergleiche (allenfalls die Tatsache, dass sich Gideon Levy von eben einem solchen distanziert). Und ich sehe die subtile Ironie in manchen Passagen, die vielleicht einiges, was dich an dem Text abstößt, in seiner Wirkung relativiert.

      Im übrigens habe ich gar nicht gesagt, dass der Text meine Meinung widerspiegelt, sondern dass er ziemlich genau trifft, wie ich empfinde. Das ist ein Unterschied, weil die ganze Diskussion wie mir scheint weniger mit Meinung als mit Emotion zu tun hat. Und die haben die Eigenschaft, dass sie Themen manchmal unnötig aufheizen. Deshalb wird vielleicht das Thema immer mit solch einer Schärfe geführt.

      Liebe Grüße,
      Rolf

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      • Stefan says:

        Hallo Rolf,

        bitte, bitte 😉

        Zunächst: Ich habe mir den Blogeintrag – auch gegen mein eigenes Verständnis – noch einige Male durchgelesen. Die subtile – und v.a. relativierende – Ironie ist mir leider noch immer nicht ganz aufgefallen. Aber ich bin für Hinweise zum besseren Verständnis des Blogs (resp. Deiner Lesart) offen und dankbar 😉

        Die erste NS-Gleichsetzung lese ich in Aliens folgenden Zeilen:
        „Der Verweis darauf, dass Grass als 17-jähriger bei der Waffen-SS gedient habe, mit dem Ziel, ihn als Alt-Nazi darzustellen, ist historisch blödsinnig, unehrlich – und wer das tut, sollte sich mit der Lebensgeschichte und dem Handeln seiner Kritiker befassen, vor allem den vor Wut schäumenden israelischen Ministern. Die haben alle mehr Menschenleben (von Zivilisten) auf dem Gewissen als Grass haben könnte – und sie waren dafür auch wirklich verantwortlich. Im Gegensatz zu einem 15-jährigen, der zuerst zur Flak geschickt und dann eine Waffe in die Hand gedrückt bekam.“

        Zunächst wäre es in der Tat vermessen, Grass alleine deswegen zu verdammen, dass er als 17-Jähriger in der SS war. Diese Aussage alleine hätte ich als Kritik an Grass‘ Kritikern absolut ok gefunden. Dass der Hinweis auf Grass‘ dunkle Vergangenheit erstens längst nicht nur von israelischen Ministern kam und Alien, zweitens, meint, dass (n.b. sämtliche?!) israelische Minister quasi mehr Dreck am Stecken haben, weil durch ihre Entscheidungen schon unschuldige Zivilisten ums Leben gekommen seien, als ein (wenn auch nur bedingt mündiges) Mitglied der SS, geht für mich zumindest in eine „merkwürdige“ Richtung der moralischen Äquidistanz (bestenfalls!). Möglich, dass ich hier etwas in den „falschen Hals“ gekriegt habe. Aber ich hoffe, Du kannst meinen Gedankengang zumindest nachvollziehen.

        Was nun Levy angeht, weist dieser zwar i.d.T. Saramagos Vergleich Palästinensergebiete-Auschwitz zurück, meint aber, dass man folgende Bemerkung Saramagos beherzigen sollte: “Living under the shadow of the Holocaust and expecting forgiveness for everything they will do in the name of their suffering seems coarse. They have learned nothing from the suffering of their parents and their grandparents.”
        Auch hier gut möglich, dass wir diesen Satz Saramagos unterschiedlich interpretieren. Es ist ja häufig der Ton, der die Musik macht. Nun gibt der eingangs von Levy erwähnte Auschwitz-Vergleich Saramagos für mich quasi den Grundton der anschließend von Levy zitierten Bemerkung vor, und dieser Grundton klingt in meinen Ohren unerträglich (ebenso wie andere Aussagen Saramagos über Israel *und* die Juden, die in die gleiche, m.E. perverse Richtung gehen).
        Darüber hinaus sagte Saramago m.W. im gleichen Zitat noch, dass Juden nicht mehr länger Sympathien für ihre Leiden während des Holocausts verdienen (http://www.biographybase.com/biography/Saramago_Jose.html). Das hat Levy anscheinend wohlweislich weggelassen…

        Leider verstehe ich hier nicht so ganz Deine Unterscheidung zwischen Deiner Meinung und Deiner Empfindung. Magst Du mir das noch erklären?

        Liebe Grüße,
        Stefan

        Antworten
        • Rolf Krüger says:

          Hi Stefan,

          hm, also beim ersten kann ich keinen klassischen Nazivergleich erkennen – aber du hast das schon selbst etwas relativiert.

          Zu Levy: Ich habe das Gefühl, genau die Tatsache, dass man so etwas nicht sagen darf, ist das, wogegen sich Grass wendet. Kann das sein? (Den Zusatz, den du auf der von dir verlinkten Seite hast , will ich nicht beurteilen – er ist aus dem Zusammenhang gerissen und man müsste ihn im größeren Kontext einordnen).

          LG,
          Rolf

          Antworten
          • Stefan says:

            Hallo Rolf,

            ich möchte „Alien in Europe“ bestimmt nicht zu Unrecht unlautere Motive unterstellen – deswegen mein Eingeständnis, dass selbst ich mal was falsch verstehen kann ;-).
            Doch jetzt kommt das Aber: Die Sorge, die viele von Grass‘ Kritikern haben (mich eingeschlossen), ist ja grade die, dass der alte Wein nun eben nicht mehr in den „klassischen“ Schläuchen daher kommt, sondern in neuen.

            Um nicht aneinander vorbei zu reden, müssten wir vielleicht noch einmal genauer klären, was hier mit „*so etwas* nicht sagen dürfen“ gemeint ist:
            Israelkritik allgemein? Dass Israel einen Genozid, gar einen Weltkrieg plant (Grass)? Dass die Israelis genauso schlimm wie die Nazis sind (Saramago) und nichts aus dem Leid ihrer (Groß-) Eltern gelernt hätten (ebd)?

            Da Israel in Deutschland tagtäglich kritisiert wird wie kaum ein anderes Land, ist das vermeintliche Tabu, Israel zu kritisieren, bestenfalls ein Klischee. Oder eben ein sich selbst auferlegtes Tabu.
            Außerdem: Was wäre denn die „Strafe“ dafür, wenn man das sagt, was Grass‘ et al. meinen, nicht sagen zu *dürfen*? Zumal: Er hat’s ja jetzt gesagt, ebenso wie andere Dinge à la „gleichgeschaltete Meinung“ oder: Israel erinnere ihn aufgrund des Einreiseverbots an die DDR (huch, schon wieder erinnert ihn Israel an die deutsche Vergangenheit…). Und, was ist nun geschehen, was ist seine Strafe? Außer dass nun ganz Deutschland über ihn und seine Thesen diskutiert – also genau das tut, was er beabsichtigt haben dürfte?
            Zu Deiner Bemerkung in Klammern: Öhm, also meine „Quelle“ reißt Deiner Meinung nach da was aus dem Zusammenhang – was aber macht Levy dann? 😉 Oder aber ist sein Verweis auf Saramagos Auschwitz-Vergleich doch der Kontext, in dem auch das Zitat zu lesen ist? 😛

            Liebe Grüße,
            Stefan

            Antworten
  4. Pasquale says:

    Ich finde es einfach traurig, dass Grass sich auf seine alten Tage so dermaßen in die, pardon, Scheiße reiten musst. Hätte er nur die Klappe gehalten, er wäre ein Philosoph geblieben 😉

    Antworten
  5. Christian Döring says:

    Was wäre eigentlich geschehen, wenn Grass nicht Israel sondern irgend ein anderes Land beim Namen genannt hätte? Womöglich die USA? Der Aufschrei wäre nicht einmal halb so groß geworden.

    Ich finde diesen Zirkus lächerlich. Grass die Einreise zu verweigern ist dümmlich, aber vielleicht vermögen die politisch Mächtigen nicht anders zu reagieren. Grass bleibt da in guter Gesellschaft, auch der deutsche Entwicklungshilfeminister darf nicht nach Israel einreisen. Sein Verbrechen war damals, dass er sich mit Palästinensern getroffen hat.

    Grass kann sagen was er will, wir können inhaltlich darüber diskutieren bis die Köpfe qualmen, aber wir alle haben Meinungsfreiheit und darüber sollten wir uns freuen und in Diskussionen nicht immer gleich mit Supergeschrei und Ausgrenzung reagieren.

    Antworten
    • Stefan says:

      Hallo Christian,

      es ist wahrscheinlich nicht in Rolfs Sinne, wenn aus seinem Kommentarbereich ein Diskussionsforum wird. Da ich aber denke, dass meine (kurzen) Anmerkungen zugleich helfen, meine Kommentare oben noch besser nachvollziehen zu können, hoffe ich, meine vier Gedanken zu Deinem Kommentar sind gestattet 😉

      1) Was wäre eigentlich geschehen, wenn Grass nicht Israel sondern irgend ein anderes Land beim Namen genannt hätte? Womöglich Syrien, Kongo, Sudan, China, Nigeria, … ?

      2) Der Aufschrei war nicht deshalb so groß, WEIL er Israel kritisiert, sondern WIE er es getan hat.

      3) Deine Behauptung, dass Dirk Niebel nicht nach Israel einreisen dürfe, ist falsch. Niebel durfte 2010 nur nicht in den Gaza-Streifen (Israel untersagt m.W. allen ausländischen Regierungsvertretern die Einreise nach Gaza). A propos Dirk Niebel: Der sagte vorgestern doch tatsächlich: „Auch wenn manche Leute glauben, Einreiseverbote würden nichts bringen, bin ich der Ansicht: Israel hat jedes Recht der Welt, ehemalige SS-Leute nicht ins eigene Land zu lassen“
      (http://www.lvz-online.de/kultur/news/guenter-grass-behaelt-nobelpreis-debatte-um-spd-wahlkampf/r-news-a-132558.html). Niebel weiß anscheinend, dass das Einreiseverbot für Grass nicht erst seit ein paar Tagen besteht, sondern seit Bekanntwerden seiner SS-Vergangenheit. Aus diesem Grunde müssen auch alle deutschen Staatsbürger, die vor 1928 geboren worden sind, vor ihrer Abreise nach Israel ein Visum beantragen (http://www.auswaertiges-amt.de/sid_1D1646B17CB257EEA5C15BE65A0404E3/DE/Laenderinformationen/00-SiHi/IsraelSicherheit.html?nn=341284#doc341258bodyText2).

      4) „Grass kann sagen was er will, wir können inhaltlich darüber diskutieren bis die Köpfe qualmen, aber wir alle haben Meinungsfreiheit und darüber sollten wir uns freuen und in Diskussionen nicht immer gleich mit Supergeschrei und Ausgrenzung reagieren.“

      Soll heißen, Israel darf man in den schrillsten Tönen kritisieren, Grass aber nicht?

      Viele Grüße,
      Stefan

      Antworten
  6. uli says:

    Ich finde es auch Klasse, dass wir so eine Meinungsfreiheit haben, keine Frage.
    Es ist nur, wenn man so eine moralischen und intellektuellen Anspruch setzt, wie Grass, sollte man auch bereit sein sich Kritik gefallen zu lassen.
    Dass das Einreiseverbot populistisch ist, wurde schon oft genug gesagt. Es ist aber sehr schade, dass Grass überhaupt nicht auf die sehr wohl vorhandenen Argumente seiner Kritiker nicht eingeht, sondern nur beleidigt mit ebenso populistischen Behauptungen aufwartet, wie dem DDR Vergleich.
    Israelkritik ist in Deutschland schon lange möglich, in den 80er Jahren waren die schwarzweißen PLO Tücher schon ein Markenzeichen, Arafat war der Star.
    Umgekehrt höre ich kaum vorurteilsfreie Meinungen über israelische Politiker, wie Sharon oder Netanjahu. Das sind immer nur die „Hardliner“. Die Siedlungspolitik gilt unisono als Hauptgrund für das Scheitern des Friedensprozesses, auch hier macht sich kaum einer Gedanken über historische und aktuelle gesellschaftliche Realitäten.
    In diese Stimmung kann Grass mit seinem Vergleich von israelischen Politikern und dem iranischen Präsidenten medial gut punkten, es ist aber eine wirklich primitive Beleidigung. Das politische System in Israel ist noch um Welten demokratischer als im Iran. Israel hat Iran eben keine Vernichtung angekündigt. Warum darf sich Israel nicht mit allen Mitteln gegen einen Gegner, der seine Aggression schon angedroht hat wehren? Aus einem deutschen sicheren Literturstübchen lässt sich da vielleicht schön schreiben, es ist nur sehr weltfremd.

    Darum, keiner weiß was Grass wirklich antreibt. Aber gegen seine falschen Aussagen muss man sich einfach wehren. Ich sehe nachwievor keinen wahren Kern. Ich vermute vielmehr eine Mischung aus Sturheit, Unbelehrbarkeit und alten Ressentiments.

    Antworten
  7. Christian Döring says:

    „““Israel hat Iran eben keine Vernichtung angekündigt.“““

    Das mag vielleicht stimmen, aber Israel kann sich einer Erstschlag gegen den Iran vorstellen. Ist das nun besser?

    „““Das politische System in Israel ist noch um Welten demokratischer als im Iran.“““

    Das mag vielleicht stimmen, aber sollten wir im Westen nicht endlich vom gefühlten Sockel herunterkommen und meinen unsere westlichen Demokratien seien die besten? Gerade in letzter Zeit merken wir doch selbst immer mehr, dass unsere Gesellschaftsform dringend weiter entwickelt werden muss.

    „““Aus einem deutschen sicheren Literturstübchen lässt sich da vielleicht schön schreiben, es ist nur sehr weltfremd.“““

    Das mag vielleicht stimmen, aber weltfremd ist Grass keinesfalls, wäre er dies, würde niemand seine Zeilen beachten.

    Antworten
    • uli says:

      Es stimmt nicht nur vielleicht, sondern stimmst schon. 🙂
      Zum Erstschlag: Besser ist sicher im Zusammenhang mit militärischen Einsätzen ein schwieriges Wort, höchstens im Sinne von kleinerem Übel. Es macht schon einen Unterschied, ob jemand ein ganzes Land vernichten will, oder ob man diesem Land die Anlagen so zerstören will, dass es die Möglichkeit zur Vernichtung nicht mehr hat. Wird sicher auch Tote und Leid geben, aber, wie gesagt es geht dann nur noch ums kleinere Übel. Ich glaube kaum, dass sich irgendjemand in Israel über einen Krieg mit dem Iran freuen würde.
      Zur Demokratie: Ganz klares Ja! ich bin der Meinung, dass die Demokratie die beste -Staatsform ist und bin sehr dankbar, dass wir im Westen in so einem System leben können. Das bedeutet nicht, dass dann alles perfekt ist oder sich nicht weiterentwickeln muss. Demokratie setzt aber voraus, dass in der Gesellschaft ein Mindestmaß an individuellen Freiheiten vorhanden sein muss: Das Recht auf eine eigene Meinung zum Beispiel. Dass eben nicht die Abstimmung des einzelnen durch irgendwelche Stammesführer, Familienoberhäupter, Religionsührer etc bestimmt wird. Das ist in vielen Ländern ein Problem. Eine demokratische Entwicklung kann aber auch die Entwicklung solcher Freiheiten fördern.
      Zu Grass Weltfremdheit: Natürlich hat Grass viele Verdienste, darum hören auch viele auf ihn. Außerdem denke ich schon, dass seine Meinung bei vielen auf fruchtbaren Boden fällt, die sich selber nicht trauen würden sowas zu sagen. Aber trotzdem sind seine Thesen eben an der Realität vorbei. Ich merke bei ihm auch keine Bereitschaft auf vernünftige Argumente zu hören, sondern er wirkt eher stur und verbittert.

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